Loading...

Mein Körper. Meine Rechte. Alles zur Kampagne

Amnesty Journal 01/2015

Editorial Von Christine Newald

Mein Körper gehört mir.

Die Revolution der Frauen ist eine Revolution der Körper. Wir tanzen, trommeln, singen und lachen, um unseren Weg der Heilung gemeinsam weiter zu gehen. Wir nehmen unseren Platz im Universum wieder ein. Wie ein Phönix steigen wir aus der Asche: schöner und reicher an Erfahrung, stärker, selbstbewusster, kreativer und solidarischer. Die Verwandlung macht uns stark.“ So heißt es im Manifest von One Billion Rising, einer globalen Bewegungw für die Beendigung von Gewalt an Frauen und Mädchen.

Weltweit werden Frauen vergewaltigt, von extremistischen Gruppen verschleppt und versklavt. Jede dritte Frau hat schon einmal in ihrem Leben Gewalt erfahren. Menschen werden wegen ihrer Entscheidungen bezüglich Sexualität, Partnerwahl oder Schwangerschaft verfolgt – Entscheidungen, die ihr Intimleben betreffen und von niemandem kontrolliert werden sollen. Doch das Recht, über den eigenen Körper und die eigene Sexualität selbst zu bestimmen, wird Frauen und Mädchen in vielen Ländern und Zusammenhängen vorenthalten.

Tatsächlich weigern sich manche Staaten explizit, ihre Verpflichtungen wahrzunehmen, und in den einschlägigen UNO-Gremien sind es stets dieselben Themen, die zu Kontroversen führen: Der Schwangerschaftsabbruch, das Recht auf Sexualerziehung, die sexuelle Orientierung, die Definitionen von Ehe und Familie. Dabei haben die katholisch und islamisch orientierten Staaten, die im Verbund mit dem Vatikan solche Rechte vehement bekämpfen, durch christlich-fundamentalistische Kräfte zusätzliche Unterstützung erhalten. Diesen gelingt es zunehmend, auch die Positionen armer Länder des Südens zu beeinflussen, deren politische Herrscher innenpolitisch auf ihre Unterstützung angewiesen sind.

„Never turning back“: Das Motto von Beijing 1995 ist auch heute wieder zu hören. Besonders im Zusammenhang mit der Definition künftiger globaler Entwicklungsziele im „Post-2015“ Prozess: Gender-Gleichstellung und Frauenmenschenrechte sollen darin als separates Ziel verankert werden, das von allen Staaten verfolgt werden muss, aber auch als explizites Querschnittsziel in allen Bereichen. Zurzeit stehen die Chancen dazu nicht schlecht, doch ob es gelingt, ist noch offen.

Der große Gewinn von Beijing bleibt die breite Einsicht in die Notwendigkeit, bei innerstaatlichen Kämpfen um die Frauenrechte auf die internationalen Normen zurückzugreifen, auf die Regierungen sich verpflichtet haben – und umgekehrt. Dies immer wieder einzufordern, ist auch in Zukunft die Aufgabe von NGOs wie Amnesty International. Jeder Mensch hat das Recht, in Angelegenheiten rund um die eigene Sexualität, um Partnerschaft und Schwangerschaft selbst zu entscheiden. Ohne Diskriminierung, Zwang oder Gewalt. Doch längst nicht überall sind diese Menschenrechte garantiert. Es ist Zeit für Gerechtigkeit! Denn Gewalt ist keine Sache der Opfer, sondern sie geht uns alle an.

PS: Aus aktuellem Anlass möchte ich dem Amnesty-Netzwerk Frauenrechte sehr herzlich zum 25-jährigen Jubiläum gratulieren und mich für die Zusammenarbeit für diese Ausgabe des Amnesty Journals bedanken!

Corona-Krise: Lassen wir niemanden zurück!

Jetzt spenden