Loading...

Flüchtlinge am Westbalkan

6. Juli 2015

Geschlagen, erpresst und misshandelt - von der EU im Stich gelassen

Um dem lebensgefährlichen Weg von Libyen über das Mittelmeer nach Italien zu entgehen, nutzen Flüchtlinge derzeit häufig die Westbalkan-Route von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Tausende Flüchtlinge, Asylsuchende und Migrant*innen sitzen in Mazedonien und Serbien fest. Um sie möglichst schnell wieder loszuwerden, werden sie misshandelt und erpresst. Das dokumentiert der heute veröffentlichte Amnesty-Bericht Europe’s Borderlands: Violations against migrants and refugees in Macedonia, Serbia and Hungary.

Die Flüchtlinge werden an den Grenzen zwischen Griechenland, Mazedonien und Serbien in das vorherige Land zurückgeschickt (push-backs) oder willkürlich inhaftiert - oft geht das mit schweren Misshandlungen einher. Ein Zeuge berichtete Amnesty International, dass die serbische Grenzpolizei an der ungarischen Grenze gedroht habe, seine ganze Gruppe nach Serbien zurückzuschicken, sollten sie nicht jeweils 100 € pro Person zahlen. 

Ich habe zugeschaut, wie Männer geschlagen wurden. Sie haben auch meinen 13-jährigen Sohn geschlagen. Und sie haben mich geschlagen.

Ein afghanischer Flüchtling berichtet, dass er von der mazedonischen Polizei nach Griechenland zurückgeschickt worden sei

Migrant*innen, Flüchtlinge und Asylwerber*innen werden in Aufnahmelagern untergebracht. Hunderte, darunter Familien, schwangere Frauen und unbegleitete Kinder, werden z.B. für unbestimmte Zeit in Mazedoniens Aufnahmezentrum Gazi Baba festgehalten – allerdings ohne Rechtssicherheit und ohne Möglichkeit um Asyl anzusuchen. Viele werden hier unrechtmäßig über Monate hinweg unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen eingesperrt.

„Serbien und Mazedonien sind zu einem Auffangbecken für die überzähligen Flüchtlinge geworden, die niemand in der EU haben will. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, sitzen in Mazedonien und Serbien in der Falle. Sie werden erpresst und misshandelt, haben keine Chance auf Asyl und werden daran gehindert, in die EU weiterzureisen“, sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich. „Die EU muss endlich sichere Wege für Flüchtlinge schaffen und ihnen einen Zugang zum EU-Asylsystem ermöglichen.“

Wenn die Flüchtlinge es schaffen, nach Ungarn zu kommen, droht ihnen weitere Gewalt und Abschiebung. Und es gibt weitere Pläne: Ungarn plant, einen 4 Meter hohen Zaun an der serbischen Grenze zu errichten und Serbien als „sicheren Transitstaat“ einstufen. Das würde Abschiebungen weiter erleichtern.

„Wenn Ungarn sich weiter abschottet und Flüchtlinge noch schneller abschieben will, werden die Menschen weiter misshandelt und von Land zu Land verschoben – ohne Chance auf ein faires Asylverfahren. Diese Situation können die EU-Partner nicht hinnehmen“, so Patzelt.

Der Bericht basiert auf vier Recherchereisen nach Serbien, Ungarn, Griechenland und Mazedonien und hat Interviews mit mehr als 100 Flüchtlingen und Migranten zur Grundlage.

Corona-Krise: Lassen wir niemanden zurück!

Jetzt spenden