
Klimakrise und Menschenrechte: Die Folgen der Erderhitzung für den Menschen
Veröffentlicht am 10.9.2020, aktualisiert am 13.7.2026
Wir alle merken den Klimawandel schon heute. Millionen von Menschen leiden unter den katastrophalen Auswirkungen extremer Wetterkatastrophen, die durch den Klimawandel noch verschärft werden – von anhaltender Dürre in Afrika südlich der Sahara bis hin zu Extremregen und verheerenden Tropenstürmen, die über Südostasien, die Karibik und den Pazifik hinwegfegen. Steigende Temperaturen haben zu tödlichen Hitzewellen in Europa und Waldbränden in Südkorea, Algerien, Kroatien und vielen weiteren Ländern geführt. Die verheerenden Auswirkungen, die der Klimawandel verursacht und weiterhin verursachen wird, bedeuten für die Menschheit Alarmstufe Rot.
Daher hat sich in den letzten Jahren der Begriff Klimakrise etabliert, um der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Folgen des Klimawandels gerecht zu werden. Denn eine ungebremste Klimakrise wird die bestehenden Ungleichheiten zwischen den Menschen vergrößern und ihre katastrophalen Auswirkungen werden im Laufe der Zeit weiter zunehmen.
Das Versagen von Regierungen, angesichts der überwältigenden wissenschaftlichen Beweise endlich gegen die Klimakrise vorzugehen, hat das Potential, die größte Menschenrechtsverletzung zwischen Generationen in der Geschichte zu werden.
Diese Klima- bzw. Menschenrechtskrise bedroht sowohl die Rechte der aktuellen Weltbevölkerung als auch die künftiger Generationen, konkret das Recht auf Leben, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Nahrung, das Recht auf Wasser oder das Recht auf Wohnen.
Die Wissenschaft ist sich einig: die in erster Linie durch menschliche Aktivitäten verursachte globale Erderhitzung führt zur eskalierenden Klimakrise. Neben den Schäden an der Umwelt verringern die mit der Klimakrise zusammenhängenden Katastrophen die Artenvielfalt. Zudem fügen sie marginalisierten Personen und Gruppen, die ohnehin schon unter systemischer Ungerechtigkeit leiden, unverhältnismäßig großen Schaden zu. Angesichts dieser Realität stehen Aktivist*innen und soziale Bewegungen an vorderster Front und fordern globale Klimagerechtigkeit. Amnesty International solidarisiert sich mit ihnen.
Um globale Klimagerechtigkeit zu erreichen, müssen die strukturellen Ungleichheiten anerkannt und bekämpft werden, die zur Klimakrise beitragen. Denn ihre Folgen treffen Menschen weltweit nicht gleichermaßen, sondern verschärfen bestehende Ungerechtigkeiten.
> Warum ist die Klimakrise ein Menschenrechtsthema?
> Folgen: Wer ist am stärksten von der Klimakrise betroffen?
> Wer ist für die Eindämmung der Klimakrise verantwortlich?
> Was ist die COP? Die Weltklimakonferenz erklärt
> Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Warum er für den Klimaschutz unverzichtbar ist
> Welche Auswirkungen hat die Klimakrise in Österreich?
> Warum wir den Klimawandel eindämmen müssen, um Menschenrechte schützen zu können
> Was Amnesty International gegen die Klimakrise und für Klimagerechtigkeit unternimmt
Was ist der Klimawandel?
Das Klima des Planeten hat sich im Laufe der geologischen Zeit ständig verändert, mit erheblichen Schwankungen der globalen Durchschnittstemperaturen.
Die aktuelle Erwärmungsperiode verläuft jedoch schneller als alle Ereignisse der Vergangenheit. Wissenschaftliche Erkenntnisse machen deutlich, dass die Menschheit den größten Teil der Erderhitzung des letzten Jahrhunderts verursacht hat. Indem wir Energie für unser modernes Leben produzieren, verursachen wir Treibhausgase – durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (wie Kohle, Gas oder Öl), Landwirtschaft und Landnutzung.
Der Ausstoß von Treibhausgasen ist heute auf dem höchsten Stand, der in den letzten 800.000 Jahren jemals erreicht wurde. Dieser rasche Anstieg ist ein Problem, weil er unser Klima in einem so rasanten Tempo verändert, dass sich Lebewesen nicht schnell genug daran anpassen können.
Zu den Folgen des Klimawandels zählen nicht nur steigende Temperaturen, sondern auch extreme Wetterereignisse, der Anstieg des Meeresspiegels und die Verschiebung von Wildtierpopulationen und Lebensräumen.
Darüber hinaus führt die Aufnahme von überschüssigem Kohlendioxid durch die Ozeane (die sich selbst erwärmen) zu einem Anstieg des Säuregehalts, wodurch Meereslebewesen und Korallenriffe bedroht werden.
Die Klimakrise verschärft auch das Risiko des Aussterbens vieler Arten aufgrund von Lebensraumverlust, extremen Wetterereignissen und Veränderungen der ökologischen Bedingungen. Die Welt verliert Arten in einem Tempo, das 1.000 Mal schneller ist als jemals zuvor in der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte, wobei eine Million Arten innerhalb der nächsten Jahrzehnte vom Aussterben bedroht sind.
Die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels haben mit erschütternder Deutlichkeit gezeigt, wie wichtig eine gesunde Umwelt für die Wahrnehmung all unserer anderen Rechte ist.
Wir müssen uns mit den Ursachen dieser Krise auseinandersetzen und die mächtigen Akteur*innen, die sie aufrechterhalten, zu einer Kurskorrektur bewegen. Die Stimmen und Forderungen jener Gruppen, die am stärksten unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden, müssen im Mittelpunkt stehen. Das sind oft gleichzeitig auch die Gruppen, die historisch gesehen am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben.
Die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels haben mit erschütternder Deutlichkeit gezeigt, wie wichtig eine gesunde Umwelt für die Wahrnehmung all unserer anderen Rechte ist.
Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International
Warum ist die Klimakrise ein Menschenrechtsthema?
Die Auswirkungen der Klimakrise stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Ausübung der bürgerlichen, politischen sowie auch wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte heutiger und künftiger Generationen dar. Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag können sich auf Ernteerträge, Fischerei und Viehzucht auswirken und zu Nahrungsmittelknappheit führen.
Die Klimakrise erhöht zudem das Risiko von Hitzeschlägen, Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung, die Ausbreitung von Krankheiten sowie psychische Probleme im Zusammenhang mit klimabedingten Katastrophen und Vertreibung.
Das Recht auf Leben
Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände, die durch die vom globalen Anstieg der Temperaturen verursachte Klimakrise verschärft werden, führen zu zahlreichen Todesfällen und Verletzungen. Das Recht auf Leben ist unmittelbar durch immer häufigere und intensivere Extremwetterereignisse gefährdet.
· Weltweit sterben jedes Jahr mindestens 400.000 Menschen vorzeitig aufgrund der Klimakrise. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert zwischen 2030 und 2050 bis zu 250.000 zusätzliche Todesfälle pro Jahr, die hauptsächlich auf Malaria, Unterernährung, Durchfall und/oder Hitzestress zurückzuführen sind.
Das Recht auf Gesundheit
Das Recht auf Gesundheit wird durch eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten beeinträchtigt, etwa durch Atemwegserkrankungen infolge von Luftverschmutzung. Darüber hinaus führen klimabedingte Katastrophen, extreme Hitze und Vertreibung zu erheblichen physischen und psychischen Gesundheitsfolgen. Die Klimakrise verschärft bestehende gesundheitliche Risiken und belastet die Gesundheitseinrichtungen enorm. Zum Beispiel gibt es ein erhöhtes Risiko für Unterernährung infolge verminderter Nahrungsmittelproduktion.
Es gibt zudem wissenschaftliche Belege dafür, dass die Belastung durch Luftverschmutzung aufgrund der Verbrennung fossiler Brennstoffe allein im Jahr 2020 zu über 1,2 Millionen Todesfällen geführt hat!
Das Recht auf Wasser und sanitäre Versorgung
Durch die Klimakrise haben immer mehr Menschen keinen Zugang zu sauberem und sicherem Wasser und/oder zu sanitären Einrichtungen. Das Recht auf Wasser und sanitäre Versorgung ist durch anhaltende Dürren, sich verändernde Niederschlagsmuster, schmelzende Gletscher und den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Diese zunehmende Knappheit beeinträchtigt das tägliche Leben, die Landwirtschaft und die Hygiene und bringt Bevölkerungsgruppen in prekäre Situationen.
Das Recht auf angemessenes Wohnen
Zyklone, Stürme und Überschwemmungen zerstören Häuser, insbesondere in informellen Siedlungen. Das führt zu Massenvertreibungen. Millionen von Menschen sind jährlich gezwungen, ihre Häuser aufgrund klimabedingter Katastrophen zu verlassen. Das Recht auf angemessenes Wohnen wird systematisch ausgehöhlt. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Häuser von Millionen von Menschen weltweit in tief gelegenen Gebieten, etwa in der honduranischen Küstengemeinde Cedeño oder auf den Pazifikinseln Tuvalu und Kiribati.
Das Recht auf Nahrung
Unvorhersehbare Wetterverhältnisse wie Dürren und Starkregen bringen Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und schmälern Ernteerträge.
Die Folgen sind Nahrungsmittelknappheit, steigende Preise sowie eine Zunahme von Unterernährung und Hungersnöten. Damit ist das Recht auf Nahrung unmittelbar gefährdet. Laut dem World Food Programme könnte die Klimakrise bis 2050 weltweit zu einem Anstieg von Hunger und Unterernährung um 20 % führen!
Das Recht auf Bildung
Menschen, die von der Klimakrise direkt betroffen sind oder vertrieben wurden, stehen oft vor erheblichen Herausforderungen: überfüllte Schulen, zerstörte Infrastruktur, verschärfte Armut, Schulabbruch, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Qualifikationen, Diskriminierung und vieles mehr.
Folgen: Wer ist am stärksten von der Klimakrise betroffen?
Der Klimawandel schadet uns allen und wird uns auch weiterhin schaden, wenn die Regierungen nicht endlich etwas dagegen unternehmen.
Doch es sind nicht alle Menschen gleichermaßen betroffen. Die negativen Auswirkungen treffen marginalisierte Gruppen und diejenigen, die am wenigsten zu seinen Ursachen beigetragen haben, unverhältnismäßig stark.
Auch indigene Völker sind übermäßig betroffen, da sich über 16 % der weltweiten fossilen Brennstoffinfrastruktur auf indigenen Gebieten befindet. Mindestens 32 % der kartierten bestehenden fossilen Brennstoffanlagen überschneiden sich mit einem oder mehreren „kritischen Ökosystemen”.

Unter den Gruppen, die heute schon disproportional die negativen Auswirkungen des Klimawandels spüren, sind Menschen die Erfahrungen mit Wohnungs- oder Obdachlosigkeit haben, ältere Menschen, Menschen, die von Armut betroffen sind oder armutsgefährdet sind sowie Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen.
Deshalb fordert Amnesty International nicht nur Maßnahmen gegen den Klimawandel, sondern Klimagerechtigkeit.
Aber was genau bedeutet das eigentlich?
Klimagerechtigkeitsansätze betrachten die strukturellen Ursachen der Klimakrise und zeigen, wie der Klimawandel bestehende Ungleichheiten weltweit verschärft. Ziel ist es, diese Ungerechtigkeiten zu überwinden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Perspektiven, das Wissen und die Forderungen jener Gruppen und Gemeinschaften, die von der Klimakrise am stärksten betroffen sind.
Die Folgen der Klimakrise werden außerdem für die folgenden Gruppen noch ausgeprägter sein:
Menschen in Ländern mit niedrigerem Einkommen
Die Menschen in diesen Ländern gehören bereits zu den am stärksten vom Klimawandel Betroffenen, obwohl sie nur minimal zu den Treibhausgasemissionen beitragen. Das liegt auch an historischen und systemischen Ungerechtigkeiten, etwa den Folgen des Kolonialismus. Dieser hat zu einer ungleichen Verteilung von Ressourcen und einer begrenzten Anpassungsfähigkeit geführt.
