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Diese und ähnliche Fragen stellten sich vom 16. bis 21. August 2026 ungefähr 40 Youth-Aktivist*innen aus 20 verschiedenen Amnesty-Sektionen in Stockholm beim European Youth Meeting (EYM).
Gemeinsam mit Alina aus der Youth Gruppe in Vöcklabruck durfte ich für Amnesty Youth Austria daran teilnehmen. Im Folgenden möchte ich einige persönliche Erfahrungen und inhaltliche Schwerpunkte bei diesem Treffen teilen. Wir wohnten auf einer Schären-Insel umgeben von wunderschöner Natur.
Nach morgendlichem Schwimmen direkt bei unserer Unterkunft und ausreichend Kaffee waren wir bereit für das intensive und lehrreiche Programm, das uns täglich erwartete. Das Thema des diesjährigen EYMs war „Reclaiming our Digital Space – Online Strategies for Offline Impact“. Es gab Vorträge von Expert*innen zum Thema sowie Workshops, bei denen wir selbst diskutierten und Ideen für einen aus menschenrechtlicher Sicht sinnvollen Umgang mit Social Media- und KI-Nutzung sammelten.

Youth Aktivistin aus Innsbruck
Youth Aktivistin aus Innsbruck
Sandra ist seit 2025 in der Amnesty Youth Group aktiv und studiert Peace and Conflict Studies in Innsbruck.
Mein persönliches Highlight am EYM war die Möglichkeit, junge Aktivist*innen aus so vielen verschiedenen Orten zu treffen und sich über Erfahrungen auszutauschen, Tipps zu geben und gemeinsam kreativ zu sein.
Für mich war es sehr inspirierend zu hören, wie Aktivismus in anderen Sektionen aussieht und welche Aktionen besonders erfolgreich waren.
Sandra Weber, Youth Aktivistin aus Innsbruck
Da meine Youth-Gruppe in Innsbruck aus sehr wenigen Leuten besteht und nur zeitweise aktiv ist, hatte ich mich oft etwas alleine im Aktivismus gefühlt und daran gezweifelt, irgendetwas bewirken zu können.
Deshalb war es ein motivierendes Gefühl, zu sehen wie Menschen auf der ganzen Welt sich für Menschenrechte einsetzen.
Das EYM gab uns sehr viel Raum für Austausch und Zusammenarbeit mit den anderen Aktivist*innen. Die Sessions waren so aufgebaut, dass auf fast jeden theoretischen Beitrag ein Workshop folgte, bei dem wir unsere Gedanken und Ideen zum Thema diskutierten. Außerdem hatten wir natürlich auch in den Pausen und abends viele Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Meine Perspektive auf das Thema des EYMs, insbesondere den digitalen Raum, war etwas anders als die der meisten Teilnehmer*innen. Denn – in meiner Altersgruppe fast unglaublich, aber wahr - ich hatte noch nie in meinem Leben einen eigenen Instagram-Account und verzichte fast vollständig auf die Verwendung von KI.
Warum das?! Die Gründe, für meinen privaten Verzicht auf die Nutzung von Social Media decken sich Großteils mit den von uns beim EYM besprochenen Problemen, die ihre Nutzung mit sich bringen kann.
Während des EYMs sprachen wir viel darüber, wie Technologiekonzerne Geld verdienen, indem Nutzer*innen dazu gebracht werden, möglichst viel Zeit auf der jeweiligen Plattform zu verbringen. Dafür werden teilweise schwerwiegende negative Folgen für Menschen in Kauf genommen: Daten der Nutzer*innen werden gesammelt und süchtig machende Algorithmen genau auf das zugeschnitten, was sie aufgrund vorheriger Online-Aktivitäten interessieren könnte.
Dadurch landet man schnell in Bubbles, die bereits vorhandene Einstellungen und Interessen immer wieder bekräftigen und verstärken und andere Perspektiven völlig unsichtbar machen. Das kann sowohl zu psychischen Problemen als auch zu diskriminierenden Vorurteilen und zu gewaltbefürwortender Radikalisierung führen
Selbst die Verbreitung von Hass wird genutzt, um Personen für möglichst lange Zeit auf den Plattformen festzuhalten. Von einer besonders extremen Konsequenz hiervon berichtete uns Menschenrechtsverteidiger Maung Sawyeddollah.
