Nach Angriffen im März 2026 steigen über Teheran Rauchwolken auf © Middle East Images/AFP via Getty
presse

Iran: US-Israelische Angriffe im März 2026 verursachten verheerende zivile Schäden – Amnesty fordert Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen

8. September 2026

US-israelische Luftangriffe auf dicht besiedelte Wohngebiete in Teheran im März 2026 haben laut Amnesty International schwere Zerstörungen verursacht. Die Menschenrechtsorganisation dokumentiert Hinweise auf wahllose Angriffe und fordert unabhängige Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen. 

Amnesty International untersuchte Angriffe auf eine Einrichtung der Basij-Miliz der Revolutionsgarden und auf Polizeistationen in den Teheraner Quartieren Niloufar, Resalat und Javadieh zwischen dem 1. und 13. März 2026. Nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation kamen dabei Explosivwaffen mit großflächiger Wirkung in dicht besiedelten Wohngebieten zum Einsatz. Mindestens 41 Zivilist*innen wurden getötet, zahlreiche weitere verletzt.  

Die Untersuchung stützt sich auf Satellitenbilder, 60 von Amnesty verifizierte Videos, öffentliche Stellungnahmen der Behörden in Iran, Israel und den USA sowie zwei Interviews mit zwei Personen im Iran. In Javadieh identifizierten Waffenexpert*innen von Amnesty zudem Trümmerteile, die mit Komponenten eines US-amerikanischen JDAM-Lenksystems übereinstimmen. Amnesty International kontaktierte die Behörden in Israel, den USA und im Iran. Bis zur Veröffentlichung lag keine Antwort vor. 

Die Beweise zeigen ein beunruhigendes Muster von Angriffen mit Explosivwaffen in dicht besiedelten Wohngebieten. Die Folgen für die Zivilbevölkerung waren verheerend und vorhersehbar. Die hohe Zahl ziviler Opfer, das Ausmaß der Zerstörung und die fehlenden wirksamen Warnungen werfen schwerwiegende Fragen zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf.

Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International
  • Planet Labs PBC © Satellitenaufnahmen zeigen das Polizeigebäude vor und nach seiner Zerstörung, wobei die gelbe Markierung auch Schäden an umliegenden Gebäuden zeigt, aufgenommen am 1. und 6. März 2026.

    Satellitenaufnahmen eines Polizeigebäudes vor und nach seiner Zerstörung, wobei die gelbe Markierung auch Schäden an umliegenden Gebäuden zeigt, aufgenommen am 1. und 6. März 2026.

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  • Planet Labs PBC © Satellitenbilder zeigen die Polizeistation, Zerstörung gelb markiert - sowie rot markierte Räumflächen, die auf zusätzliche Schäden hindeuten, aufgenommen am 5. Juni 2025, 5. April und 10. Mai 2026.

    Satellitenbilder einer Polizeistation, Zerstörung gelb markiert - sowie rot markierte Räumflächen, die auf zusätzliche Schäden hindeuten, aufgenommen am 5. Juni 2025, 5. April und 10. Mai 2026.

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  • 2026 Planet Labs PBC © Satellitenaufnahmen zeigen die Basij-Einrichtung und umliegende Gebäude im Stadtteil Resalat am 6. März 2026. Am 21. März sind vier schwer beschädigte oder zerstörte Gebäude zu sehen.

    Satellitenaufnahmen einer Basij-Einrichtung und umliegender Gebäude im Stadtteil Resalat am 6. März 2026. Am 21. März sind vier schwer beschädigte oder zerstörte Gebäude zu sehen.

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„Die von Amnesty International dokumentierten Angriffe könnten wahllose Angriffe darstellen und damit Kriegsverbrechen sein. Sie müssen unabhängig, unparteiisch und transparent untersucht werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden,“ so Agnès Callamard weiter. 

Die Angriffe auf Teheran sind Teil einer Eskalation, die bereits tausende zivile Opfer in der Region gefordert hat. Amnesty International fordert die USA, Israel und Iran auf, alle Angriffe einzustellen, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Die internationale Gemeinschaft darf diese Verstöße nicht länger hinnehmen. Sie muss unabhängige Untersuchungen durchsetzen und sicherstellen, dass alle Verantwortlichen für mögliche Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. 

Hintergrund:  

Am 28. Februar starteten die USA und Israel gemeinsame Angriffe auf den Iran. Seitdem wurden landesweit Zehntausende Luftangriffe geflogen. Nach offiziellen Angaben kamen bei diesen Angriffen zwischen dem 28. Februar und dem 24. Juli 2026 mindestens 1.469 Zivilist*innen im Iran ums Leben, darunter Hunderte von Kindern. 

Die iranischen Behörden führten Vergeltungsschläge in der gesamten Region durch. Bei den iranischen Angriffen kamen bisher mindestens 21 Zivilist*innen in Israel und vier im besetzten Westjordanland ums Leben. In den Ländern des Golf-Kooperationsrats wurden mindestens 29 Menschen getötet.  

Amnesty International stellte fest, dass einige der von den Behörden der Islamischen Republik durchgeführten Angriffe rechtswidrig waren, darunter ein Angriff, bei dem neun Zivilist*innen in Beit Shemesh in Israel ums Leben kamen, sowie ein Angriff auf ein Lager für Arbeiter*innen in Saudi-Arabien, bei dem vier Zivilist*innen getötet wurden. Israel hat zudem als Reaktion auf die Angriffe der Hisbollah seine Angriffe auf den Libanon ausgeweitet, wobei seit dem 2. März 2026 mindestens 4.333 Menschen im Libanon getötet wurden.

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