Frauen und Mädchen
Sie sind oft stärker auf natürliche Ressourcen angewiesen, aber sind gleichzeitig mit erschwerten Hindernissen beim Erwerb von Land und beim Zugang zu finanziellen Ressourcen konfrontiert. Als Folge sind sie vermehrten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt und stehen bei der Bewältigung von klimabedingen Folgen vor größeren Herausforderungen.
Gruppen, die unter Umweltrassismus leiden
Die negativen Auswirkungen des Klimawandels spiegeln Muster des Umweltrassismus wider. Von Rassismus betroffene Menschen sind dabei unverhältnismäßig stark Risiken und Schäden ausgesetzt.
Zum Beispiel leben in Nordamerika rassifizierte Gruppen, insbesondere diejenigen, die in Armut leben, oft in der Nähe von Kraftwerken und Raffinerien, was zu höheren Raten an Atemwegserkrankungen und Krebserkrankungen führt. Schwarze Amerikaner*innen sterben dreimal häufiger an den Folgen der Luftverschmutzung als die Gesamtbevölkerung der USA.
Kinder
Sie sind aufgrund ihres Stoffwechsels, ihrer Physiologie und ihrer Entwicklungsbedürfnisse besonders gefährdet. Eine erzwungene Vertreibung, die sich auf ihre Rechte auf Wasser, sanitäre Versorgung, Nahrung, Wohnen, Gesundheit, Bildung und/oder Entwicklung auswirkt, ist für Kinder besonders schädlich.
Ältere Menschen
Extreme Hitze ist für ältere Menschen sehr gefährlich, insbesondere für diejenigen mit Vorerkrankungen. Ältere Menschen sind zudem häufig mobil eingeschränkt, was bei klimabedingten Katastrophen gefährlich sein kann.
Diese Ungleichheiten sind die Basis für die Forderung nach Klimagerechtigkeit: Es ist der Appell an die wohlhabenden Industriestaaten voranzugehen und einen fairen Beitrag zu leisten, um einige der durch die Klimakrise verursachten Ungerechtigkeiten zu mildern.
Wer ist für die Eindämmung der Klimakrise verantwortlich?
Staaten
Staaten haben die Pflicht, die Folgen des Klimawandels für den Menschen einzudämmen, indem sie möglichst ambitionierte Maßnahmen ergreifen, um Treibhausgasemissionen innerhalb kürzester Zeit zu verhindern oder zu reduzieren. Während wohlhabende Staaten eine klare Vorreiterrolle übernehmen müssen – auch durch internationale Zusammenarbeit – müssen alle Länder vernünftige Schritte umsetzen, um die Emissionen im vollen Umfang ihrer Möglichkeiten zu reduzieren.
Es müssen konkrete Schritte gesetzt werden, um den Klimawandel so rasch wie möglich zu bekämpfen. Dabei dürfen die Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise weder direkt noch indirekt Menschenrechte verletzen.
So dürfen etwa keine Naturschutzgebiete geschaffen oder Projekte für erneuerbare Energien auf dem Land indigener Völker umgesetzt werden, ohne diese zuvor zu konsultieren und ihre freie Zustimmung einzuholen.
Unternehmen
Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte halten fest, dass Unternehmen eine eigenständige Verantwortung tragen, die Menschenrechte zu achten. Das bedeutet, dass sie durch ihre Geschäftstätigkeit keine Menschenrechtsverletzungen verursachen dürfen.
Kommt es dennoch zu negativen Auswirkungen, sind sie verpflichtet, diese zu beheben und Wiedergutmachung zu leisten. Diese Verantwortung umfasst auch die Auswirkungen ihres Handelns auf die Klimakrise und die damit verbundenen Menschenrechtsrisiken. Gleichzeitig sind Staaten verpflichtet, wirksame rechtliche und politische Rahmenbedingungen zu schaffen, um unternehmerisches Handeln so zu regulieren, dass Menschenrechtsverletzungen verhindert werden.