Als Angehöriger der Rohingya-Minderheit, versucht er den Meta-Konzern dafür zur Verantwortung zu ziehen, dass auf dessen Plattformen ungehindert Hassrede gegen die Rohingya verbreitet wurde, was in Myanmar zur Massengewalt und ethnischen Säuberung gegen diese beitrug.
Aus diesen Gründen fand ich es besonders wichtig, dass wir beim EYM viel über Möglichkeiten sprachen, einzufordern, dass Technologien so entwickelt werden, dass bei ihrer Nutzung keine Menschenrechte verletzt werden.
Sandra Weber, Youth Aktivistin aus Innsbruck
Besonders im Kopf blieb mir, dass die Amnesty International Expert*innen zum Thema, Hannah Storey und Gerald Folkvord, beide betonten, dass Big Tech Unternehmen auf das Vertrauen möglichst vieler Menschen angewiesen sind.
Ich bin ich mir sicher, dass es sich lohnt, immer wieder international zu fordern, dass digitale Plattformen für alle sicher gemacht werden müssen.
Sandra Weber, Youth Aktivistin aus Innsbruck
Für mich war es sehr hilfreich, mich mit anderen Teilnehmenden darüber auszutauschen, welche Möglichkeiten Social Media Plattformen für Aktivismus bieten und welche positiven Effekte deren Nutzung für die Mobilisierung und Sensibilisierung vieler Personen für menschenrechtliche Themen haben kann.
Dies wurde besonders deutlich beim Gastvortrag von Imoleayo Michael . Dieser erzählte von seinen Aktivismuserfahrungen in Nigeria, wo er vor allem in den sozialen Medien gegen Polizeigewalt durch die Special Anti-Robbery Squad (SARS) protestierte und daraufhin für 41 Tage inhaftiert wurde. Er berichtete, wie der digitale Aktivismus mit #EndSARS zahlreichen Menschen in Nigeria das Gefühl gab, nicht alleine mit den Gewalterfahrungen zu sein und schließlich ermöglichte, international auf die Menschenrechtsverletzungen der SARS aufmerksam zu machen.
Trotz aller negativer Aspekte wurde mir während des EYMs einmal mehr bewusst, dass Social Media einen riesigen Teil der Gesellschaft erreicht und daher auch eine wichtige Plattform für die Vernetzung im Aktivismus ist.
Sandra Weber, Youth Aktivistin aus Innsbruck
Eines der wichtigsten Ziele des EYMs ist es, gemeinsam mit Aktivist*innen aus unterschiedlichsten Ländern etwas zu bewegen und die durch das Treffen gewonnene Reichweite für eine gemeinsame Aktion zu nutzen.
„Reclaiming our Digital Space“ - und dies möchten wir in die Tat umsetzen, indem wir Instagram als Plattform zur Verbreitung unserer gemeinsamen aktivistischen Aktion nutzen.
Im Laufe der nächsten Monate werden in regelmäßigen Abständen alle Amnesty Youth Gruppen, die am EYM vertreten waren, einen Beitrag zu einem menschenrechtlichen Thema, das künstliche Intelligenz betrifft, auf ihren Instagram Accounts posten. Die Posts werden außerdem alle auf dem Instagram Account des EYMs zu finden sein.
Während des EYMs habe ich auf jeden Fall jede Menge Interessantes gelernt, neue Perspektiven gewonnen und Freundschaften geschlossen. Es ist wirklich eine gute Gelegenheit, tolle junge Menschen zu treffen, voneinander zu lernen und gemeinsam für Menschenrechte zu kämpfen.
Mein persönliches Resümee für den Aktivismus aus dem EYM ist, dass der digitale Raum wertvolle Möglichkeiten bietet, sich zu vernetzen, wenn es offline aufgrund von Distanz oder Repression nicht möglich ist. Jedoch kann meiner Erfahrung nach nichts das persönliche Connecten mit anderen Menschen ersetzen. Das habe ich beim EYM mit all den wundervollen, kreativen und inspirierenden Menschen einmal mehr erlebt.