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Syrien: Verheerende Versöhnungsabkommen

13. November 2017

Abkommen zwischen Regierung und Opposition kosten tausende Zivilist*innen das Leben

Die „Versöhnungsabkommen“ zwischen der syrischen Regierung und bewaffneten oppositionellen Gruppen sind verheerend für die Zivilbevölkerung. Um ihre Position in Verhandlungen zu verbessern, haben vor allem syrische Regierungstruppen in den vergangen Jahren Männer, Frauen und Kinder gezielt vertrieben und getötet.

Die Betroffenen sind gezwungen, in Notunterkünften zu leben. Das zeigt der neue Amnesty-Bericht We leave or we die: Forced displacement under Syria’s ‚reconciliation‘ agreements. 

Die syrische Regierung will mit diesen Abkommen angeblich oppositionelle Gruppen außer Gefecht setzen. Tatsächlich hat diese Strategie das Leid der Bevölkerung nur noch erhöht.

Philip Luther, Research- und Advocacy-Direktor für den Nahen Osten bei Amnesty International

Tausende Menschen vertrieben und getötet

Die syrische Regierung und bewaffnete Oppositionsgruppen haben seit 2012 eine Reihe von „Versöhnungsabkommen“ in belagerten Gebieten abgeschlossen. Ihr Ziel: Bewaffnete Oppositionskämpfer*innen sollen die von der Regierung belagerten Städte und Dörfer im Norden Syriens verlassen.

Vier dieser „Versöhnungsabkommen“ werden im neuen Amnesty-Bericht untersucht. Sie führten in dem Zeitraum von August 2016 bis März 2017 dazu, dass tausende Bewohner*innen in sechs umkämpften Regionen vertrieben wurden (Daraya, Ost-Aleppo, al-Waer, Madaya, Kefraya und Foua).

Wegen der Abkommen kam es zu vorsätzlichen Luftangriffen syrischer Truppen auf Wohn- und Krankenhäuser; Oppositionsgruppen haben hunderte Zivilist*innen bei Angriffen auf mutmaßlich regierungstreue Gebiete verletzt und getötet. Die Zivilbevölkerung hat keine Wahl, als zu fliehen oder zu sterben. Eine Konsequenz der Abkommen ist, dass tausende Familien nun in provisorischen Lagern mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung und Lebensmitteln leben müssen.

Wenn es die syrische Regierung und die oppositionellen Gruppen mit der Versöhnung ernst meinen, dann müssen sie sofort dieses unrechtmäßige Vorgehen stoppen, Belagerungen aufheben und die Attacken auf die Zivilbevölkerung beenden.

Philip Luther, Research- und Advocacy-Direktor für den Nahen Osten bei Amnesty International

Der Amnesty-Bericht basiert auf 134 Zeug*innenaussagen, humanitären Helfer*innen, Expert*innen, Journalist*innen und Vertreter*innen der Vereinigten Nationen zwischen April und September 2017. Die Berichte wurden durch die Analyse von Satellitenaufnahmen sowie von Videodokumenten bestätigt. Die syrische Regierung wollte sich zu den Vorwürfen von Amnesty nicht äußern.

We leave or we die: Forced displacement under Syria’s ‚reconciliation‘ agreements