Menschenrechte und die Klimakrise gehen Hand in Hand. Wir können die eine Krise nicht lösen, ohne die andere mitzudenken.
Greta Thunberg
Was ist die COP? Die Weltklimakonferenz erklärt
Die COP („Conference of the Parties“) oder die sogenannte Weltklimakonferenz ist ein jährliches Treffen, um konkrete Verpflichtungen einzugehen und Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise zu finden.
Die COP findet jedes Jahr in einer anderen Region der Welt statt. Dort treffen sich alle Vertragsstaaten der 1992 abgeschlossen UN-Klimakonvention (sogenannte United Nations Framework Convention on Climate Change, kurz UNFCCC). Die COP dient als Hauptentscheidungsgremium für die UNFCCC.
Im Rahmen der COP 2015 in Paris wurde das wichtige Pariser Abkommen beschlossen, welches Staaten dazu verpflichtet, Maßnahmen zu setzen, um den globalen Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.
Die Staats- und Regierungschefs auf der COP müssen die Menschen statt Profit und Macht in den Mittelpunkt der Verhandlungen stellen. Sie müssen sich verpflichten, den Schutz von Aktivist*innen zu gewährleisten und ihre Forderung nach entschlossener Klimapolitik ernst zu nehmen. Unsere Erde braucht dringend ein vollständiges, schnelles, gerechtes und finanziell abgesichertes Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe. Es braucht zudem einen gerechten Übergang zu nachhaltiger Energie für alle und in allen Bereichen.

Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Warum er für den Klimaschutz unverzichtbar ist
Fossile Brennstoffe – Kohle, Öl und Gas – prägen nahezu jeden Bereich unseres Alltags. Doch dies bleibt nicht ohne Folgen. Ihre Förderung und Nutzung treiben die globale Klimakrise voran. Das Versagen unserer Regierungen, angesichts erdrückender wissenschaftlicher Beweise zu handeln, könnte durchaus die größte generationenübergreifende Menschenrechtsverletzung der Geschichte darstellen.
Laut globalen Emissionsdaten aus dem Jahr 2024 stammen etwa 69 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus dem Energiesektor, wo fossile Brennstoffe für die Stromerzeugung, den Verkehr, industrielle Prozesse und andere Zwecke wie Heizen und Kochen gefördert und verbrannt werden.
Aktivist*innen, die sich gegen fossile Projekte einsetzen, sind Einschüchterung und Gewalt bis hin zum Tod ausgeliefert, während sie unser Recht auf eine gesunde Umwelt verteidigen.
Um die Menschenrechte und unsere gemeinsame Zukunft zu schützen, muss das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu Ende gehen. Das bedeutet einen vollständigen, raschen, gerechten und finanziell abgesicherten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie die Einstellung der milliardenschweren Subventionen für fossile Brennstoffe, die diese tödliche Industrie am Leben erhalten.
Nur so können wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels begrenzen und sicherstellen, dass unser Planet geschützt wird. Dadurch können sowohl heutige als auch zukünftige Generationen in Würde leben.
Welche Auswirkungen hat die Klimakrise in Österreich?
Auch in Österreich sind die Auswirkungen der Klimakrise stark zu spüren. Bereits heute liegt die durchschnittliche Temperaturerhöhung über dem globalen Durchschnitt. Als Binnenland ist Österreich besonders stark betroffen. Die negativen Auswirkungen zeigen sich in Österreich unter anderem in Form von zunehmenden und intensiveren Hitzetagen und Hitzewellen.
Wie auch in anderen Ländern spüren bestimmte Gruppen auch heute schon disproportional die negativen Auswirkungen des Klimawandels, wie beispielsweise Menschen, die Armut erfahren. Sie haben weniger Möglichkeiten sich vor den steigenden Temperaturen zu schützen.
Ein Briefing von Amnesty International Österreich zeigt auf, dass Menschen, die Obdachlosigkeit erfahren, besonders von den Hitzewellen betroffen sind. Sie haben aufgrund von strukturellen Hürden keinen Zugang zu sicheren und geschützten Rückzugsorten. Obdachlosigkeit verletzt aber nicht nur das Recht auf angemessenes Wohnen, sondern führt zu weiteren Menschenrechtsverletzungen, vor allem in Bezug auf das Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit und folglich das Recht auf Leben.
