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Presseaussendung

Syrien: Militäroffensive in Afrin bedroht Leben von Zivilist*innen

27. Februar 2018

Armee und YPG beschießen auch Wohngebiete und zivile Einrichtungen

Die türkische Armee und – in geringerem Umfang – die kurdischen YPG beschießen in den Kämpfen um Afrin und Azaz auch Wohngebiete und zivile Einrichtungen. Laut Augenzeugenberichten, die Amnesty International dokumentieren und verifizieren konnte, sind bereits zahlreiche Zivilist*innen ums Leben gekommen.

Amnesty International hat Interviews mit 15 Menschen geführt, die in den von den Kämpfen betroffenen Ortschaften in den Regionen Afrin und Azaz leben oder kürzlich von dort geflohen sind. Die meisten dieser Augenzeugenberichte über den wahllosen Beschuss von Wohngebieten konnten mittels Videoanalysen durch Spezialist*innen von Amnesty International verifiziert werden.

Die Verwendung von Artillerie und anderen unpräzisen Waffen in dicht besiedelten Gebieten verletzt das in den Genfer Konventionen statuierte Gebot der Unterscheidung militärischer und ziviler Ziele und ist daher völkerrechtlich verboten. Amnesty International ruft die Konfliktparteien auf, derartige Angriffe umgehend einzustellen.

Türkische Angriffe

Nach Angaben des Kurdischen Roten Kreuzes hat die am 20. Jänner lancierte türkische Militäroperation „Olivenzweig“ bisher das Leben von 93 Zivilist*innen gefordert, darunter 24 Kinder. 313 Zivilist*innen wurden verletzt, unter ihnen 51 Kinder. Einwohner*innen in den Dörfern Jenderess, Rajo und Maabatli in der Region Afrin beschrieben gegenüber Amnesty International, wie sie – völlig unvorbereitet – während Stunden Artilleriebeschuss ausgesetzt waren, selbst nachdem die türkische Armee versichert hatte, die Zivilbevölkerung zu schonen.

Angriffe der YPG

Demgegenüber berichteten Einwohner von Azaz über eine Serie von Mörsergranaten- und Raketenangriffen durch die mit der YPG verbündeten SDF-Einheiten, die Wohnhäuser und Spitäler trafen. Zudem wurden auch Wohngebiete auf der türkischen Seite der Grenze beschossen, bei denen laut türkischen Angaben sieben Zivilist*innen getötet und über 100 verletzt wurden.

Die türkische Militäroffensive findet in einer Region statt, die bisher von Kampfhandlungen wenig betroffen war und zahllosen Vertriebenen Zuflucht gewährt hat. Die USA, Russland und andere Staaten müssen ihren Einfluss auf ihre Alliierten geltend machen, damit diese völkerrechtswidrigen Angriffe unterlassen und die Zivilbevölkerung geschont wird.