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Presse

Myanmar: Einsatz von verbotenen Landminen durch Myanmars Militär stellt Kriegsverbrechen dar

20. Juli 2022

Zusammenfassung

  • Amnesty International belegt Einsatz von Landminen durch Myanmars Militär im Bundesstaat Kayah
  • Seit Juni 2021 mindestens 20 Zivilpersonen durch Landminen schwer verletzt oder getötet
  • Einsatz von Landminen gegen Zivilbevölkerung stellt Kriegsverbrechen dar

Das myanmarische Militär verlegt in und im Umfeld von Dörfern im Bundesstaat Kayah (ehemals Karenni) massenhaft Landminen. Amnesty International bezeichnet dies als Kriegsverbrechen. Amnesty-Vertreter*innen sprachen mit 43 Zeugen aus dem konfliktgeplagten Bundesstaat Kayah und dokumentierten Kriegsverbrechen vor Ort.

Der Einsatz solcher Landminen, auch Antipersonenminen genannt, ist international verboten. Die von Myanmars Militär verlegten Minen haben bereits zu Verletzungen und Todesopfern unter der Zivilbevölkerung geführt und werden langfristige Folgen nach sich ziehen – indem sie zum Beispiel die Fähigkeit von vertriebenen Personen, nach Hause zurückzukehren und ihre Flächen zu bewirtschaften, erheblich beeinträchtigen.

„Der Einsatz von Landminen durch das myanmarische Militär ist entsetzlich und grausam. In den meisten Teilen der Welt sind diese naturgemäß unterschiedslos wirkenden Waffen verboten, doch in Myanmar hat das Militär sie auf Privatgrundstücken – z. B. in Höfen und Treppenhäusern – und sogar vor einer Kirche verlegt“, so Matt Wells, Crisis Response Deputy Director bei Amnesty International.

Die Welt muss dringend auf die Gräueltaten reagieren, die das Militär in ganz Myanmar gegen Zivilpersonen begeht. Weltweit müssen Länder die Waffenlieferungen nach Myanmar einstellen und alle Bemühungen unterstützen, die für Kriegsverbrechen Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Matt Wells, Crisis Response Deputy Director bei Amnesty International

Einsatz von Landminen gegen Zivilbevölkerung

Von 25. Juni bis 8. Juli sprachen Amnesty-Vertreter*innen im Bundesstaat Kayah mit 43 Personen aus den Townships Demoso, Hpruso und Loikaw. Diese Gegenden stehen im Zentrum von Auseinandersetzungen zwischen der Armee und bewaffneten ethnischen Gruppen (v.a. die Karenni People's Defense Force) seit im Mai 2021 im Zuge des Militärputsches wieder Konflikte im Bundesstaat Kayah ausbrachen.

Amnesty International sprach mit überlebenden Minenopfern und anderen Zeug*innen sowie mit Gesundheitspersonal, das Verletzungen durch Landminen behandelte, und mit Personen, die Landminen in Dörfern aufgespürt und entschärft hatten. Vertreter*innen der Menschenrechtsorganisation besuchten außerdem mehrere Dörfer, die kürzlich von Minen befreit wurden.

Das myanmarische Militär verlegt mehre Arten von Landminen aus Eigenherstellung. Eine Mine vom Typ M-14 führt in der Regel dazu, dass der Fuß des Betroffenen am Knöchel abgesprengt wird. Der noch gefährlichere Typ MM-2 führt häufig zur Abtrennung des Beins unterhalb des Knies sowie zu Verletzungen an anderen Körperteilen, was häufig zum Tod aufgrund von Blutverlust führt.

Landminen wie M-14 und MM-2 fügen naturgemäß unterschiedslos Verletzungen zu und ihr Einsatz ist sowohl gemäß dem humanitären Völkergewohnheitsrecht als auch dem von 164 Ländern unterzeichneten Landminenvertrag von 1997 verboten. Laut Landmine Monitor ist das myanmarische Militär die einzige staatliche Armee, die 2020/21 bestätigterweise Antipersonenminen eingesetzt hat.

Die Menschenrechtsorganisation Karenni Human Rights Group hat dokumentiert, dass im Bundesstaat Kayah seit Juni 2021 mindestens 20 Zivilpersonen durch Landminen schwer verletzt oder getötet wurden. Aktivist*innen, Mitarbeiter*innen örtlicher Hilfsorganisationen und Personen, die ohne offizielle Ausbildung Dörfer von Minen befreien, gaben an, dass Militärangehörige in den vergangenen Monaten dort vermehrt Landminen verlegt haben, insbesondere in Gegenden, aus denen sie sich dann zurückzogen.

Kirche im Fadenkreuz

Am 27. Juni 2022 statteten Vertreter*innen von Amnesty International der Kirche St. Matthew’s in der Ortschaft Daw Ngay Khu im Township Hpruso einen Besuch ab. Mitte Juni, als in der Gegend Kämpfe herrschten, verlegte das Militär mindestens acht Landminen auf dem Grundstück der Kirche.

Amnesty International fotografierte einige Bereiche, die von Minen befreit worden waren, darunter auch der Weg zum Haupteingang und die Rückseite der Kirche. Diejenigen, die beim Entminen des Kirchengrundstücks geholfen haben, sind der Ansicht, dass sich dort noch mehr bisher unentdeckte Minen befinden.

Am Nachmittag des 15. Juni steckten Armeeangehörige zudem die Kirche und das nebenan gelegene Haus des Priesters in Brand. Als Vertreter*innen von Amnesty International den Ort zwölf Tage später besuchten, schwelte das im Haus des Priesters gelagerte Getreide immer noch.

Vertreibung und Angst

Amnesty International liegen glaubwürdige Berichte vor, wonach das Militär in Myanmar in den letzten Monaten in mindestens 20 Dörfern Landminen verlegt hat, darunter in den Townships Hpruso, Demoso und Loikaw. Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es in den Bundesstaaten Kayah und Shan noch viele weitere verminte Ortschaften.

© Amnesty International

Die St. Matthews-Kirche im Dorf Daw Ngay Ku, die von Myanmars Militär vermint und niedergebrannt wurde. (c) Amnesty International

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