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Das Jahr 2025 war weltweit von der Rückkehr zum „Recht des Stärkeren“ geprägt. Staats- und Regierungschefs wie Trump, Putin, Netanjahu und andere scheuten nicht vor massiver Zerstörung, Unterdrückung und Gewalt zurück, um sich wirtschaftliche und politische Vorherrschaft zu sichern. Die internationale Ordnung wurde untergraben, die Welt steht am Rande einer gefährlichen neuen Ära. Wenn die Staatengemeinschaft diese Angriffe weiter duldet, droht ein gefährliches Zeitalter, geprägt von Ungleichheit, Straflosigkeit und der systematischen Missachtung grundlegender Rechte.
Amnesty International warnt bereits seit Langem vor einer globalen Lage, die purer Grausamkeit Vorschub leisten kann. 2025 haben viele Staaten diese Lage unbesonnen befördert, indem sie sich abrupt von der internationalen Ordnung abwandten. Mächtige Staaten, Konzerne und menschenrechtsfeindliche Bewegungen griffen Multilateralismus, Völkerrecht und die universellen Menschenrechte systematisch an. Sie gefährdeten damit eine Weltordnung, die aus der Asche des Holocaust und der unsäglichen Zerstörung durch zwei Weltkriege entstanden war und die in den vergangenen 80 Jahren stetig, unter großen Mühen, aufgebaut worden war.
In zahlreichen Ländern wüteten weiterhin bewaffnete Konflikte. Was zählte war Krieg und das Recht des Stärkeren, nicht Diplomatie und Völkerrecht.
Israels Genozid an den Palästinenser*innen im Gazastreifen ging trotz des sogenannten Waffenstillstands weiter. Die seit 18 Jahren andauernde Blockade wurde verschärft, der Zugang zu humanitärer Hilfe systematisch verweigert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte 2025 die USA und Ungarn, obwohl der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte.
Russland führte den Angriffskrieg gegen die Ukraine fort und beging Verbrechen gegen die Menschlichkeit und weitere völkerrechtliche Verbrechen, u.a. wahllose Angriffe auf Zivilist*innen sowie Angriffe auf zivile Infrastruktur, unter deren Folgen die Zivilbevölkerung massiv zu leiden hatte.
Im Sudan ging der bewaffnete Konflikt unvermindert weiter und löste eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit aus. Bei der Einnahme der Stadt El Fasher in Nord-Darfur töteten Mitglieder der RSF-Miliz massenhaft Zivilist*innen und verübten systematisch sexualisierte Gewalt.
Auch der Konflikt in Myanmar eskalierte weiter, mit der bisher höchsten Anzahl an Luftangriffen in diesem Konflikt. Bei Angriffen auf Schulen wurden Dutzende Schüler*innen getötet. Auch Krankenhäuser, religiöse Einrichtungen und andere zivile Einrichtungen wurden ins Visier genommen.
Als die bewaffnete Gruppe M23 im Jänner und Februar 2025 die Städte Goma und Bukavu in der Demokratischen Republik Kongo einnahm, töteten sie Zivilist*innen und hielten Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen fest, zu denen häufig Folter und andere Misshandlungen zählten.
Die USA verübten in Venezuela und Iran extraterritoriale außergerichtliche Tötungen und rechtswidrige Angriffe und drohten damit, Grönland einzunehmen.
Millionen Menschen, die aufgrund von Konflikten und klimabedingten Naturkatastrophen geflohen waren, konnten weiterhin nicht in ihre Heimat zurückkehren. Im Sudan war die Zahl der Binnenvertriebenen so hoch wie sonst nirgends.
Gesellschaftliche Normen sowie Bewegungen, die Frauen und Mädchen ihre Rechte absprechen wollten, sorgten weiterhin für Diskriminierung und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Mädchen. In Afghanistan verboten die Taliban Frauen den Zugang zu Bildung und Beschäftigung, schränkten ihre Bewegungsfreiheit ein und förderten geschlechtsspezifische Gewalt und Kinderheirat.
Das von der Afrikanischen Union 2014 gesetzte Ziel zur „Beseitigung von Hunger und Ernährungsunsicherheit bis 2025“ wurde nicht erreicht. Brüchige Gesundheitssysteme standen durch die Kürzungen US-amerikanischer Hilfsgelder unter zusätzlichem Druck, sodass in vielen Ländern zentrale Gesundheitsdienste reduziert, ausgesetzt oder vollständig eingestellt werden mussten.