Was fordert Amnesty International konkret in Österreich?
Als reiches Land mit einem hohen Lebensstandard hat Österreich die Verantwortung, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen und die Menschenrechte zu wahren. Dazu hat sich Österreich völkerrechtlich verpflichtet.
In Österreich fehlt ein menschenrechtskonformes Klimaschutzgesetz. Dieses ist jedoch wichtig, da Österreich mit dem aktuellen Kurs laut Prognosen des Umweltbundesamts seine Klimaziele wohl nicht erreicht. Österreich braucht daher endlich ein menschenrechtskonformes und wirksames Klimaschutzgesetz!
Damit jegliche Maßnahmen gegen die Klimakrise sowohl menschenrechtskonform als auch sozial gerecht gestaltet werden, müssen Menschen, die in Österreich die Folgen des Klimawandels besonders spüren, miteingebunden werden! Maßnahmen zum Klimawandel dürfen dabei nicht zu weiteren Menschenrechtsverletzungen führen.

Kriminalisierung von Klimaprotestierenden in Österreich
Amnesty International beobachtet, dass bestimmte Proteste in Österreich in der öffentlichen Debatte überwiegend negativ dargestellt werden.
Wir sind besorgt über die kriminalisierenden Aussagen von politischen Entscheidungsträger*innen über Klimaaktivist*innen. So hat etwa der ehemalige Bundeskanzler Karl Nehammer Klimaaktivist*innen als “Extremist*innen” bezeichnet.
Grundsätzlich hat die Polizei die Pflicht die Versammlungsfreiheit zu achten, zu schützen und zu gewährleisten und dabei ist es wichtig, dass ihr Handeln gegenüber unterschiedlichen Protesten als konsistent und diskriminierungsfrei wahrgenommen wird.
Protest ist eine legitime und wirksame Form der Teilhabe der Gesellschaft, die in einem Rechtsstaat beachtet werden muss. Es ist ein wichtiges Instrument, um gesellschaftliche Anliegen und politische Positionen öffentlich zum Ausdruck zu bringen.
Warum wir den Klimawandel eindämmen müssen, um Menschenrechte schützen zu können
Weil wir alle den gleichen Schutz verdienen.
Wir alle werden mit grundlegenden Menschenrechten geboren, doch diese Rechte sind durch den Klimawandel ernsthaft bedroht. Während die Klimakrise unser aller Leben auf die eine oder andere Weise gefährdet, gehören Menschen, die Diskriminierung erfahren, zu denjenigen, die wahrscheinlich am stärksten betroffen sind. Wir alle verdienen gleichermaßen den Schutz vor dieser universellen Bedrohung.

Weil wir nichts zu verlieren haben, wenn wir handeln, sondern nur zu gewinnen.
Der Kampf gegen die Klimakrise gibt uns die Chance, das Wohlergehen der Menschen an die erste Stelle zu stellen, indem wir das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt verteidigen.
Es gibt uns die Möglichkeit, die Menschenrechte zu stärken, indem wir zum Beispiel mehr Menschen den Zugang zu saubereren und leistbaren Energieressourcen ermöglichen und Beschäftigungsmöglichkeiten in neuen Bereichen schaffen.
Weil wir das Wissen, die Macht und die Fähigkeit haben, den Klimawandel zu stoppen.
Viele Menschen arbeiten bereits an kreativen, inspirierenden und innovativen Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels. Von Bürger*innen über Unternehmen bis hin zu Städten gibt es überall auf der Welt Menschen, die aktiv an Kampagnen und Lösungen arbeiten, die Menschen und den Planeten schützen.
Indigene Völker und Gruppen, die einer Minderheit angehören, haben seit Jahrhunderten nachhaltige Wege entwickelt, um mit der Umwelt in Einklang zu leben. Wir können von ihnen lernen! Mit ihrer Zustimmung können wir von ihrem Wissen profitieren und einen neuen Zugang finden, mit unserem Planeten umzugehen.
Was Amnesty International gegen die Klimakrise und für Klimagerechtigkeit unternimmt
Amnesty International ist für die Menschenrechte im Pariser Abkommen eingetreten und hat zu strengeren Menschenrechtsstandards im Umgang mit dem Klimawandel beigetragen.
Angesichts der Dringlichkeit der Situation werden wir unsere Bemühungen intensivieren, indem wir zeigen, wie sich die Klimakrise auf die Rechte der Menschen auswirkt, und wie Menschen bereits heute auf die Bedrohung durch die Klimakrise reagieren.
Die Arbeit von Amnesty International im Bereich Klimagerechtigkeit konzentriert sich auf drei Bereiche:
Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen und Civic Space
Wir stehen an der Seite der am meisten Betroffenen sowie der indigenen Völker, die mutig ihr Land und ihre Rechte verteidigen, sowie anderer Menschenrechtsverteidiger*innen, die sich oft unter großem persönlichem Risiko für die Menschenrechte einsetzen. Wir kämpfen für ihren Schutz und für die Wahrung des zivilgesellschaftlichen Raums. Dieser ist für wirksame Klimaschutzmaßnahmen unerlässlich.
Forderung nach Finanzierung
Wir setzen uns für die Bereitstellung angemessener Klimafinanzierungen durch Länder mit höherem Einkommen und historisch hohen Emissionen ein. Diese tragen im Vergleich zu Ländern mit niedrigerem Einkommen die größte Verantwortung für die Klimakrise. Die Finanzmittel sind entscheidend, um einen gerechten Übergang zu einer CO2-freien Wirtschaft zu ermöglichen und um einen Beitrag zu Klimareparationen zu leisten.
Forderung nach Abkehr von fossilen Brennstoffen und einer gerechten Energiewende
Wir setzen uns für einen raschen und gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ein. Länder mit historisch hohen Emissionen müssen schneller handeln, da wir sehen, dass die Abhängigkeit von diesen schädlichen Energiequellen sowohl die Klimakrise als auch eine Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen vorantreibt.
Unsere Forderungen:
Amnesty fordert die Regierungen zu Folgendem auf:
- Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen muss konsequent vorangetrieben werden: Produktion, Nutzung und Subventionen von Kohle, Öl und Gas müssen beendet werden, um eine vollständige Abkehr von fossilen Energien zu erreichen.
- Auch die Finanzierung fossiler Brennstoffprojekte in anderen Ländern muss eingestellt werden, damit der Ausstieg nicht lediglich durch eine Verlagerung der Produktion in Länder des Globalen Südens erfolgt.
- Der gerechte Umstieg auf erneuerbare Energien muss beschleunigt werden: Eine sichere, nachhaltige und leistbare Energieversorgung für alle muss in einer menschenrechtskonformen Weise gewährleistet werden.
- Staaten mit hoher historischer Verantwortung müssen vorangehen: Länder mit besonders hohen Emissionen müssen aufgrund ihrer bisherigen Beiträge und ihrer finanziellen sowie technologischen Möglichkeiten den schnellsten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen umsetzen.
- Die Energiewende muss gerecht gestaltet werden: Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen darf niemanden zurücklassen – insbesondere müssen leistbare Energie und soziale Absicherung für alle gewährleistet sein.
Wir müssen zusammenarbeiten, um die Last der Klimakrise gerecht zu verteilen – reichere Länder müssen anderen helfen. Wir bleiben beharrlich. Wir bleiben laut – bis Politik und Konzerne endlich wirksamen Klimaschutz umsetzen.
DU ermöglichst unseren Einsatz für Menschenrechte!
Menschen wie du finanzieren unsere wichtige Arbeit für Menschen und ihre Rechte, indem sie uns regelmäßig kleine Beträge spenden. Nur so können wir uns unabhängig von Wirtschaftsinteressen und politischen Ideologien für gleiche Rechte für alle Menschen einsetzen. Jeder Beitrag, mit dem du uns unterstützen kannst, ist wichtig und schützt die Rechte von Menschen. Vielen Dank!









