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Österreich hat sich in der heute von Reporter ohne Grenzen präsentierten Rangliste der Pressefreiheit um drei Plätze verbessert und steht nun auf Platz 19. Demnach wurden Verbesserungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen erzielt, insbesondere durch die Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes. Im Kontrast zu diesen begrüßenswerten Entwicklungen steht die im Juli 2025 beschlossene „Messenger-Überwachung“ sowie die verspätete Umsetzung der EU-Anti-SLAPP-Richtlinie, die die Pressefreiheit in Österreich gefährden, warnt Amnesty International Österreich zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai 2026.
Die Spionagesoftware – und nichts anderes ist die ‚Messenger-Überwachung‘ – stellt eine erhebliche Gefahr für die Pressefreiheit in Österreich dar. So belegen zahlreiche Beispiele, dass es vor allem Journalist*innen sind, die von Staaten rechtswidrig überwacht werden.
Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich
Charlotte Deiss, Expertin für Meinungsäußerungs-, Presse- & Informationsfreiheit bei Amnesty International Österreich fügt hinzu: „Auch von SLAPP-Klagen sind Journalist*innen weltweit betroffen. Durch Klagen sollen sie eingeschüchtert und mundtot gemacht werden. Umso wichtiger, dass die österreichische Regierung die Schutzmaßnahmen der Anti-SLAPP-Richtlinie der EU endlich umfangreich umsetzt. Sonst verpasst sie eine wichtige Gelegenheit, die Pressefreiheit nachhaltig zu stärken. Insbesondere die ÖVP muss sich hier bewegen.”
Bis 7. Mai 2026 hätte die Regierung die Anti-SLAPP-Richtlinie der EU umsetzen müssen. Nichts dergleichen ist passiert.
Bei SLAPP-Klagen (Strategic Lawsuits Against Public Participation) handelt es sich um Gerichtsverfahren, die Kritiker*innen durch rechtlichen Druck und hohe Kosten einschüchtern und von öffentlicher Meinungsäußerung abhalten sollen. Zu beachten ist, dass es sich bei der EU-Anti-SLAPP-Richtlinie nur um einen Mindeststandard handelt. Will die Regierung ernsthaft etwas für die Presse- und Informationsfreiheit tun, muss Österreich auch Maßnahmen für innerstaatliche Verfahren sowie im Straf- und Verwaltungsverfahren schaffen, da diese von der EU-Anti-SLAPP-Richtlinie nicht abgedeckt sind. Das empfiehlt im Übrigen auch der Europarat. Ansonsten laufen die Schutzmaßnahmen bei über 90 % der Fälle ins Leere.
Darüber hinaus fordert Amnesty International Österreich, dass es robuste gesetzliche Garantien für die frühzeitige Abweisung von SLAPP-Klagen sowie abschreckende Maßnahmen geben muss. Zudem muss gewährleistet sein, dass Betroffene von SLAPPs neben vollumfänglicher Wiedergutmachung effiziente rechtliche, finanzielle und psychologische Unterstützung im Verfahren erhalten.
Negativ wirkt sich auch die im Juli 2025 beschlossene „Messenger-Überwachung“ auf die Pressefreiheit aus. Zahlreiche Beispiele weltweit belegen, wie hochinvasive Spyware gezielt gegen Journalist*innen eingesetzt wird. Beispielsweise wurde im Jahr 2021 der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass mithilfe der Spyware Pegasus neben Menschenrechtsverteidiger*innen, Aktivist*innen und Politiker*innen auch mindestens 180 Journalist*innen in 20 Ländern rechtswidrig überwacht worden waren, darunter in Aserbaidschan, Ungarn, Indien und Marokko.
Das war möglich, weil Behörden mit der Spionagesoftware unbemerkt Smartphones und Computer infizieren und überwachen konnten. Durch eine Gesetzesänderung wird das auch in Österreich möglich sein.
Solche Programme verschaffen sich immer Zugriff auf das gesamte Gerät. Jede Spyware, die Amnesty bis heute untersucht hat, ist hochinvasiv. Es ist technisch nicht möglich, dass sie nur auf bestimmte Chats oder Nachrichten eingeschränkt wird. Zudem werden Gerichte und Rechtsschutzbeauftragte nicht verlässlich überprüfen können, wie sich die Software tatsächlich verhält.
Charlotte Deiss, Expertin für Meinungsäußerungs-, Presse- & Informationsfreiheit bei Amnesty International Österreich
Amnesty International warnt zudem vor einem sogenannten „Chilling Effect“. Das bedeutet, dass Menschen sich aus Angst vor rechtwidriger Überwachung oder SLAPP-Klagen bei der Ausübung ihrer Menschenrechte zurückhalten. Journalist*innen, die befürchten, überwacht oder verklagt zu werden, schrecken demnach eher vor kritischer Berichterstattung zurück. Auch Menschenrechtsverteidiger*innen sind weniger bereit, friedliche Proteste zu organisieren.
Die leichte Verbesserung Österreichs in der Rangliste der Pressefreiheit ist zu begrüßen. Trotzdem darf die österreichische Regierung diese positive Entwicklung nicht durch eine verspätete oder schwache Umsetzung der EU-Anti-SLAPP-Richtlinie gefährden. In Bezug auf die Spionagesoftware ist klar: Hochinvasive Überwachungstechnologien gefährden den journalistischen Beruf und schüchtern Journalist*innen ein. Das gilt es, in Österreich zu verhindern. Das Gesetz zur sogenannten Messenger-Überwachung muss aufgehoben und es darf keine hochinvasive Spyware eingekauft und eingesetzt werden.
Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich