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Damit Menschenrechte nicht im Dunkeln verschwinden und Gerechtigkeit siegt.

Amnesty fordert sofortigen Stopp ziviler Angriffe: Schulen, Krankenhäuser und Gefängnisse müssen geschützt, unabhängige Beobachtung zugelassen werden.
Angesichts der andauernden Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran und der Welle iranischer Vergeltungsschläge in der gesamten Region ruft Amnesty International alle Parteien dringend dazu auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. Rechtswidrige Angriffe, wie vorsätzliche, wahllose oder unverhältnismäßige Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Infrastruktur, müssen sofort eingestellt werden.
Der Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den USA ist in den vergangenen Tagen eskaliert. Die Militäroperationen haben sich über die gesamte Region ausgebreitet und betreffen mittlerweile mehr als zehn Länder. Sie haben bereits zu erheblichen Verlusten an Menschenleben und zur Zerstörung ziviler Infrastruktur geführt.
Israel hat seine Angriffe auf den Libanon in den letzten 24 Stunden als Reaktion auf die Angriffe der Hisbollah verstärkt. Die USA haben erklärt, dass „die schwersten Schläge noch bevorstehen“. Der Iran hat nach der Tötung des Obersten Führers und Oberbefehlshabers Ali Khamenei mit einer weiteren Verschärfung der Lage und Unsicherheit in der gesamten Region gedroht.
Die Zivilbevölkerung darf nicht den Preis für rechtswidrige und rücksichtslose Handlungen der Konfliktparteien zahlen, die die Grundsätze der Humanität und Unterscheidung im Herzen des humanitären Völkerrechts mit Füßen treten und die Grundlagen des internationalen Friedens und der Sicherheit gefährden. In der ganzen Region haben Zivilpersonen bereits wiederholt Konflikte, massive Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen nach internationalem Recht erlitten. Ihr Schutz sollte jetzt oberste Priorität haben. Stattdessen sehen sie sich erneut sinnlosen Tötungen und Unterdrückung ausgesetzt.
Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International
„Die Konfliktparteien müssen sofort davon absehen, rechtswidrige Angriffe fortzuführen – seien es direkte Angriffe auf Zivilpersonen, wahllose oder unverhältnismäßige Angriffe oder der Einsatz von Explosivwaffen mit großer Flächenwirkung in dicht besiedelten Gebieten. Sie müssen alle möglichen Vorkehrungen treffen, um Schäden für die Zivilbevölkerung zu verhindern. Angesichts der zunehmenden Gefahr eines langwierigen internationalen Konflikts ist die Einhaltung der internationalen Menschenrechtsnormen und des humanitären Völkerrechts dringender denn je. Jede Verletzung dieser Verpflichtungen wird die Region noch weiter in Richtung einer erneuten humanitären und menschenrechtlichen Katastrophe treiben“, sagt Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, weiter.
Am 3. März berichtete der iranische Rote Halbmond, dass seit Beginn der Angriffe 787 Menschen im Iran getötet worden seien. Am 28. Februar 2026 wurden nach Angaben der iranischen Behörden etwa 150 Schulkinder getötet, als eine Schule in der südlichen Stadt Minab in der Provinz Hormozgan getroffen wurde. Die Vereinten Nationen bezeichneten den Bombenangriff auf diese Schule als schwerwiegenden Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht“. Das Uno-Menschenrechtsbüro forderte eine rasche, unparteiische und gründliche Untersuchung dieses schrecklichen Vorfalls.
Amnesty International verifizierte sechs Videos aus dem Nachgang des Angriffs auf die Schule, die schwarzen Rauch aus dem teilweise eingestürzten Gebäude sowie Rettungskräfte und Bagger bei der Suche nach Überlebenden in den Trümmern zeigen. Aufnahmen, die vom Eingang der Schule aus gefilmt wurden, zeigen Mauern, die den Schulhof und das Gebäude umgeben, während im Hintergrund Rauch aus Richtung eines nahegelegenen Stützpunkts der Revolutionsgarden aufsteigt. Nach Angaben des Vorsitzenden des iranischen Ärzteverbandes wurden durch die Angriffe Israels und der USA zehn medizinische Zentren beschädigt.
Die iranischen Behörden schalteten am 28. Februar erneut den Internetzugang ab und hinderten damit Millionen Menschen daran, wichtige Informationen über die bewaffneten Auseinandersetzungen zu erhalten und mit Angehörigen im In- und Ausland zu kommunizieren.
Der bewaffnete Konflikt hat die Sorge um das Schicksal und die Sicherheit von Gefangenen im gesamten Iran verstärkt, darunter Tausende von Demonstrant*innen und Dissident*innen, die im Zusammenhang mit dem Aufstand vom Januar 2026 festgenommen wurden. Diese Sorge rührt von Berichten von Menschenrechtsverteidiger*innen über Explosionen in der Nähe von Gefängnissen und anderen Einrichtungen, in denen Gefangene festgehalten werden, sowie von Israels früherem Angriff auf das Evin-Gefängnis in Teheran während des 12-tägigen Krieges.
