Frauen nehmen an einer Demonstration zum Feministischen Kampftag in Guadalajara, Mexiko, am 8. März 2022 teil. © AFP via Getty Images
Frauen nehmen an einer Demonstration zum Feministischen Kampftag in Guadalajara, Mexiko, am 8. März 2022 teil. © AFP via Getty Images
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7 ERFOLGE ZUR STÄRKUNG DER FRAUENRECHTE UND ZUR ÜBERWINDUNG VON DISKRIMINIERUNG UND GEWALT

6. März 2026

Regierungen auf der ganzen Welt machen derzeit die Fortschritte der letzten Jahrzehnte bei der Gleichstellung der Geschlechter rückgängig. Das äußert sich in immer mehr Angriffen auf reproduktive Rechte, in der Unterdrückung feministischer Stimmen und in Mittelkürzungen bei Organisationen, die sich für Frauenrechte einsetzen.

WIR DÜRFEN NICHT AUFGEBEN

Auch wenn die Zeiten für Frauen und ihre Rechte gerade düster aussehen: Es gibt auch positive Nachrichten. Wir betrachten hier sieben Bereiche (Burkina Faso, Europa, Gazastreifen, Haiti, Lateinamerika, Malawi und Nepal), in denen sich Amnesty International für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt und Erfolge erzielen konnte bzw. für Veränderung eintritt.

Diese Erfolge haben unterschiedliche Formen – von bahnbrechenden Gerichtsurteilen und Rechtsreformen bis hin zu hart erkämpfter Anerkennung, Rechenschaftspflicht und Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Solange wir nicht aufgeben, kann – und wird sich – Menschlichkeit gegen Diskriminierung, geschlechtsspezifische Gewalt und Ungerechtigkeit durchsetzen!

Von 9. bis 19. März 2026 kommen die UN-Mitgliedstaaten zur 70. Sitzung der Frauenrechtskommission in New York zusammen. Dabei werden die Gewährleistung und Stärkung des Zugangs zur Justiz für alle Frauen und Mädchen ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Dazu gehören der effektive Schutz vor Gewalt, der Abbau struktureller Barrieren und geschlechtersensibel agierende Justizsysteme.

Burkina Faso

Burkina Faso hat eine der höchsten Frühverheiratungsraten weltweit. Dies führt häufig dazu, dass Mädchen gezwungen werden, die Schule abzubrechen, um sich um ihr Zuhause und ihren Ehemann zu kümmern. Mädchen, die in jungen Jahren verheiratet werden, sind auch häufiger von häuslicher Gewalt und gesundheitlichen Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt betroffen.

Nach jahrelangen Kampagnen von Amnesty International und ihren Partnerorganisationen hat Burkina Faso im Jahr 2025 lang erwartete Reformen verabschiedet, die das Mindestalter für die Eheschließung für Mädchen und Jungen auf 18 Jahre festsetzen und die Zustimmung zur Ehe als Grundlage für jede Heirat festlegen. Neue Bestimmungen zum Erbrecht, die die geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen und Mädchen beseitigen, stellen ebenfalls einen bedeutenden Fortschritt dar.

Zalissan Olabaloum ist 14 Jahre alt und kommt aus dem Norden von Burkina Faso. Ihre Schule befindet sich in einer Gemeinde, in der über die Gefahren von FGM (Female Genital Mutilation - weibliche Genitalverstümmelung) und EFM (Early and Forced Marriage - Früh- und Zwangsverheiratung) aufgeklärt wird und die Gemeinde sich verpflichtet hatte, diese Praktiken nicht mehr anzuwenden. In ihrer Gemeinde gibt es auch ein Notfallkomitee. © Sophie Garcia / hanslucas.com
Zalissan Olabaloum ist 14 Jahre alt und kommt aus dem Norden von Burkina Faso. Ihre Schule befindet sich in einer Gemeinde, in der über die Gefahren von FGM (Female Genital Mutilation - weibliche Genitalverstümmelung) und EFM (Early and Forced Marriage - Früh- und Zwangsverheiratung) aufgeklärt wird und die Gemeinde sich verpflichtet hatte, diese Praktiken nicht mehr anzuwenden. In ihrer Gemeinde gibt es auch ein Notfallkomitee. © Sophie Garcia / hanslucas.com

Europa

Am 26. Februar 2026 hat die Europäische Kommission entschieden, dass Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) für Mitgliedstaaten für sichere Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung gestellt werden. Dadurch können schwangere Personen aus Ländern, in denen sie keinen Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch haben, innerhalb der EU reisen und einen sicheren Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen.