Lesbische, schwule, bisexuelle, trans, queere, intergeschlechtliche und agendered Menschen (LGBTQIA+) waren nach wie vor Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt, ohne von den Regierungen geschützt zu werden. Besonders gefährdet waren trans Menschen; mehrere Länder verabschiedeten Gesetze und Maßnahmen, die ihre Rechte untergruben und ihre Leben gefährdeten.
Auch im Kampf gegen die Klimakrise versagten die Regierungen. Bei der 30. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP30) in Brasilien bekannten sich die Staaten weder neu zum Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen noch ergriffen sie ausreichenden Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise, während die Vereinten Nationen warnten, dass die Welt auf eine Erwärmung von 3 °C bis 2100 zusteuert.
Die Versammlungsfreiheit und die Vereinigungsfreiheit wurden weiter angegriffen. In zahlreichen Staaten wurden Proteste unzulässig eingeschränkt, teilweise gewaltsam aufgelöst und daraufhin strafrechtlich verfolgt. Die großflächigen Proteste gegen den Völkermord Israels im besetzten Gazastreifen wurden auch 2025 in vielen Staaten unterdrückt. In Ungarn verabschiedete das Parlament im März 2025 ein Gesetz, das die rechtliche Grundlage für ein Verbot von Versammlungen mit LGBTQIA+ Bezug schaffte – ein de-facto Verbot der Pride.
In Afghanistan schlossen Verbote der Taliban 78 Prozent der Mädchen und Frauen von Schulbesuch und Beschäftigung aus. Das Recht auf Bildung wurde dadurch ausgehöhlt.

Den aktuellsten offiziellen Daten zufolge waren 16,9 Prozent der österreichischen Bevölkerung im Jahr 2024 von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Am stärksten gefährdet waren Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete und Migrant*innen.
Im Jahr 2025 wurden in den USA 1.143 Menschen von der Polizei erschossen. Unverhältnismäßig häufig handelte es sich dabei um Schwarze Menschen.
Auch in Österreich kam es zu einer stillen Erosion von Menschenrechten. Der Jahresbericht dokumentiert, wie die Bundesregierung im vergangenen Jahr Menschenrechte ausgehöhlt hat: Geflüchtete wurden in Länder abgeschoben, in denen ihnen Folter und Verschwindenlassen drohten, Frauenrechte blieben unzureichend geschützt, der Staat rüstet bei Überwachung auf, rund jede fünfte Person war von Armut bedroht.
Konflikte, Hass, Gewalt und Spaltung nehmen weltweit zu. Wer darauf aufmerksam macht, wie Amnesty International, wird selbst zur Zielscheibe. Österreich mischt hier aktiv mit und greift zunehmend Menschenrechte an. Das trifft vor allem Menschen, die am meisten Schutz brauchen. Statt autoritären Strömungen nachzutrotten, müssen Österreichs Politiker*innen die Menschenrechte verteidigen.
Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich
Besonders gravierend sind die Entwicklungen in der österreichischen Asylpolitik. Im Juli 2025 entzog Österreich einem Mann den Schutz und schob erstmals nach Syrien ab, im Oktober erfolgte dann eine erste Abschiebung nach Afghanistan. Bei der Familienzusammenführung plant die Regierung ein EU-rechtswidriges Quotensystem.
Gleichzeitig war ein spürbarer „Chilling Effekt“ auf die Meinungsäußerungs- und Versammlungsfreiheit sowie auf zivilgesellschaftliches Engagement zu beobachten. Pläne für großflächige Überwachung wurden vorgestellt. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen, die Solidarität mit Palästinenser*innen äußerten und Israels Verstöße gegen das Völkerrecht kritisierten, liefen Gefahr, als antisemitisch gebrandmarkt zu werden.
All das passierte, während die Armut im Land sich hartnäckig hielt und das soziale Netz geschwächt statt gestärkt wurde. Statt strukturelle Maßnahmen zur Armutsbekämpfung plante die Regierung Reformen der Sozialhilfe, die die Situation für armutsbetroffene Menschen weiter verschlechtern würden.
