Seán Binder umarmt seine Mutter Fanny nach dem Freispruch.  © Amnesty International
Seán Binder umarmt seine Mutter Fanny nach dem Freispruch. © Amnesty International
Erfolg

Griechenland: Seenotretter Seán Binder von allen Anklagepunkten freigesprochen

Am 15. Jänner 2026 stand der humanitäre Helfer und Seenotretter Seán Binder zusammen mit 23 weiteren Angeklagten vor dem Berufungsgericht von Lesbos, Griechenland, nur weil sie Geflüchteten und Migrant*innen geholfen haben, die im Meer zu ertrinken drohten. Das Gericht sprach ihn von allen unfairen und unbegründeten Anklagepunkten frei, darunter „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“, „Betrug“, „Geldwäsche“ und „Schleusung (Beihilfe zur illegalen Einreise)“.

Amnesty International hat gemeinsam mit ihren weltweit tausenden Unterstützer*innen die griechischen Behörden jahrelang aufgefordert, alle Anklagen gegen die Seenotretter*innen fallen zu lassen. Seán Binder ist ausgebildeter Rettungstaucher. Er stand zusammen mit 23 anderen Mitgliedern der Seenotrettungs-NGO, für die sie tätig waren, vor Gericht.

Zum Freispruch erklärte Eve Geddie, Direktorin des Büros für europäische Institutionen von Amnesty International:

„Die heutige Entscheidung ist eine willkommene Erleichterung für Seán und seine Freund*innen, Familie und Unterstützer*innen, aber auch für die Zivilgesellschaft in Griechenland und darüber hinaus. Amnesty International begrüßt diese Entscheidung, betont jedoch erneut, dass diese Anklagen niemals vor Gericht hätten landen dürfen.”

Seáns Menschenrechte wurden verletzt, und sein Leben stand viele Jahre lang still. Wir hoffen, dass die heutige Entscheidung ein starkes Signal an Griechenland und andere europäische Länder sendet, dass Solidarität, Mitgefühl und die Verteidigung der Menschenrechte geschützt und gefeiert werden sollten, statt bestraft zu werden.

Eve Geddie, Direktorin des Büros für europäische Institutionen von Amnesty International

„Auch die EU muss die heutige Entscheidung zur Kenntnis nehmen und stärkere Schutzmaßnahmen gegen die Kriminalisierung humanitärer Hilfe im EU-Recht einführen. Niemand sollte dafür bestraft werden, dass er*sie versucht zu helfen“, so Geddie weiter.

Das Gericht hat heute die einzige Entscheidung getroffen, die es aufgrund der begrenzten Rechtsgrundlage der Anklage und der schwachen Beweise, die die Staatsanwaltschaft vorgelegt hat, treffen konnte. Es ist eine große Erleichterung, dass ich die nächsten 20 Jahre nicht in einer Gefängniszelle verbringen werde, aber gleichzeitig ist es beunruhigend, dass dies überhaupt eine Möglichkeit gewesen wäre.

Seán Binder

Seán Binder sagte weiter: „Heute wurde klargestellt, wie es schon immer hätte klar sein müssen, dass die Bereitstellung lebensrettender humanitärer Hilfe eine Verpflichtung und kein Verbrechen ist. Dass die Nutzung von WhatsApp normal ist und kein Beweis für Kriminalität. Dass der Kauf von Waschmaschinen für ein Flüchtlingslager niemanden zu einem Geldwäscher macht. Dieser Freispruch muss einen Präzedenzfall schaffen.“

Wir danken allen Unterstützer*innen, die sich jahrelang für Seán Binder eingesetzt haben!

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