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© Grzegorz Żukowski

Frauenrechte sind Menschenrechte

Wir alle haben Menschenrechte. Dazu gehören das Recht, frei von Gewalt und Diskriminierung zu leben, das Recht auf Bildung und auf Eigentum, und das Recht, zu wählen und den gleichen Lohn zu erhalten. Doch weltweit werden immer noch viele Frauen und Mädchen aufgrund ihres biologischen und sozialen Geschlechts (Gender) diskriminiert. Ungleichheit zwischen Geschlechtern liegt vielen Problemen zugrunde, von denen Frauen und Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen sind: Häusliche und sexuelle Gewalt, geringere Bezahlung, fehlender Zugang zu Bildung und unzureichende Gesundheitsversorgung.

Viele Jahre lang haben Frauenrechtsbewegungen hart dafür gekämpft, diese Ungleichheit zu beseitigen. Aktivist*innen verlangten Gesetzesänderungen und gingen auf die Straße, um die Einhaltung ihrer Rechte zu fordern. Im digitalen Zeitalter sind neue Bewegungen entstanden, wie die #MeToo-Kampagne, die die Verbreitung geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Belästigung aufzeigten.

Durch Forschung, Lobbyarbeit, Kampagnen und öffentliche Aktionen übt Amnesty International Druck auf die Verantwortungsträger*innen aus, die Rechte von Frauen zu achten und zu stärken.

Auf dieser Seite sehen wir uns die Geschichte der Frauenrechte an, was Frauenrechte eigentlich sind und, wie wir alle uns für Frauen und ihre Rechte einsetzen können.

> Geschichte der Frauenrechte: Wofür kämpfen wir?

> Feminismus und Frauenrechte

> Wie werden die Rechte von Frauen verletzt?

> Frauenrechte und Internationales Recht

> Warum ist es wichtig, sich für Frauenrechte einzusetzen?

> Frauenrechte und Covid-19

> Wie du dich für Frauen und ihre Rechte einsetzen kannst

Geschichte der Frauenrechte: Wofür wir kämpfen

Was genau meinen wir, wenn wir über die Rechte von Frauen sprechen? Wofür kämpfen wir? Einige Beispiele für die Rechte, für die Aktivist*innen im Laufe der Jahrhunderte kämpften und heute noch kämpfen.

1. Frauenwahlrecht

Während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts haben Menschen begonnen, für das Frauenwahlrecht zu mobilisieren. Im Jahr 1893 wurde Neuseeland das erste Land, das Frauen das Wahlrecht auf nationaler Ebene gewährte. Die Bewegung breitete sich global aus, und dank der Bemühungen aller, die an diesem Kampf beteiligt waren, ist das Frauenwahlrecht heute ein Recht gemäß der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women, CEDAW, 1979).

Doch trotz dieser Entwicklungen gibt es immer noch viele Orte auf der Welt, wo es für Frauen sehr schwierig ist, dieses Recht auszuüben. Zum Beispiel in Syrien, wo Frauen effektiv von politischer Teilhabe ausgeschlossen sind, einschließlich des laufenden Friedensprozesses.

In Pakistan ist das Wahlrecht zwar in der Verfassung verankert, aber in einigen Gegenden ist es Frauen faktisch verboten zu wählen, weil mächtige Persönlichkeiten in ihren Gemeinden patriarchale lokale Bräuche nutzen, um sie vom Wählen abzuhalten.

In Afghanistan haben die Behörden kürzlich beschlossen, eine verpflichtende Fotokontrolle in den Wahllokalen einzuführen. Das erschwert die Stimmabgabe für Frauen in konservativen Gegenden, in denen die meisten Frauen ihr Gesicht in der Öffentlichkeit bedecken.

Amnesty International setzt sich dafür ein, dass alle Frauen tatsächlich am politischen Prozess teilnehmen können.

