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© Valery Sharifulin/TASS

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Belarus: Frauen an der Spitze im Kampf für Menschenrechte

8. März 2021

Am Weltfrauentag veröffentlicht Amnesty neue Recherchen zu Repressionen gegen Aktivistinnen und ruft zu weltweiter Solidarität auf

Frauen, die bei den Protesten in Belarus eine wichtige Rolle spielen, sind mit Repressalien und Drohungen konfrontiert. Das zeigen aktuelle Recherchen von Amnesty International, die heute in einem Briefing am Weltfrauentag veröffentlicht werden.

Aktivistinnen berichteten Amnesty International, dass ihnen vorgeworfen wird, „schlechte Mütter“ und „schlechte Ehefrauen“ zu sein, und dass die Behörden damit drohen, ihnen ihre Kinder wegzunehmen. Außerdem wurden sie in der Haft misshandelt und zu Gefängnisstrafen verurteilt, nachdem sie ohne rechtliche Grundlage strafrechtlich verfolgt worden waren.

Wir rufen zur Solidarität mit den mutigen Frauen in Belarus in ihrem Kampf für Freiheit und Menschenrechte auf. In ihrem Kampf fordern sie patriarchalische Haltungen und eine repressive Regierung heraus, die darauf abzielt, die Menschenrechte zu unterdrücken und Wandel und Fortschritt, den die Menschen in Belarus fordern, zu ersticken.

Aisha Jung, Campaignerin für Belarus bei Amnesty International

Online-Event

Wie Frauen in Belarus für Freiheit kämpfen: Gespräch mit der Aktivistin Julia Mickiewicz am 9. März, Beginn 18:00 Uhr 

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In dem neuen Briefing "Belarus: Women on the front line" hebt Amnesty die wichtige Rolle der Aktivistinnen bei den Protesten nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Belarus hervor und dokumentiert, mit welchen Repressalien staatliche Stellen gegen dieses Engagement vorgehen.

Das Briefing ist Teil unserer Solidaritätskampagne #StandWithBelarus, mit der wir unsere Unterstützer*innen weltweit auf, ihre Solidarität mit den friedlichen Protestierenden in Belarus auszudrücken. 

Headerfoto oben: Eine junge Frau hält ein Plakat mit der Aufschrift "Das vergossene Blut wird niemals verschwinden" während einer Kundgebung in Minsk, August 2020

#StandWithBelarus

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„Swetlana Tichanowskaja, eine Präsidentschaftskandidatin, die ins Exil gezwungen wurde, Maria Kolesnikowa, ihre Stabschefin, die im Gefängnis sitzt, Marfa Rabkova, eine inhaftierte Menschenrechtsverteidigerin, und die Journalistinnen Katsyaryna Bakhvalava und Darya Chultsova, beide zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil sie eine Protestaktion per Livestream übertragen haben – das sind einige der vielen Frauen, deren Namen zum Synonym für den Kampf um Freiheit und Menschenrechte in Belarus geworden sind“, sagt Aisha Jung, und sagt weiter:

„In einer zutiefst patriarchalischen Gesellschaft mit endemischer häuslicher Gewalt riskieren die Frauen in Belarus alles, um für ihre Überzeugungen einzutreten. Die belarussischen Behörden kontern dagegen mit Maßnahmen, die sich gegen Aktivistinnen, ihre Organisationen und ihre Familien richten.“

Feministische Aktivistin bedroht und angeklagt

Yuliya Mitskevich, eine feministische Aktivistin, die eine Organisation für Gender Awareness namens Aktyunym Byts Faina leitet und Mitglied einer Untergruppe des oppositionellen Koordinationsrates Femgruppa ist, wurde am 20. Oktober 2020 vor dem Büro ihrer Organisation festgenommen.

Yuliya Mitskevich wurde wegen „Teilnahme an einer illegalen Versammlung“ unter Anklage gestellt. Amnesty sagte sie jedoch, dass sie davon ausgehe, wegen ihrer Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit verfolgt zu werden. Die Angehörigen der Polizei, die Yuliya Mitskevich festnahmen, und die Beamt*innen, die sie verhörten, forderten sie auf, eine Erklärung zu unterschreiben, in der sie zugab, dass sie in ihrer Rolle als Organisatorin an illegalen Aktionen teilgenommen habe.

„Sie boten mir Anreize, bedrohten mich aber auch. Beim ersten Mal befragten sie mich zu Femgruppa, zu den Frauenmärschen und den Finanzen, aber beim zweiten Mal interessierten sie sich für meine Organisation", sagte Yuliya Mitskevich gegenüber Amnesty International.

Hintergrund

Am 27. Jänner 2021 startete Amnesty International weltweit die Solidaritätskampagne #StandWithBelarus und veröffentlichte einen Bericht, der aufzeigt, wie die belarussischen Behörden das Justizsystem als Waffe einsetzen, um Überlebende von Folter zu bestrafen, anstatt die dafür Verantwortlichen. Anschließend erschien ein Briefing über Drohungen, Schikanen und Strafverfolgung von Kindern und Minderjährigen sowie ein Briefing, das zeigt, wie auch Kulturschaffende zunehmend unter Druck gesetzt werden.

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