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© Amnesty International/Lawilink

Presseaussendung

Malawi: Gejagt und verkauft

15. September 2016

Menschen mit Albinismus leben in ständiger Angst davor, entführt oder getötet zu werden

Menschen mit Albinismus sind in Malawi ständig gefährdet, von kriminellen Banden, manchmal von ihren eigenen Verwandten angegriffen, entführt, verstümmelt oder getötet zu werden. Ihre Körperteile werden für rituelle Zwecke verkauft und sollen Glück wie auch Reichtum bringen.

Ein im Juni 2016 veröffentlichter Amnesty Bericht zu Albinismus in Malawi dokumentiert die Situation von Menschen mit Albinismus in Malawi, lässt Betroffene zu Wort kommen und geht den Gründen für die Gewalt gegen diese Bevölkerungsgruppe auf den Grund.

Zwischen November 2014 und April 2016 gab es 18 bekannte Fälle von Morden an Menschen mit Albinismus, fünf weitere wurden entführt – bis heute ist ihr Aufenthaltsort unbekannt. Mindestens 69 weitere Verbrechen gegen Menschen mit Albinismus wurden im selben Zeitraum gemeldet, darunter versuchte Entführungen und Graböffnungen, um nach Knochen von Verstorbenen zu suchen.

Frauen und Kinder mit Albinismus sind besonders gefährdet, da sie von kriminellen Banden als leichte Beute gesehen werden. Frauen sind zudem besonders von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch bedroht. Denn der Aberglaube ist verbreitet, dass Geschlechtsverkehr mit einer Person mit Albinismus AIDS heilen könne.

Diskriminierung im Alltag

Auch im Alltag sind Menschen mit Albinismus in Malawi mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Missverständnisse, Unwissenheit und traditionelle Glaubenssätze führen dazu, dass sie diskriminiert und erniedrigt werden.

Oft werden Betroffenen Rechte verweigert, die für andere Mitglieder der Gesellschaft selbstverständlich sind. Der Regierung Malawis ist es bisher nicht gelungen, diese Menschen und ihre Rechte effektiv zu schützen. Das gilt vor allem für ländliche Gebiete, in denen rund 85 Prozent der Bevölkerung Malawis lebt.

Das Schicksal von Harry Mokoshinis

In der Nacht vom 26. Februar 2016 wurde Harry Mokoshini, ein neunjähriger Bub mit Albinismus, aus dem Haus seiner Familie in Moto im Bezirk Machinga von unbekannten Männern entführt. Diese bedrohten seine Mutter und verletzten sie, als sie den Buben verschleppten. Am 3. März 2016 wurde in einem benachbarten Ort ein Kopf gefunden, der später als jener von Harry Mokoshini identifiziert wurde. Unter den Verhafteten war sein Onkel sowie ein Mann, der bereits im Jahr zuvor wegen des Besitzes von Knochen eines Menschen mit Albinismus verhaftet und zu einer Strafe von 20.000 Malawi-Kwacha (umgerechnet etwa 24,50 Euro) verurteilt worden war.

Malawis Regierung muss rasch handeln!

Damit Menschen mit Albinismus vor Angriffen geschützt und ihre Rechte gewahrt werden, fordern wir unter anderem dazu auf

  • in der Bevölkerung ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen

  • bestehende Gesetze anzupassen und damit Menschen mit Albinismus besser zu schützen

  • die Polizeipräsenz in Gegenden zu verstärken, in denen Angriffe gemeldet werden

  • sicherzustellen, dass Meldungen von Gewalt gegen Menschen mit Albinismus rasch und genau untersucht werden.