2. Sexuelle und reproduktive Rechte

Alle Menschen sollten über ihren eigenen Körper frei entscheiden können. Jede Frau und jedes Mädchen hat sexuelle und reproduktive Rechte. Dazu zählt das Recht auf gleichen Zugang zu Gesundheitsdiensten wie Verhütung und sicheren Schwangerschaftsabbruch. Frauen haben das Recht zu wählen, ob, wann und wen sie heiraten, und zu entscheiden, ob sie Kinder haben wollen und wenn ja, wie viele, wann und mit wem.

Frauen müssen ohne Angst vor geschlechtsspezifischer Gewalt leben können, einschließlich Vergewaltigung und anderer sexueller Gewalt, weiblicher Genitalverstümmelung (FGM), Zwangsheirat, Zwangsschwangerschaft, Zwangsabtreibung oder Zwangssterilisation.

Doch bis alle Frauen diese Rechte genießen können, ist es noch ein weiter Weg.

Viele Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt haben immer noch keinen Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen. In mehreren Ländern werden Menschen, die eine Schwangerschaft beenden wollen oder müssen, oft vor eine unmögliche Wahl gestellt: ihr Leben aufs Spiel zu setzen oder ins Gefängnis zu gehen.

In Argentinien hat sich Amnesty International Seite an Seite mit Menschenrechtsverteidiger*innen dafür eingesetzt, die strengen Abtreibungsgesetze des Landes zu ändern. Es gab einige wichtige Schritte nach vorne, aber Frauen und Mädchen leider immer noch unter Gesetzen, die verhindern, dass sie Entscheidungen über ihren eigenen Körper treffen können.

Wir haben uns auch in Irland und Nordirland erfolgreich für Frauenrechte eingesetzt, wo Schwangerschaftsabbrüche nach jahrzehntelangem öffentlichen Druck gemeinsam von Amnesty und anderen Menschenrechtsorganisationen kürzlich entkriminalisiert wurde.

In Polen hat Amnesty zusammen mit mehr als 200 Menschen- und Frauenrechtsorganisationen aus der ganzen Welt eine gemeinsame Erklärung gegen das "Stoppt die Abtreibung"- Gesetz mitunterzeichnet, das den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen noch weiter einschränkt.

In Südkorea gab es in letzter Zeit große Fortschritte bei sexuellen und reproduktiven Rechten, nachdem Amnesty und andere Gruppen viele Jahre lang dafür gekämpft haben. Sie gipfelten in einem Urteil des südkoreanischen Verfassungsgerichts, das die Regierung verpflichtete, Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren und die sehr restriktiven Gesetze gegen Schwangerschaftsabbrüche bis Ende 2020 zu reformieren.

In Burkina Faso hat Amnesty International Frauen und Mädchen in ihrem Kampf gegen Zwangsverheiratung unterstützt, von der besonders in ländlichen Gebieten eine große Zahl von Mädchen betroffen ist.

In Sierra Leone arbeitet Amnesty International im Rahmen unseres Menschenrechtsbildungsprogramms mit lokalen Gemeinschaften zusammen, das sich auf eine Reihe von Menschenrechtsthemen konzentriert, darunter auch die weibliche Genitalverstümmelung.

In Simbabwe fanden wir heraus, dass Frauen und Mädchen ungewollten schwanger werden und einem höheren Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt sind, weil es weit verbreitete Unklarheiten über Zustimmung zum Sex („consent“) und Zugang zu sexuellen Gesundheitsdiensten gibt. Mädchen sind mit Diskriminierung, dem Risiko einer Kinderheirat, wirtschaftlicher Not und Bildungsbarrieren konfrontiert.

In Jordanien forderte Amnesty International von Behörden, endlich das missbräuchliche männliche "Vormundschafts"-System zu beenden, durch das das Leben von Frauen kontrolliert wird und ihre persönlichen Freiheiten eingeschränkt werden. Dazu zählt die Inhaftierung von Frauen, die beschuldigt werden, das Haus ohne Erlaubnis verlassen oder Sex außerhalb der Ehe zu haben, sowie demütigende "Jungfräulichkeitstests", denen Frauen unterzogen werden.

