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Mutiger Antikriegsprotest live im russischen Fernsehen ist kein Vebrechen

15. März 2022

Marina Owsjannikowa störte am Montagabend mit einer Protestaktion die Abendnachrichten im russischen Staatsfernsehen. Während der Live-Übertragung im Ersten Kanal protestierte die Redakteurin gegen die russische Invasion in der Ukraine. Später wurde sie festgenommen und hatte mindestens 15 Stunden lang keinen Kontakt zur Außenwelt.

Mutiger Einsatz angesichts brutaler Repression

Am Abend des 14. März platzte die Redakteurin Marina Owsjannikowa in eine Live-Nachrichtensendung und hielt ein Plakat in die Kamera: „Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen!“ Dazu rief sie mehrmals laut: „Stoppt den Krieg!“

Nach Angaben der russischen Nichtregierungsorganisation OVD-Info wurde sie gleich darauf festgenommen und abgeführt. Über Nacht machte die Polizei keine Angaben über ihr Wohlergehen und ihren Verbleib, auch nicht darüber, ob sie in Haft ist oder nicht. Am 15. März berichteten russische Medien, dass sie der „Organisierung einer nicht genehmigten öffentlichen Veranstaltung“ beschuldigt werde. Außerdem würden die Behörden erwägen, ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen sie einzuleiten.

Medienberichten zufolge wurde Marina Owsjannikowa für ein Video, das sie vorab gefilmt und veröffentlicht hatte, zu einer Geldstrafe von 30.000 Rubel (247 US-Dollar) verurteilt und freigelassen. Bei ihrer Befragung außerhalb des Gerichts sagte sie, dass sie über 14 Stunden lang verhört wurde und weder einen Rechtsbeistand erhielt noch Kontakt zu ihrer Familie aufnehmen durfte.

Marie Struthers, Direktorin für Osteuropa und Zentralasien bei Amnesty International sagt zu den Ereignissen: „Niemand sollte allein wegen einer Meinungsäußerung inhaftiert werden, geschweige denn ohne Kontakt zur Außenwelt. Sie darf für ihre mutige Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung nicht bestraft werden.“

Marina Owsjannikowa hat gezeigt, dass der Mut, für Gerechtigkeit einzutreten, stärker ist als die staatliche Propaganda – selbst bei denen, die sie verbreiten sollen. Sie hat ein eindrucksvolles Beispiel dafür gegeben, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um trotz der brutalen Unterdrückung im heutigen Russland die Wahrheit zu sagen.

Marie Struthers, Direktorin für Osteuropa und Zentralasien bei Amnesty International

„Der Kreml kriminalisiert weiterhin jede Form von Dissens und Antikriegsprotest. Er ist wild entschlossen, die massiven Folgen seiner mutmaßlichen Kriegsverbrechen für die Menschen in der Ukraine zu verbergen. Marina Ovsyannikova hat keine Straftat begangen. Vielmehr bringt ihr trotziger Protest etwas Licht in eine Situation, in der die russischen Behörden versucht haben, totale Dunkelheit zu erzwingen. Marina Owsjannikowa darf keinen weiteren Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt werden," sagt Marie Struthers.

Russischer Einmarsch in die Ukraine

Amnesty International beobachtet die Lage der Zivilbevölkerung in der Ukraine genau und wird weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das Völkerrecht aufdecken und dokumentieren. Hier findest du aktuelle Informationen und Updates zu unseren Untersuchungen zum Krieg in der Ukraine.

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