Black Lives Matter Proteste in Wien, Juni 2020  © Christopher Glanzl / Amnesty International Austria
Black Lives Matter Proteste in Wien, Juni 2020 © Christopher Glanzl / Amnesty International Austria
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Sei aktiv antirassistisch!

10. Juni 2020

Wir haben hier Empfehlungen gesammelt, die Dir als weiße Person helfen sollen, Rassismus zu verstehen und aktiv antirassistisch zu handeln.

Ob gewollt oder ungewollt: Wir alle handeln im Alltag rassistisch. Diese Muster bei anderen und vor allem bei uns selbst zu erkennen, ist nicht einfach. Doch mit dem kritischen Hinterfragen deines eigenen Denkens, Handelns und Sprechens kannst du den ersten Schritt machen, um dem aktiv entgegenzuwirken.

Sei dir bewusst, dass es Zeit, Geduld und Übung braucht, um Rassismus zu erkennen, zu benennen und anzusprechen. Bleib aufmerksam und übernimm gemeinsam mit deinem Umfeld Verantwortung für diskriminierendes Verhalten.

7 Dinge, die du tun kannst, um aktiv antirassistisch zu sein

Impulse, was du als weiße Person aktiv im Alltag gegen Rassismus tun kannst

1. Informiere dich

Beschäftige dich mit Büchern, Podcasts, Webseiten und Social-Media-Inhalten, die sich mit den Blickwinkeln, Positionen und Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen und People of Color auseinandersetzen.

Lerne unterschiedliche Perspektiven kennen und versuche, die Auswirkungen von Rassismus auf ihr Leben nachzuvollziehen. Denn abhängig von Alter, Geschlechtsidentität oder sozialem Status machen Menschen sehr unterschiedliche Rassismuserfahrungen. Beschäftige dich auch mit den Ursachen von Rassismus und damit, wie er Gesellschaftsstrukturen und Institutionen prägt.

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Wo anfangen? Hier findest du verschiedene Bücher, Hörbücher und Blogs, die sich mit Rassismus auseinandersetzen.

  • George L. Mosse: Die Geschichte des Rassismus in Europa
  • Bell Hooks: Black looks
  • Reni Eddo-Lodge: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
  • Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß
  • Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten, auch auf Spotify
  • Kübra Gümüsay: Sprache und Sein
  • Maisha Eggers: Mythen, Masken und Subjekte - Kritische Weissseinsforschung in Deutschland
  • Walter Sauer et.al.: Von Soliman bis Omofuma
  • ENAR: Invisible Visible Minority
  • How To Be an Antiracist: Das bisher mutigste Buch über Rassismus im westlichen Denken. (Ibram X. Kendi)
  • Blog von Vanessa Spanbauer
  • Blog von Noah Sow

Besonders für Multiplikator*innen, beispielsweise Menschen in pädagogischen Berufen, bietet die Schwarze Frauen Community außerdem Workshops zum Thema Rassismus im Alltag an.

© Amnesty International
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2. Erkenne deine Privilegien

Ob in der Schule oder an der Universität, bei Vorstellungsgesprächen, bei der Wohnungssuche oder bei Polizeikontrollen: Weiße Menschen haben gegenüber People of Color Privilegien – auch wenn sie es nicht wollen oder sich dessen nicht bewusst sind.

Hinterfrage deshalb dich und dein Umfeld kritisch, denn mit Privilegien geht auch Verantwortung einher. Nutze deine Stimme gegen Rassismus, denn als weißer Mensch profitierst du von Rassismus. Tu dies gegenüber anderen Weißen und vor allem dort, wo People of Color diskriminiert werden, nicht anwesend sind oder weniger Mitsprache haben.

3. Hör zu

Hör aufmerksam zu, wenn sich Schwarze Menschen und People of Color zu Rassismus äußern oder ihre Erfahrungen teilen.

Gerade, wenn du selbst keinen Rassismus erfährst, kannst du umso mehr lernen. Auch wenn es sich für dich unbequem anfühlt: Halte deine persönliche Meinung zurück und mache dir bewusst, dass du vieles über Erfahrungen mit Rassismus nicht wissen kannst, weil du sie selbst nicht machst. Das Wichtigste ist, die Erfahrungen von Betroffenen anzuerkennen und sich nicht zu rechtfertigen, wenn jemand rassistisches Verhalten bei dir bemerkt. Nutze es als Chance, zu reflektieren und zu lernen.

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4. Benenne Rassismus

Wenn du Rassismus und seine Strukturen erkennst, dann lass das nicht einfach so stehen. Sprich rassistische Äußerungen und Rassismus in deinem Alltag an.