3. Recht auf Freizügigkeit

Freizügigkeit ist das Recht, sich frei zu bewegen, wie wir wollen – nicht nur innerhalb des Landes, in dem wir leben, sondern auch, um andere Länder zu besuchen. Aber viele Frauen stehen diesbezüglich vor echten Herausforderungen. Frauen wird ein eigener Reisepass verwehrt oder sie müssen die Erlaubnis eines männlichen Vormunds einholen, um zu reisen.

In Saudi-Arabien haben sich Frauenrechtsaktivistinnen kürzlich erfolgreich gegen das Autofahrverbot von Frauen eingesetzt, was jahrzehntelang verboten und erst seit kurzem erlaubt ist. Ein bahnbrechender Erfolg, doch gleichzeitig werden viele Frauenrechtsaktivistinnen von den Behörden weiterhin verfolgt und inhaftiert, nur weil sie sich friedlich für ihre Rechte einsetzen.

Erfolge im Kampf für Frauenrechte

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Evelyn Hernández freigesprochen
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© Ema Anis/Amnesty International © Ema Anis/Amnesty International


Wie werden die Rechte von Frauen verletzt?

Durch Genderungleichheit werden die Rechte von Frauen und Mädchen verletzt, dazu zählen:

Geschlechtsspezifische Gewalt: Geschlechtsspezifische Gewalt bedeutet, dass Gewalttaten gegen Frauen und LGBTIQ aufgrund ihrer Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsmerkmale begangen werden. Geschlechtsspezifische Gewalt trifft Frauen und Mädchen überproportional häufig. Frauen und Mädchen sind in Konflikten besonders von Gewalt bedroht, und im Laufe der Geschichte wurde sexuelle Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt. Wir haben zum Beispiel dokumentiert, wie viele Frauen, die vor Angriffen von Boko Haram in Nigeria geflohen sind, sexueller Gewalt und Vergewaltigung durch das nigerianische Militär ausgesetzt waren.

Weltweit haben im Durchschnitt 30 Prozent aller Frauen in Beziehungen körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erlebt. Frauen werden häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen, einschließlich Vergewaltigungen, und sind häufiger Opfer von sogenannten "Ehrenverbrechen".

Gewalt gegen Frauen ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Es liegt in der Verantwortung eines Staates, Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen – einschließlich vor häuslicher Gewalt hinter verschlossenen Türen.

Sexualisierte Gewalt und Belästigung: Sexuelle Belästigung bedeutet jedes unerwünschte sexuelle Verhalten. Dabei kann es sich um körperliches Verhalten und Annäherungsversuche, das Fordern oder Bitten um sexuelle Gefälligkeiten oder die Verwendung unangemessener sexueller Sprache handeln. Um sexuelle Gewalt handelt es sich, wenn jemand körperlich sexuell angegriffen wird. Auch Männer und Jungen können Opfer sexueller Gewalt werden. Es sind aber überwiegend Frauen und Mädchen, die davon betroffen sind.

Diskriminierung am Arbeitsplatz: Frauen sind häufig Ziel von geschlechtsspezifischer Diskriminierung am Arbeitsplatz. Eine Möglichkeit, dies zu verdeutlichen, ist der Blick auf das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein Menschenrecht, aber immer wieder wird Frauen der Zugang zu einem fairen und gleichen Lohn verwehrt. Jüngste Zahlen zeigen, dass Frauen derzeit etwa 77 Prozent von dem verdienen, was Männer für die gleiche Arbeit erhalten. Dies führt zu einer lebenslangen finanziellen Ungleichheit für Frauen, hindert sie daran, ihre Unabhängigkeit voll zu verwirklichen, und bedeutet ein erhöhtes Armutsrisiko im späteren Leben.

Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität: In vielen Ländern der Welt werden Frauen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer Geschlechtsmerkmale ihre Rechte verweigert. Lesbische, bisexuelle, trans- und intersexuelle Frauen und Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, sind mit Gewalt, Ausgrenzung, Belästigung und Diskriminierung konfrontiert. Viele sind auch extremer Gewalt ausgesetzt, einschließlich sexueller Gewalt oder sogenannter "korrigierender Vergewaltigung" und "Ehrenmorden".