Menschenrechtsverteidiger*innen warnen außerdem, dass die iranischen Behörden in der Vergangenheit bewaffnete Konflikte oft als Vorwand genutzt haben, um Dissident*innen verstärkt Folter und anderen Misshandlungen auszusetzen. Zudem wird eine Zunahme von summarischen, willkürlichen oder außergerichtlichen Hinrichtungen befürchtet. Amnesty International fordert die iranischen Behörden auf, alle willkürlich inhaftierten Personen unverzüglich freizulassen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit aller anderen Gefangenen zu gewährleisten, unter anderem durch vorübergehende Freilassung aus humanitären Gründen.
Die iranischen Behörden reagierten auf die Angriffe der USA und Israels mit Raketen- und Drohnenangriffen in Israel und in der gesamten Golfregion, darunter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Kuwait, Oman und Saudi-Arabien.
Medienberichten und offiziellen Regierungserklärungen zufolge führten mehrere der Angriffe zu Toten, verletzten Personen und Schäden an ziviler Infrastruktur; unter anderem durch herabfallende Trümmer von abgefangenen Raketen oder Drohnen. Nach Angaben der Behörden in Abu Dhabi wurde eine iranische Drohne, die auf den internationalen Flughafen Zayed (AUH) zielte, abgefangen, was zu „herabfallenden Trümmern“ führte, die eine Person töteten und sieben weitere verletzten. Am 2. März erklärten sowohl die katarischen als auch die saudischen Behörden, ihre Ölanlagen seien vom Iran angegriffen worden.
In Israel wurden laut Medien und Rettungsdiensten mindestens 10 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Dazu gehören neun Tote und mehr als 20 Verletzte in Beit Shemesh nach einem iranischen Raketenangriff sowie der Tod einer Frau in der Region Tel Aviv durch herabfallende Splitter. Iranische Angriffe beschädigten laut lokalen Behörden außerdem mindestens 40 Gebäude in Tel Aviv.
Israel hat die strengen Bewegungsbeschränkungen im besetzten palästinensischen Gebiet verschärft und damit den Verkehr zwischen Dörfern und Städten im besetzten Westjordanland einschließlich Ostjerusalem praktisch blockiert.
Die Behörden haben außerdem alle Grenzübergänge in das und aus dem besetzten Gebiet geschlossen, darunter die Grenzübergänge Kerem Shalom/Karem Abu Salem und Rafah, wodurch lebensrettende Hilfslieferungen in den Gazastreifen blockiert werden. Kerem Shalom/Karem Abu Salem wurde am 3. März wieder geöffnet. Diese willkürlichen Maßnahmen verschärfen das Leid der Palästinenser*innen, die unter der unrechtmäßigen Besatzung Israels leben, erheblich und verschlimmern die vielschichtige humanitäre Krise im Gazastreifen.
Nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael, die laut Angaben der Gruppe eine Vergeltungsmaßnahme für die Ermordung von Ali Khamenei waren, eskalierte das israelische Militär in der Nacht zum 2. März seine Angriffe auf den Libanon.
Bis zum 3. März hatten israelische Luftangriffe im Libanon nach Angaben der libanesischen Behörden mindestens 40 Menschen getötet und 246 verletzt. Eine neue Warnung zur „Evakuierung“, die von den israelischen Behörden nach Mitternacht am 2. März herausgegeben wurde, hat erneut Hunderttausende Zivilpersonen im gesamten Libanon vertrieben. Die vage und weit gefasste Warnung betraf mehr als 50 Dörfer im Süden und Osten des Landes und führte zu Panik, verstopften Straßen und einer weiteren Vertreibungswelle vieler Menschen. Am frühen Morgen des 3. März wurden weitere allgemeine Massenevakuierungswarnungen herausgegeben, in denen die Menschen in Dutzenden weiterer Dörfer im Südlibanon aufgefordert wurden, ihre Häuser zu verlassen.
Am 2. März kündigte das israelische Militär an, Finanzinstitute der Hisbollah an mehreren Orten im Libanon anzugreifen. Israel hatte bereits im Oktober 2024 Filialen des Finanzinstituts der Hisbollah angegriffen, was Amnesty International als wahrscheinlichen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht bezeichnete und forderte, solche Angriffe als Kriegsverbrechen zu untersuchen.
Amnesty International fordert alle Konfliktparteien auf, rechtswidrige Angriffe auf Zivilist*innen sofort einzustellen, einschließlich unterschiedsloser und unverhältnismäßiger Angriffe sowie des Einsatzes von Sprengwaffen in dicht besiedelten Gebieten. Zivile Infrastruktur wie Flughäfen, Krankenhäuser, Schulen und Gefängnisse muss geschützt und humanitärer Zugang sowie unabhängige internationale Beobachtung gewährleistet werden.
Im Iran fordert Amnesty die sofortige Freilassung aller willkürlich Inhaftierten sowie den Schutz aller Gefangenen, notfalls durch vorübergehende Entlassung aus humanitären Gründen. An die internationale Gemeinschaft appelliert die Organisation, die diplomatischen Bemühungen zu intensivieren, um weitere Eskalation und Verbrechen nach internationalem Recht gegen eine Bevölkerung zu verhindern, die bereits Jahrzehnte der Unterdrückung erlitten hat.