Sudan: Hunderttausende Kinder mussten ihr Zuhause verlassen.
Deine Spende hilft, Verbrechen zu dokumentieren und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Angolanische Frauen und Kinder werden aufgrund der Dürre nach Namibia vertrieben. Dort sind sie schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, da es keine sicheren und legalen Migrationswege gibt, so Amnesty International in einem neuen Bericht.
Der Bericht “The Drier it Gets, the Longer You Have to Walk: The Human Rights Impacts of Drought-Induced Displacement on Angolan Women and Children in Namibia” dokumentiert die verheerenden Folgen wiederkehrender Dürren im Süden Angolas und die menschenrechtlichen Auswirkungen, denen die nach Namibia Vertriebenen ausgesetzt sind. Darunter etwa die ständige Angst vor Festnahme, Inhaftierung und Abschiebung. Das hat wiederum Auswirkungen darauf, ob die Menschen medizinische Versorgung und andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder nicht.
Für den Bericht befragte Amnesty International zwischen Mai 2024 und Mai 2026 über 160 Personen, darunter Vertriebene, Regierungsvertreter*innen, Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen (CSOs), Wissenschaftler*innen und Mitglieder des UN-Länderteams. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatten Vertreter*innen der namibischen Regierung noch nicht auf die Anfrage von Amnesty International nach einer Stellungnahme reagiert.
Die namibischen Behörden müssen einen rechtsbasierten Ansatz in der Migrationspolitik verfolgen und sicherstellen, dass Menschen, die durch Dürre und andere Naturkatastrophen vertrieben wurden, grundlegende Rechte wahrnehmen können, einschließlich der Registrierung und der Ausstellung von Ausweispapieren.
Tigere Chagutah, Regionaldirektor von Amnesty International für Ost- und Südafrika
„Der Schutz bereits marginalisierter Angolaner*innen, die auf der Suche nach Existenzgrundlagen gezwungen sind, nach Namibia zu ziehen, ist nicht nur ein humanitäres Anliegen. Es handelt sich um eine Menschenrechtskrise, die internationale Solidarität erfordert, einschließlich rechtlicher Schutzmaßnahmen gegen Zurückweisung“, so Tigere Chagutah weiter.
Der Süden Angolas, insbesondere die Provinzen Cunene, Huíla und Namibe, gehört zu den Regionen, die am stärksten von wiederkehrenden Dürren betroffen sind. Durch El Niño wurden sie noch verschärft. Diese Bedingungen haben gravierende Auswirkungen auf die traditionelle Weide- und Landwirtschaft und die Widerstandsfähigkeit der Menschen.
Der Bericht zeigt, dass Angolaner*innen nur begrenzte Möglichkeiten haben legal in Namibia zu leben, da die geltenden Einwanderungsgesetze die Realitäten klimabedingter Vertreibung nicht widerspiegeln. Dies hat viele Menschen in einen irregulären Status gezwungen. Im Jahr 2026 gab das namibische Innenministerium bekannt, dass mehr als 1.000 angolanische Staatsangehörige nach Angola zurückgeführt worden seien, nachdem sie sich ohne regulären Aufenthaltsstatus im Land aufgehalten hatten.
Am 4. Juni 2025 beobachtete Amnesty International, wie namibische Behörden etwa 40 angolanische Staatsangehörige, darunter Frauen und Kinder, in einem Gemeindezentrum in Opuwo sammelten und sie noch am selben Tag zur über 100 km entfernten Grenze bei Ruacana brachten. Dort übergaben sie sie an die angolanischen Behörden – ohne individuelle Prüfung, ohne Informationen über Asyl- oder
Schutzmöglichkeiten und ohne Bewertung der Risiken bei der Rückkehr. Das Fehlen einer individuellen Prüfung gibt im Hinblick auf das Verbot von Kollektivausweisungen und den Grundsatz der Nichtzurückweisung (Non-Refoulement) Anlass zu ernster Besorgnis. In anderen Fällen waren angolanische Kinder von staatlich organisierten Zwangsrückführungen betroffen.
Vielen Menschen aus den von der Dürre betroffenen Grenzgemeinden fehlen Reisepässe oder andere Ausweisdokumente, sodass sie informelle Grenzübergänge nutzen. Sind sie erst einmal ohne regulären Aufenthaltsstatus in Namibia, haben sie kaum Möglichkeiten, ihren Aufenthalt zu legalisieren. Dies hat dazu geführt, dass Tausende Angolaner*innen in Angst vor Festnahme, Inhaftierung und Abschiebung leben. Eine Angst, die Einfluss auf ihre täglichen Entscheidungen nimmt, etwa ob sie medizinische Versorgung und andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder nicht.
Viele Familien leben im Norden Namibias in provisorischen Unterkünften aus Ästen, Plastik und Pappe unter extrem beengten Verhältnissen oder in einigen Fällen sogar ganz ohne Obdach. Diese Bedingungen bleiben weit hinter den Vorgaben des internationalen Rechts und internationalen Standards zurück.
Amnesty International fordert die namibischen Behörden auf, ihren internationalen und rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Sie müssen sicherstellen, dass vertriebene Angolaner*innen Zugang zu rechtlichem Schutz erhalten. Die staatlichen Behörden müssen vor Abschiebungen individuelle Prüfungen durchführen und die mit der Rückkehr verbundenen Risiken für die Betroffenen berücksichtigen.
Staaten mit hohem Einkommen und historisch hohen Emissionen wie Österreich haben eine größere Verantwortung was Klimaschutzmaßnahmen angeht. Staaten, die dazu in der Lage sind, müssen internationale Zusammenarbeit und Hilfe leisten. Dazu gehört eine angemessene Klimafinanzierung entsprechend ihren Kapazitäten, um Länder wie Angola und Namibia bei der Anpassung an die Klimakrise, der Vorbereitung auf Dürren und der Bewältigung von Schäden zu unterstützen.
Die Investitionen Angolas in Klimaanpassung und Dürrevorsorge sind nämlich weiterhin durch begrenzte finanzielle Ressourcen, schwache institutionelle Kapazitäten, eine unzureichende Infrastruktur zur Klimaüberwachung und die anhaltende Abhängigkeit von geberfinanzierten Notfall- und Resilienzprogrammen geprägt.
Mehr als 7.000 Angolaner*innen – vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen – flohen zwischen Jänner und Juli 2021 nach Nordnamibia, nachdem es im Süden Angolas mehrere Jahre in Folge zu schwerer Dürre und Ernährungsunsicherheit gekommen war. In den Jahren 2023 und 2024 kam es erneut zu schweren Dürreperioden. Das tatsächliche Ausmaß der durch die Dürre bedingten Vertreibungen in diesem Zeitraum ist jedoch unbekannt, da es keine umfassenden Datenerhebungen gibt.