© Grzegorz Żukowski © Grzegorz Żukowski


Warum ist es wichtig, sich für Frauenrechte einzusetzen?

Frauenrechte sind Menschenrechte

Es mag offensichtlich erscheinen, aber wir leben in keiner freien und gleichberechtigten Gesellschaft, solange nicht jede*r frei und gleichberechtigt ist. Solange Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer genießen, ist diese Ungleichheit unser aller Problem.

Der Schutz von Frauenrechten macht die Welt zu einem besseren Ort

Laut den Vereinten Nationen ist "die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen und Mädchen nicht nur ein Ziel an sich, sondern ein Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung, Wirtschaftswachstum sowie Frieden und Sicherheit". Die Forschung hat gezeigt, dass das der Fall ist – die Gesellschaft wird für alle besser, wenn die Rechte der Frauen geachtet und ernst genommen werden.

Wir sind stärker, wenn wir zusammenarbeiten

Obwohl Basisbewegungen bereits viel erreicht haben, können wir noch viel mehr bewirken, wenn wir zusammenhalten und gemeinsam für Frauenrechte kämpfen. Am stärksten sind wir gemeinsam! Indem wir mit Aktivist*innen vor Ort zusammenarbeiten und eigene gezielte Kampagnen fahren, sind Bewegungen wie Amnesty International eine starke Kraft im Kampf für Frauenrechte .

© Justin Paget Photography Ltd © Justin Paget Photography Ltd


Was kannst du und jede*r einzelne tun?

Mach dich mit uns für Frauen und ihre Rechte stark! Es gibt viele Wege, wie:

1. Stehe Seite an Seite mit Frauen, die für ihre Rechte einstehen.

Unterstütze unsere Online-Aktionen und erhebe deine Stimme für Frauenrechtsverteidiger*innen! Wir fordern die sofortige Freilassung inhaftierter Aktivistinnen. 

Saba Kordafshari

Saba Kordafshari

Die iranische Frauenrechtlerin ist wegen ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Unter anderem hat sich die 22-Jährige für die Abschaffung der diskriminierenden Verschleierungsgesetze stark gemacht und öffentlich über Menschenrechtsverletzungen gesprochen.

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Atena Daemi

Atena Daemi

Früher stand die iranische Aktivistin auf der anderen Seite der Gefängnismauer. Ihre Mahnwachen galten vor allem den vielen gewaltlosen politischen Gefangenen. Nun ist sie selbst eine solche politische Gefangene, verurteilt zu sieben Jahren Haft für ihren Einsatz gegen die Todesstrafe und für Frauen- und Kinderrechte.

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Yasaman Aryani

Yasaman Aryani

Die iranischen Frauenrechtsverteidigerin Yasaman Aryani engagiert sich gegen das Verschleierungsgesetz im Iran. Zum Internationalen Frauentag 2019 stellten sie ein Video ins Internet, das großen Anklang fand. Kurz darauf wurde sie festgenommen und ist seitdem willkürlich inhaftiert.

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2. Werde selbst aktiv!

Das Netzwerk Frauenrechte ist eine Gruppe engagierter Amnesty-Aktivist*innen, die sich gemeinsam für die Rechte von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt einsetzen. Du möchtest selbst für Frauenrechte aktiv werden? Mach beim Netzwerk Frauenrechte oder finde eine lokale Amnesty-Gruppe!

Netzwerk Frauenrechte

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3. Unterstütze den Kampf für Frauenrechte mit deiner Spende!

Deine Spende schützt die Rechte von Frauen

  • 2. ZAHLUNGSART
  • 3. KONTAKTINFORMATIONEN

Mit deiner Spende bekämpfst du Ungleichheit und hilfst mit, Frauen und ihre Rechte weltweit zu stärken!

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