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© Adetona Omokanye/Getty Images

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Nigeria: Amnesty-Recherchen belegen Tötungen bei #EndSARS Protesten in Lekki

29. Oktober 2020

Seit dem 8. Oktober gehen die Menschen in Nigeria auf die Straßen und fordern ein Ende der Polizeigewalt, der außergerichtlichen Hinrichtungen und der Erpressung durch die Special Anti-Robbery Squad (SARS).

SARS ist eine Einheit der nigerianischen Polizei, die mit der Bekämpfung von Gewaltverbrechen beauftragt ist. SARS-Beamt*innen haben über Jahre hinweg Menschen erpresst, vergewaltigt, gefoltert und getötet. Die Einheit wurde mittlerweile eingestellt.

Polizei und Armee begegneten den Demonstrierenden mit tödlicher Gewalt und Übergriffen.

Nigerianische Armee eröffnetE Feuer auf Demonstrierende

Teil der #EndSARS Proteste waren die Demonstrationen in Lagos, im Stadtteil Lekki. Am 20. Oktober 2020 wurden Berichten zufolge friedliche Demonstrierende erschossen, als die nigerianische Armee das Feuer auf Demonstrant*innen an der Mautstelle in Lekki eröffnete.

Zeitachse zeigt verifiziertes Foto- und Videomaterial

Recherchen von Amnesty International vor Ort haben bestätigt, dass die nigerianische Armee und die Polizei friedliche Demonstrierende getötet hat. Die Zeitachse zeigt mit Video- und Fotoaufnahmen, dass Armeefahrzeuge am 20. Oktober um 18.29 Uhr Ortszeit das Lager Bonny verließen, eine Militärbasis, die etwa sieben Autominuten von der Mautstelle in Lekki entfernt ist. Die Bilder verfolgen die Fahrzeuge bis zur Mautstelle. Gegen 18.45 Uhr eröffnete das nigerianische Militär das Feuer auf die Demonstrant*innen.

 

Nigeria: Beendet die Polizeigewalt!

Es braucht JETZT eine Polizeireform in Nigeria und eine strafrechtliche Verfolgung der Polizeibeamt*innen, denen Gewalt und Übergriffe vorgeworfen werden!

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20. Oktober 2020

Am 20. Oktober fanden den ganzen Tag über friedliche Proteste an der Mautstelle von Lekki statt. Menschen tanzten, ließen sich die Haare machen und von einem Podium wurden Reden gehalten.

18.29 Uhr

Um 18.29 Uhr verlassen Fahrzeuge die Bonny Militärbasis und fahren in östlicher Richtung entlang der Ozumba Mbadiwe Avenue, die in den Lekki-Epe Expressway übergeht, in Richtung Lekki-Mautstelle. Auf dieser Route passieren die Fahrzeuge mehrere Botschaften und Konsulate, darunter auch die Gebäude der japanischen Botschaft und des australischen Konsulats.


Ein über soziale Medien verbreitetes Video zeigt zwei Fahrzeuge, die die Bonny Militärbasis in Lagos verlassen. Das erste Fahrzeug ist ein helles Fahrzeug, die beiden folgenden sind dunkel (blau oder schwarz) und das letzte Fahrzeug wiederum hell. Alle vier Fahrzeuge haben die Blinklichter am Dach eingeschaltet. Bei den Fahrzeugen scheint es sich um Fahrzeuge zu handeln, die vom nigerianischen Militär und der nigerianischen Polizei eingesetzt werden.

Von Bonny Camp (Punkt A auf der Karte) zu den Videos, die an Punkt B und Punkt C gefilmt wurden, bis zur Mautstelle an Punkt D sind es ca. sieben Minuten direkte Fahrt. Wenn die Fahrzeuge laut dem Gerät, das die Videos aufnimmt, Bonny Camp um 18:29 Uhr verlassen haben, ist mit einer Ankunft zwischen 18:36 und 18:40 Uhr zu rechnen. Auf den bei Punkt B und C gefilmten Videos sieht man eine abnehmende Sonneneinstrahlung, die Aufnahmen der Videos liegen zwischen Sonnenuntergang und Dämmerung. Auf dem Video und den Fotos, die am Punkt D aufgenommen wurden, hören wir Schüsse und sehen die Fahrzeuge und Männer in Militäruniform.

In diesem Video sind drei Fahrzeuge zu sehen, die in Richtung Mautstelle Lekki fahren. Gefilmt an Punkt B auf der Karte oben.

Video footage of Soldiers leaving Bonny camp to Lekki toll gate, they were supposed to be there between 9-10pm

Gepostet von The Guild Nigeria am Samstag, 24. Oktober 2020

In diesem Video, das weiter östlich entlang der Ozumba Mbadiwe Avenue gefilmt wurde, sind sechs Fahrzeuge zu sehen, die auf das Mautstelle Lekki zusteuern. Gefilmt an Punkt C auf der Karte oben.

Die Fahrzeuge erreichen die Mautstelle von Lekki: Schüsse fallen

In diesem Video sind sechs Fahrzeuge zu sehen. Man hört, wie die Frau, die bereits im obigen Video zu sehen ist, die Demonstrant*innen auffordert, sich hinzusetzen, da auf der Westseite der Mautstelle von Lekki geschossen wird.

Von der Ostseite des Lekki-Mautsystems aus gefilmt, sieht man auf diesem Video die gleichen Fahrzeuge in Formation und kurz darauf sind Schüsse zu hören.

Fotos, die von der anderen Seite der Barrikade am Mauttor von Lekki aufgenommen wurden, zeigen drei Fahrzeuge in der Nähe der Demonstrant*innen und Männer in Militäruniform im Hintergrund.

Videoaufnahmen der Schüsse bei Demonstrationen

Im weiteren Verlauf des Abends filmen und teilen die Protestierenden weiterhin Videos von den Schüssen. Angesichts der Berichte über den Stromausfall an der Mautstelle und des fehlenden Lichts ist es schwer zu sehen, was in diesen Videos passiert, doch die Schüsse sind regelmäßig zu hören.

Im Laufe der Nacht tauchen immer mehr Videos von den Opfern der Schüsse auf.

Antwort der Regierung

Im Gespräch mit der BBC am 21. Oktober sagte Babajide Olusola Sanwo-Olu, der Gouverneur von Lagos, die ursprüngliche Ausgangssperre sei um 18 Uhr verhängt und in letzter Minute auf 22 Uhr verlängert worden. Er stellt fest, dass Soldaten aus einer Kaserne, die 10 Minuten von der Mautstelle in Lekki entfernt ist, "dieselbe Straße entlang" geschickt wurden und, dass Schüsse abgefeuert wurden. Er räumt ein, dass auf dem Videomaterial Soldaten zu sehen sind. Im BBC-Interview zu hören ab Minute 4'12

Behörden müssen Verantwortung übernehmen

Obwohl die von Amnesty International vor Ort durchgeführten Interviews und durch Open-Source-Recherchen gesammelten Beweise auf eine militärische Beteiligung an den Morden am Mauttor von Lekki am 20. Oktober 2020 hindeuten, gibt es noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Wer hat die Schüsse angeordnet? Warum wurde das Licht bei der Mautstelle abgeschaltet, bevor die Demonstrierenden attackiert wurden? Wann wird jemand Verantwortung für die Tötungen übernehmen?

Die Behörden müssen diese Fragen unverzüglich beantworten, das Töten und die exzessive Gewaltanwendung gegen friedliche Demonstrant*innen im ganzen Land beenden und sich verpflichten, ihre Forderungen nach einer Polizeireform und der Rechenschaftspflicht für Polizeigewalt umzusetzen.

 

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