Auch der Schutz von Frauen und Mädchen in Österreich hat große Defizite. 2025 gab es 15 dokumentierte Femizide in Österreich, 2026 bereits fünf weitere. Schwangerschaftsabbrüche waren je nach Bundesland fast nicht zugänglich. Stattdessen verabschiedete der Nationalrat ein Gesetz, das Mädchen unter 14 das Kopftuch an Schulen verbietet. Ein diskriminierendes Gesetz, gezielt gegen junge muslimische Mädchen.
Autoritäre Regierungen und andere Rechtsbrecher greifen immer selbstbewusster Geschlechtergerechtigkeit und die Beseitigung rassistischer Diskriminierung an. Sie erklären die Zivilgesellschaft zum Feind und lehnen internationale Solidarität ab. Ihre neue Ordnung steht für Aufrüstung, rechtswidrige Waffenlieferungen und drastische Kürzungen von Hilfsgeldern auf Kosten von Millionen vermeidbaren Todesfällen und Tausenden bedrohter Organisationen, die für Menschenrechte und Pressefreiheit eintreten.
Die Rechtsbrecher sorgen für die Unterdrückung von Andersdenkenden und Protesten, verbreiten entmenschlichende Rhetorik und leisten Hassverbrechen Vorschub. Ihre Politik beruht nicht auf der Achtung unserer gemeinsamen Menschlichkeit, sondern auf dem Recht des Stärkeren und Vormacht in Handel und Technologie.
Dies ist die Vision einer Welt ohne moralischen Kompass. Doch diese Ordnung ist nicht unausweichlich.
Wir stehen vor der entscheidenden Herausforderung unserer Zeit: zu verhindern, dass zerstört wird, was in den vergangenen 80 Jahren aufgebaut wurde. 2025 ist unser Auftrag, genau das zu tun. Denn Macht ist endlich, Wandel nicht.
Dass das möglich ist, hat das vergangene Jahr bewiesen, in dem Menschen auf der ganzen Welt gegen die Erosion ihrer Werte und Rechte aufgestanden sind.
Trotz der Verbote fanden die Pride-Veranstaltungen in Budapest und in Pécs im Juni bzw. Oktober 2025 mit einer Rekordzahl von Teilnehmenden und ohne Eingreifen der Polizei statt. Proteste der Generation Z erfassten 2025 mehr als ein Dutzend Länder, darunter Indonesien, Kenia, Madagaskar, Marokko, Nepal und Peru. Anfang 2026 organisierten sich Demonstrierende von Los Angeles bis Minneapolis gegen gewalttätige Razzien der US-Einwanderungsbehörden.
2025 gab es außerdem einige Erfolge bei der Durchsetzung der Rechenschaftspflicht. Dazu gehörten die Festnahme und Überstellung des ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) sowie Haftbefehle des IStGH gegen zwei führende Mitglieder der Taliban wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von geschlechtsspezifischer Verfolgung.
Der Internationale Gerichtshof und der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte bekräftigten in Gutachten die menschenrechtlichen Verpflichtungen von Staaten bei der Bewältigung von Klimafolgen. Die Regierungen von Kolumbien und den Niederlanden einigten sich darauf, im April 2026 gemeinsam die erste internationale Konferenz für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen auszurichten.
Massendemonstrationen gegen Israels Völkermord breiteten sich weltweit aus. Aktivismus und rechtlicher Druck führten dazu, dass mehrere Staaten Waffenexporte nach Israel einschränkten. Eine wachsende Zahl an Staaten erkannte an, dass Israel Völkermord begeht, und schloss sich der Haager Gruppe an, die sich für internationale Rechenschaftspflicht einsetzt.
Von den Straßen der Städte bis hin zu multilateralen Foren bot das Jahr 2025 eindrucksvolle Beispiele für Widerstand und Solidarität seitens Demonstrant*innen, Diplomat*innen und politischen Führungen. Wir müssen mutige Bündnisse schmieden, um die Weltordnung neu auf Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und universelle Werte auszurichten. Möge 2026 das Jahr sein, in dem wir zeigen, dass Geschichte nicht nur etwas ist, das uns aufgezwungen wird, sondern dass es an uns liegt, sie zu gestalten.
Agnès Callamard, internationale Generalsekretärin von Amnesty International