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Griechische Küstenwache setzt Menschenleben aufs Spiel

9. Juli 2013

Über 100 Flüchtlinge und Migrant*innen sind im vergangenen Jahr auf dem Weg nach Griechenland ertrunken

Die griechische Küstenwache macht Flüchtlingsboote manövrierunfähig und schiebt sie in türkische Gewässer zurück. Sie setzt damit das Leben von Männern, Frauen und Kindern aus Ländern wie Syrien und Afghanistan aufs Spiel. Über 100 Menschen sind im vergangenen Jahr ertrunken als sie versuchten, Griechenland zu erreichen, stellt der heute in Athen veröffentlichter Amnesty-Bericht „Frontier Europe: Human Rights Abuses on Greece’s Border with Turkey“ fest.

„Die Geschichten hinter diesen sogenannten ‚Push-backs‘ sind schockierend“, sagt Heinz Patzelt von Amnesty International Österreich. 

Unsere Recherchen zeigen, dass die griechische Küstenwache internationales Recht schamlos ignoriert, Boote manövrierunfähig macht und in türkische Gewässer zurückdrängt. Man bringt sie zwar nicht um, nimmt aber ihren Tod in Kauf.

Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich

Amnesty dokumentiert 39 Vorfälle, in denen Menschen beim Versuch, die Ägäis oder den Fluss Evros zu überqueren, in türkische Gewässer zurückgedrängt wurden. Ein 17-jähriger Afghane versuchte, gemeinsam mit seinen jüngeren Neffen in einem überfüllten Boot von der Türkei nach Griechenland zu fahren. Die Küstenwache entdeckte das Boot, kontrollierten die Personen und schlugen sie. Anschließend montierten die Beamten den Motor ab und ließen die 42 Flüchtlinge, darunter Kinder, hilflos im offenen Meer treiben. Schließlich wurden sie von der türkischen Küstenwache aufgegriffen und festgenommen.

Amnesty International berichtet weiter, dass auch Asylsuchende, die schon seit Jahren in Griechenland leben, kollektiv ausgewiesen werden. „Menschen werden willkürlich auf der Straße aufgegriffen und, wenn sie sich nicht ausweisen können, zur Grenze gefahren und dort ausgesetzt“, sagt Patzelt.

„Die EU-Staaten scheinen ganz froh darüber zu sein, dass die Griechen die Drecksarbeit für sie machen. Sie stellen sich blind für die Methoden, die Griechenland anwendet, um die Grenzen gegen Flüchtlinge und Migranten abzuschotten. Statt wegzusehen, muss die Europäische Union handeln, um Menschenrechtsverletzungen an ihren Toren zu stoppen“, fordert Patzelt. „Wir rufen die EU dazu auf, Griechenland bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu unterstützen, statt die Grenzen noch mehr abzuriegeln.“

Außer den „Push-Backs“ und kollektiven Ausweisungen kritisiert Amnesty die lange Inhaftierung von Asylsuchenden und Migranten. „Asylsuchende, darunter auch Kinder, die nichts getan haben, als Schutz in der EU zu suchen, werden über Monate und zum Teil Jahre eingesperrt – allzu oft unter unmenschlichen Bedingungen“, so Patzelt.

Hinweis zur weiteren Berichterstattung: Vom 13. bis zum 20. Juli 2013 versammelt sich eine Gruppe von etwa 50 Amnesty-Aktivisten aus der ganzen Welt auf die griechische Insel Lesbos. An diesem 2. Internationalen Menschenrechts-Camp nehmen auch einige Aktivisten aus Österreich teil.

Für Interviewanfragen und Fotos wenden Sie sich gerne an die Pressestelle.

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