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Nigeria: Boko Haram Anhänger sterben in Militärgewahrsam

15. Oktober 2013

Außergerichtliche Hinrichtungen, überfüllte Gefängnisse und der Tod hunderter Häftlinge müssen aufgeklärt werden

Amnesty International fordert die sofortige Aufklärung hunderter vermeintlicher Boko Haram Mitglieder, die in nigerianischer Militärhaft ums Leben kamen. Mehr als 950 Häftlinge seien laut Zeugenaussage eines hochrangigen Offiziers der nigerianischen Armee alleine in den ersten sechs Monaten 2013 ums Leben gekommen.

Es gibt Zeiten, in denen werden täglich Menschen herausgeholt und umgebracht. Ungefähr fünf am Tag.

Anonymer Offizier der nigerianischen Armee

„Die Beweise, die von Amnesty International gesammelt wurden, sind erdrückend. Hunderte unaufgeklärte Todesfälle in Militärgewahrsam - das sind schwindelerregende Zahlen! Die nigerianische Regierung ist dringend gefordert, aktiv zu werden. Was hier hinter verschlossenen Türen geschieht, muss umgehend untersucht werden. Die Drahtzieher dieser Menschenrechtsverletzungen sind zur Rechenschaft zu ziehen“, sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich.

Ehemalige Häftlinge berichteten Amnesty International vom täglichen Sterben in den Militärgefängnissen. Bei den Einrichtungen handelt es sich um die Giwi Militärbaracken, nahe Maiduguri im Bundesstaat Borno und dem „Sector Alpha“ (weitläufig  als „Guantanamo“ bezeichnet) und der „Presidential Lodge“ in Damaturu, der Hauptstadt des Bundestaates Yobe.

In den Einrichtungen werden vorrangig Verdächtige untergebracht, die mit der bewaffneten islamistischen Gruppe Boko Haram in Verbindung gebrachten werden.  Die Zeug*innen berichteten, dass täglich Menschen ersticken, verhungern oder an Krankheiten und Verletzungen in den überfüllten Gefängnissen sterben. Die  Häftlinge werden massiv geschlagen, einige sterben an den Folgen, da sie nicht medizinisch versorgt werden. Weiters gibt es Hinweise auf außergerichtliche Hinrichtungen: Zeugen berichteten von Soldaten, die Häftlinge abholten und drohten, sie umzubringen - in vielen Fällen kehrten die Gefangenen nicht wieder.

„Internationale Standards und die nigerianisches Rechtslage legen klar fest, dass jeder Todesfall  in staatlichem Gewahrsam genau untersucht werden muss. Auch Häftlinge haben Menschenrechte und diese müssen in jeder Instanz respektiert werden“, so Patzelt.

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