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Bis zu 1.600 Euro für einen Schwangerschaftsabbruch in Österreich

21. September 2026

Wien, 21.09.2026 – In Österreich ist der Zugang zum Schwangerschaftsabbruch und damit das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen, noch immer keine Selbstverständlichkeit. Wer sich für einen Abbruch entscheidet, muss nicht nur mit gesellschaftlicher Stigmatisierung kämpfen, sondern auch mit hohen Kosten und einer unzureichenden Versorgungslage. Bis zu 1.600 Euro kann ein Schwangerschaftsabbruch kosten, eine finanzielle Hürde, die insbesondere Menschen mit wenig Einkommen vor eine massive Belastung stellt.

In Österreich wird das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, nach wie vor infrage gestellt. Sei es aufgrund der Tatsache, dass Schwangerschaftsabbrüche – trotz menschenrechtlicher Vorgaben – immer noch im Strafgesetzbuch stehen oder dass auch hier Gruppen sich offen gegen den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen stellen. Umso wichtiger ist es, dass wir heute als breite Allianz auftreten und festhalten: Österreich muss beim Recht auf körperliche Selbstbestimmung endlich voranschreiten!

Ronya Alev, Advocacy & Research Officer bei Amnesty International Österreich

Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung muss in Österreich endlich gewährleistet werden

Der Schwangerschaftsabbruch steht als einzige Gesundheitsleitung im österreichischen Strafgesetzbuch und ist nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Dies widerspricht den Menschenrechten, zu denen sich Österreich verpflichtet hat und trägt zur Stigmatisierung und Tabuisierung bei.

Stephanie Beil von Pro Choice Austria betont: „Ein Schwangerschaftsabbruch ist eine Gesundheitsleistung, keine Straftat. Alle Menschen, die schwanger werden können, sollten frei darüber entscheiden dürfen, ob, wann, mit wem und unter welchen Umständen sie Kinder bekommen“.

Die legale und sichere Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs trägt maßgeblich zur Gesundheit und autonomen Lebensführung der betroffenen Personen bei. Wir als Doctors for Choice Austria sehen es als unsere Aufgabe, das Recht auf Selbstbestimmung vor dem Hintergrund unserer Professionen einzufordern und Expertise zu liefern. Reproduktive Gesundheit ist für uns unverhandelbar. Denn nicht selbstbestimmt ist nicht gesund.

Doctors for Choice Austria

Versorgungslage 

Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gleicht in Österreich einer Lotterie.

Denn je nach Wohnort unterscheidet sich die Versorgungslage. Während es in manchen Bundesländern zumindest eine oder zwei bekannte Anlaufstellen gibt, existiert im Burgenland keine einzig öffentlich bekannte Einrichtung für Schwangerschaftsabbrüche. Das bedeutet: Neben den Kosten für den Abbruch selbst müssen ungewollt schwangere Personen auch Fahrtzeit, Fahrtkosten und eventuell Übernachtungskosten in Kauf nehmen.

Die Anzahl der Personen, die sich an uns wenden, ist stark gestiegen, unser monatlicher Spendenbedarf hat sich von 10.000€ auf 20.000€ verdoppelt. Wir sind dringender, denn je auf Spenden angewiesen, um das Unterstützungsnetz aufrechterhalten zu können.

Ronja Staudinger-Langer, Verein CHANGES for Women

Um einen Abbruch in Österreich durchzuführen, kommen auch Menschen aus anderen Ländern, etwa aus Polen oder Ungarn, wo Schwangerschaftsabbrüche verboten oder eingeschränkt sind.

Das Kollektiv Ciocia Wienia aus Wien unterstützt sie bei der Organisation der Reise und begleitet in der Klinik. „Ein Viertel der Personen, die sich an uns wenden, benötigt finanzielle Unterstützung. Durch die Safe Abortion Week wollen wir auf die Ungleichheiten beim Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam machen und die vollständige Entkriminalisierung zu fordern” – sagt ein*e Aktivist*in von Ciocia Wienia.

Fünf Jahre Bündnis für reproduktive Selbstbestimmung

Amnesty International ist Mitglied des Bündnis 28. September, das 2022 von CHANGES for Women, Ciocia Wienia und Pro Choice Austria gegründet wurde und mittlerweile fast 70 Organisationen, Vereine und politische Parteien zählt. Sie eint die Forderung nach reproduktiver Selbstbestimmung für alle Menschen, die schwanger werden können und die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. 

Das Bündnis fordert vor dem Hintergrund der Safe Abortion Week:

  • Vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs
  • Flächendeckender Zugang, Abbrüche in allen öffentlichen Krankenhäusern mit gynäkologischer Abteilung
  • Kostenübernahme durch die öffentliche Hand für versicherte und nicht versicherte Personen
  • Ein Ende der Stigmatisierung

Safe Abortion Week: Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen in ganz Österreich

Die Safe Abortion Week findet vom 21. – 28.09 statt. Der Safe Abortion Day am 28. September bildet den Höhepunkt der Woche. Rund um den internationalen Aktionstag finden österreichweit zahlreiche Veranstaltungen, Informationsangebote und Aktionen statt, die auf die Bedeutung eines sicheren, leistbaren und selbstbestimmten Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam machen.

Auf der Website des Bündnisses 28. September kann das komplette Programm eingesehen werden. Dieses wird laufend ergänzt. In Wien lädt das Bündnis am 26. September zur 5. Jahresfeier (19Uhr, ega: frauen im zentrum,Windmühlgasse 26, 1060 Wien) und am 28. September zur Kundgebung (17Uhr, Maria-Theresien-Platz, Wien) ein. Auch in Graz, Innsbruck, Linz, und weiteren Städten sind Veranstaltungen geplant. Alle Informationen hier.

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