© Črt Piksi
© Črt Piksi

Es ist ein bahnbrechender Erfolg der Initiator*innen und der 1,1 Mio. Unterstützenden der Bürger*inneninitiative „My Voice My Choice“, dass die EU-Kommission Maßnahmen zur Unterstützung von Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen wollen, setzt!

Allerdings werden von der EU keine zusätzlichen Mittel zur Finanzierung sicherer Schwangerschaftsabbrüche zur Verfügung gestellt, wie ursprünglich von My Voice My Choice gefordert. Zudem liegt es den Mitgliedsstaaten frei, zu entscheiden, ob und in welcher Form sie diese Möglichkeit in Anspruch nehmen wollen.

Dementsprechend werden wir weiter dafür kämpfen, dass der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen als Menschenrecht und als Gesundheitsleistung anerkannt wird. In Österreich, in der EU und weltweit.

Gazastreifen

Im März 2025 erklärte die UN-Untersuchungskommission, dass Israel seit Oktober 2023 systematisch sexualisierte, reproduktive und andere geschlechtsspezifische Gewalt gegen Palästinenser*innen ausübt. Außerdem habe Israel im Gazastreifen „Völkermord-Handlungen“ begangen. Dazu zählen die Zerstörung von Einrichtungen für die Gesundheits- und reproduktive Versorgung von Frauen sowie die Blockade des Zugangs zu entsprechender medizinischer Hilfe.

Im September 2025 stellte die UN-Untersuchungskommission außerdem fest, dass Israel im Gazastreifen einen Völkermord begangen hat, unter anderem durch die Verhängung von Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten.

Diese Ergebnisse bestätigten die Aussagen in dem Amnesty-Bericht von Dezember 2024 mit dem englischsprachigen Titel “„You Feel Like You Are Subhuman’: Israel’s Genocide Against Palestinians in Gaza“. Der Bericht dokumentiert Tötungen, schwere körperliche und psychische Verletzungen und absichtlich auferlegte Lebensbedingungen, mit denen die Palästinenser*innen im Gazastreifen „ganz oder in Teilen“ zerstört werden sollen, darunter geschlechtsspezifische Verletzungen.

An der Seite von Menschenrechtsverteidiger*innen und feministischen Bewegungen dokumentiert Amnesty International weiterhin Menschenrechtsverstöße, setzt sich für die Rechenschaftspflicht ein und mobilisiert Unterstützung für palästinensische Frauen und Mädchen.

Eine Gruppe von Frauen und Kindern geht am 10. Februar 2025 auf einem schlammigen Weg im Geflüchtetenlager Nur Shams entlang. Starke Regenfälle haben die Bedingungen im Lager verschlechtert, das ohnehin schon mit Vertreibung und begrenzter Infrastruktur zu kämpfen hat. © Wahaj Bani Moufleh / Middle East Images / Middle East Images / AFP via Getty
Eine Gruppe von Frauen und Kindern geht am 10. Februar 2025 auf einem schlammigen Weg im Geflüchtetenlager Nur Shams entlang. Starke Regenfälle haben die Bedingungen im Lager verschlechtert, das ohnehin schon mit Vertreibung und begrenzter Infrastruktur zu kämpfen hat. © Wahaj Bani Moufleh / Middle East Images / Middle East Images / AFP via Getty
Menschen fliehen vor Bandengewalt im Stadtteil Petion-ville von Port-au-Prince am 30. Jänner 2024. © Richard Pierrin / AFP
Menschen fliehen vor Bandengewalt im Stadtteil Petion-ville von Port-au-Prince am 30. Jänner 2024. © Richard Pierrin / AFP

In einem Bericht, der sich auf Interviews mit 112 Personen, darunter 51 Kinder, stützt, dokumentiert Amnesty Missstände und Verstöße in acht Gemeinden des Departements West – von der Rekrutierung und dem Einsatz von Kindern in Banden bis hin zu Vergewaltigungen und anderen Formen sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Im Dezember 2024 legte Amnesty dem Büro von Premierminister Alix Didier Fils-Aimé eine Zusammenfassung ihrer Ergebnisse vor, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und den Opfern und ihren Familien Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. 