So machst du Rassismus sichtbar und sensibilisierst dein Umfeld. Rassistische Äußerungen sollten niemals unwidersprochen bleiben. Mach deutlich, dass Rassismus niemals okay ist – egal, ob online oder offline und egal, wie er „gemeint“ ist. Denn Rassismus ist keine Meinung, sondern ein gesellschaftliches Problem, das benannt werden muss.

5. Werde aktiv!

Wenn du in der Öffentlichkeit Zeug*in von Rassismus wirst, solltest du dazu beitragen, dass es Konsequenzen für die Täter*innen gibt.

Bring dich dabei aber nicht selbst in Gefahr und informiere im Notfall die Polizei. Sprich immer erst mit der angegriffenen Person, bevor du die Polizei rufst, denn sie alleine sollte entscheiden dürfen, wie mit der Situation umgegangen wird! 

Verhält sich die Polizei selbst rassistisch, können sich Betroffene und Zeug*innen an die Beratungsstelle des Vereins ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) wenden. Betroffene können zudem die Beamt*innen nach ihrer Dienstnummer fragen und haben außerdem die Möglichkeit einer Richtlinienbeschwerde gegen das Verhalten der Polizeibeamt*innen.

Du kannst dich einer betroffenen Person auch als Zeug*in anbieten. Bei strafbaren Inhalten im Netz kannst du die Beweise mit Screenshots sichern und (auch anonym) anzeigen.

© Amnesty International
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6. Sprich nicht für andere, sondern Gib Betroffenen stimmen raum

Es ist wichtig, Schwarzen Menschen und People of Color Raum zu geben, um ihre Perspektiven sichtbarer und hörbarer zu machen.

Sprich deshalb nicht für andere, sondern mit ihnen und frage nach, welche Unterstützung überhaupt gewünscht ist. Versuche dabei, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Hilfreich kann die Teilnahme an Demos, organisatorische oder finanzielle Unterstützung oder das bewusste Einladen von Betroffenen für Vorträge und Workshops sein. Auch das Teilen oder Liken von Beiträgen, Artikeln oder Posts kann helfen, die Stimmen von People of Color zu stärken.

7. Antirassismus ist ein fortlaufender Prozess

Sprache ist nicht neutral. Begriffe können Menschen ausschließen, verletzen oder diskriminierende Bilder und Machtverhältnisse reproduzieren – selbst dann, wenn dies unbewusst geschieht. Deshalb reicht es nicht aus, etwas „nicht böse“ zu meinen. Diskriminierungssensible Sprache bedeutet, die eigene Wortwahl kritisch zu hinterfragen und bereit zu sein, dazuzulernen.

Unser Glossar für diskriminierungssensible Sprache soll dabei unterstützen. Es zeigt auf, welche Begriffe problematisch oder diskriminierend sein können und stellt respektvollere Alternativen vor. Da sich Sprache laufend verändert, ist es wichtig, offen für Kritik zu bleiben und sich kontinuierlich weiterzubilden.

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7 GRÜNDE WARUM DU AKTIV ANTIRASSISTISCH SEIN SOLLTEST

Die folgenden Punkte sollen dir dabei helfen, strukturellen Rassismus zu erkennen, zu verstehen und zu hinterfragen.

Menschen sehen sich aufgrund ihrer „Hautfarbe“, ihrer angenommenen Herkunft oder anderer Zuschreibungen mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Das ist nicht nur ein persönlicher Angriff gegen sie. Dahinter steckt struktureller Rassismus.

Wir können nichts dafür, dass wir so viel rassistischen Unsinn beigebracht bekommen haben. Wir können ihn jetzt aber loswerden!

Noah Sow, Autorin

Die Folgen von strukturellem Rassismus sind vielfältig und äußern sich beispielsweise in Ausgrenzung, Abwertung und diskriminierenden Übergriffen bis hin zu physischer Gewalt. Wer zur weißen Mehrheit in unserer Gesellschaft gehört, ist davon nicht direkt betroffen und hat das Privileg, sich entscheiden zu können, ob er oder sie diese Diskriminierungen ignoriert oder aktiv etwas dagegen tut. Als Teil unserer Gesellschaft ist es Aufgabe jeder einzelnen Person, Rassismus und seine Strukturen zu hinterfragen. 

1. RASSISMUS IST EIN ANGRIFF AUF DIE MENSCHENRECHTE

Rassismus verneint die Gleichheit aller Menschen, die unter anderem in Artikel 7 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten ist, und verletzt die Menschenwürde. Mit jeder rassistischen Handlung, mit jeder rassistischen Äußerung – gewollt oder ungewollt – werden Menschen abgewertet und ausgegrenzt. Rassismus trennt uns alle in ein „Wir“ und „die Anderen“, denen zumeist weniger Rechte zugesprochen werden. Jede rassistische Handlung ist daher auch ein Angriff auf die gesetzliche Grundlage unserer Gesellschaft, die alle vor Diskriminierung schützen soll.

