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© LGBT Youth Organization Deystvie

Presseaussendung

EU muss gegen Hassverbrechen an LGBTI–Personen vorgehen

18. September 2013

Hassverbrechen und diskriminierung gegen LGbti-personen

Die Europäische Union (EU) und ihre Mitgliedsstaaten scheitern daran, Hassverbrechen effizient zu bekämpfen und die Betroffenen vor Diskriminierung, Bedrohungen und Gewalt zu schützen. Dies dokumentiert der heute veröffentlichte Bericht von Amnesty International „Because of who I am: Homophobia, transphobia and hate crime in Europe”.

„Hassmotivierte Gewalt hat besonders schädliche und lang anhaltende Auswirkungen auf die Opfer. Die EU sowie viele ihrer Mitgliedsstaaten erkennen Verbrechen, die auf der angenommenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität basieren, nicht als eigenen Straftatbestand an. Das muss geändert werden - der ungenügende gesetzliche Schutz gegen Homophobie ist menschenverachtend“, sagte Heinz Patzelt von Amnesty International.

Hassverbrechen unterscheiden sich durch ihr diskriminierendes Motiv von anderen kriminellen Handlungen. Daher ist es äußert wichtig, dass Polizei und Gerichte bei Ermittlungen und Strafprozessen solche Motive ans Licht bringen, wenn kriminelle Handlungen aufgrund der sexuellen Orientierung beziehungsweise der Geschlechtsidentität begangen wurden.

Einer EU-weiten Studie zufolge werden 80 Prozent der homophoben und transphoben Gewalttaten gar nicht bei der Polizei gemeldet. Entweder, weil die Opfer Angst vor institutioneller Homophobie und Transphobie haben, oder weil sie ihre sexuelle Orientierung geheimhalten und befürchten, dass Bekannte und Familienangehörige so davon erfahren könnten.

Michelle - Ein Beispiel von vielen

Im Februar 2012 wurde Michelle, eine junge transsexuelle Frau, von mehreren Personen in der italienischen Stadt Catania aufgrund ihrer Geschlechtsidentität angegriffen und geschlagen. Die Täter beleidigten sie während des Angriffes mit abfälligen Worten wie: „Widerlich! Du bist ein Mann, ein Schwuler!“

Michelle meldete den Angriff bei der Polizei. Ein Verdächtiger wurde identifiziert. Bei der Anklage und dem Urteil wird jedoch aufgrund von Lücken in der italienischen Gesetzgebung das transphobe Motiv nicht ausdrücklich berücksichtigt.

Sie wollten mich abschlachten, nur weil mein Gesicht etwas zu maskulin ist und weil sie an meiner Stimme erkannt haben, dass ich eine Transsexuelle bin.

Michelle, eine junge transsexuelle Frau