Lateinamerika

Im Jahr 2025 traf der UN-Menschenrechtsausschuss wichtige Entscheidungen. Er stellte fest, dass Ecuador und Nicaragua die Menschenrechte von drei Mädchen verletzt hat. Die Mädchen wurden vergewaltigt, durften keinen Schwangerschaftsabbruch durchführen und wurden zur Mutterschaft gezwungen. Später im selben Jahr traf der Ausschuss eine ähnliche Entscheidung zu Guatemala.

Frauen nehmen an einer Demonstration zum Feministischen Kampftag in Guadalajara, Mexiko, am 8. März 2022 teil. © AFP via Getty Images
Frauen nehmen an einer Demonstration zum Feministischen Kampftag in Guadalajara, Mexiko, am 8. März 2022 teil. © AFP via Getty Images

In seinen weitreichenden Entscheidungen stellte der Ausschuss fest, dass die Mädchen Situationen ausgesetzt waren, die der Folter gleichkamen. Zum ersten Mal wurde anerkannt, dass die erzwungene Mutterschaft die persönlichen, schulischen und beruflichen Ziele von Mädchen unterbricht und behindert und ihr Recht auf ein würdiges Leben stark einschränkt.

Der Ausschuss forderte die Staaten auf, ihre Gesetze zu ändern. Ziel ist, den Zugang zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch zu gewährleisten. Besonders wichtig ist dies in Fällen von sexualisierter Gewalt oder wenn das Leben oder die Gesundheit der schwangeren Person gefährdet ist. Außerdem sollen Überlebende entschädigt werden, damit sie ihr Leben wieder aufbauen können.

Die Fälle sind Teil der Kampagne „Girls, Not Mothers“ (Mädchen, keine Mütter), zu deren Gründungsmitgliedern Amnesty International gehört und in der die Organisation aktiv mitwirkt.

Malawi

2025 entschied der Oberste Gerichtshof von Malawi, dass die Verweigerung des Zugangs zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch für eine 14-jährige Überlebende einer Vergewaltigung gegen ihre Rechte aus dem Gesetz zur Gleichstellung der Geschlechter verstoßen hatte. In seinem bahnbrechenden Urteil sprach das Gericht der Überlebenden Schadenersatz zu und bekräftigte, dass der Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch für den Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Würde von Frauen und Mädchen unerlässlich ist.

Das Urteil stellt einen wichtigen Präzedenzfall in einem Land dar, in dem Schwangerschaftsabbrüche nach wie vor weitgehend kriminalisiert werden – die einzige Ausnahme ist, wenn damit das Leben der schwangeren Person gerettet wird. Dieses drakonische Gesetz aus der Kolonialzeit bedeutet, dass viele Jugendliche und Überlebende sexualisierter Gewalt keine sicheren Handlungsmöglichkeiten haben.

Nepal

Trotz der Gesetze, die sie verbieten, ist die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit nach wie vor ein Merkmal des täglichen Lebens in Nepal. Sie schürt nicht nur Gewalt und Vorurteile gegen Millionen von Dalits und anderen Angehörigen von Minderheiten-Communitys, sondern beraubt sie auch der Gerechtigkeit, da die Polizei Verbrechen gegen Minderheitengruppen seltener sofort und wirksam untersucht.

Ein Durchbruch gelang jedoch im Jahr 2023, als das Bezirksgericht von West-Rukum im Zusammenhang mit der Ermordung von Nabaraj BK und fünf weiteren Personen ein historisches Urteil fällte und 26 Personen wegen Mordes und Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit verurteilte.

Die sechs Männer, von denen viele der Dalit-Gemeinschaft angehörten, waren 2020 von einem Mob zu Tode geprügelt worden, nachdem Nabaraj BK beschuldigt worden war, eine Beziehung mit einem Mädchen aus einer anderen, dominanten Kaste zu haben.

Gemeinsam mit Dalit-Familien und Aktivist*innen setzt sich Amnesty International weiterhin bei der nepalesischen Regierung dafür ein, dass die Dalit-Gemeinschaften wirksam geschützt werden.

Menschenrechtsaktivistinnen in Kathmandu, Nepal, fordern am 29. November 2008 die Einrichtung einer Kommission zur Untersuchung von Gewalt gegen Frauen, insbesondere des Mordes an der Menschenrechtsaktivistin Laxmi Borah. © Privat
Menschenrechtsaktivistinnen in Kathmandu, Nepal, fordern am 29. November 2008 die Einrichtung einer Kommission zur Untersuchung von Gewalt gegen Frauen, insbesondere des Mordes an der Menschenrechtsaktivistin Laxmi Borah. © Privat

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