2. SCHUTZ VOR DISKRIMINIERUNG IST EIN MENSCHENRECHT

Niemand darf rassistisch diskriminiert werden. So steht es in Artikel 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Kein Mensch darf wegen seiner Abstammung, Herkunft, Sprache, Hautfarbe, seines Geschlechts oder Glaubens benachteiligt werden.” Dieses absolute Verbot von Diskriminierung basiert auf der Grundlage, dass alle Menschen die gleiche Würde haben. Es entstand als Konsequenz aus den Erfahrungen der Weltkriege sowie den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kolonialismus.

3. EINE GERECHTERE GESELLSCHAFT BRAUCHT ENGAGEMENT

Rassismus ist in Österreich und international nach wie vor ein Problem. Die angreifenden Personen fühlen sich durch ein gesellschaftliches Klima, in dem rassistische Stereotype, Vorurteile und Narrative immer offener propagiert und reproduziert werden, ermutigt. Wenn rassistischen Taten und Worten nicht widersprochen wird, empfinden die rassistisch Handelnden dies als Zustimmung. Wer will, dass sich alle Menschen in unserer vielfältigen Gesellschaft sicher und frei fühlen, muss sich einmischen und aktiv gegen Rassismus sprechen und handeln.

4. NICHT NUR EXTREM RECHTE HANDELN RASSISTISCH

Wir alle handeln oder äußern uns im Alltag oft rassistisch und grenzen Menschen aus, ohne es zu beabsichtigen oder uns dessen bewusst zu sein. Rassismus wurde über Generationen hinweg in unserer Gesellschaft weitergegeben. Das bedeutet, dass wir alle rassistische Denk- und Verhaltensweisen erlernen. Politik, Massenmedien und Sprachgebrauch tragen dazu bei, rassistische Mechanismen, Vorurteile und Stereotype aufrechtzuerhalten. All das macht es schwierig, Rassismus zu erkennen und darüber zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, genauer hinzuschauen und kritisch nachzufragen.

5. DIE SICHT DER BETROFFENEN ZÄHLT

„Woher kommst du wirklich?“ oder „Es war doch nicht so gemeint.“ Solche Aussagen bekommen Betroffene von Rassismus häufig zu hören. Die ständige Konfrontation mit solchen Fragen und Klischees vermittelt jedes Mal: „Du bist anders, du gehörst nicht dazu.“ Auch wenn dahinter freundliches Interesse steckt, ist nicht die Absicht, sondern die Wirkung ausschlaggebend. Entscheidend ist also nicht, was wir ausdrücken wollten, sondern was wir vermitteln. Maßgeblich dafür, ob Handlungen oder Äußerungen rassistisch sind, ist die Sicht der Betroffenen. An ihr sollten wir unser Handeln und Sprechen orientieren.

6. RASSISMUS VERWEHRT MENSCHEN AN DER GESELLSCHAFT GLEICHBERECHTIGT TEILZUHABEN

„People of Color” sind strukturell benachteiligt. Sie haben oft schlechtere Chancen, einen Job oder eine Wohnung zu finden. An vielen Orten können sie sich weniger frei bewegen, da sie die Angst haben müssen, in eine verdachtsunabhängige Polizeikontrolle zu geraten. Wer möchte, dass alle die gleichen Möglichkeiten haben, muss sich gegen Rassismus einsetzen.

7. WEIßE MENSCHEN PROFITIEREN VON RASSISTISCHER DISKRIMINIERUNG

Dass People of Color in vielen Situationen des alltäglichen Lebens strukturelle Nachteile haben, heißt gleichzeitig, dass die Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft davon profitieren.

Ob auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Gesundheitssystem, in der Schule, der Universität oder an der Clubtür: Weiße Menschen sind gegenüber Schwarzen oder Personen of Color privilegiert, auch wenn sie auf anderen Ebenen – zum Beispiel als Frauen, Menschen mit Behinderung, Menschen in Armut oder homosexuelle Menschen – ebenfalls Diskriminierung erfahren. Auch daraus erwächst die Verantwortung, die eigenen Privilegien zu hinterfragen, sich (selbst)kritisch mit Rassismus auseinanderzusetzen und im eigenen Umfeld aktiv Veränderung anzustoßen.

Vertiefe dein Wissen: Unsere Academy-Kurse zum Thema

Niemand ist frei von Vorurteilen, entscheidend ist, offen zu bleiben, dazuzulernen und das eigene Handeln immer wieder zu hinterfragen. Du möchtest noch tiefer einsteigen und deine Kompetenzen für antirassistisches Handeln weiter ausbauen? Dann entdecke die praxisnahen Kurse der Human Rights Academy von Amnesty International.

Zuletzt aktualisiert am 01.07.2026

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