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Das israelische Militär führte am 8. April nach eigenen Angaben die bisher „größte koordinierte Angriffswelle“ auf den Libanon durch. Bei dieser Eskalation wurden innerhalb von 10 Minuten 100 Orte im Libanon angegriffen und Hunderte von Menschen getötet und verletzt. Heba Morayef, Direktorin für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International, kommentiert das wie folgt:
Nur wenige Stunden, nachdem die Welt die Nachricht von einem Waffenstillstand zwischen den USA und Israel mit dem Iran vorsichtig begrüßte, hat der Albtraum für die Zivilbevölkerung im Libanon noch zugenommen. Heute war der tödlichste Tag seit Beginn der jüngsten Kämpfe am 2. März, als im gesamten Südlibanon, im Beqaa-Tal und in belebten zivilen Gebieten im Zentrum Beiruts intensive Luftangriffe geflogen wurden – viele davon ohne Vorwarnung. Die Krankenhäuser haben angesichts der überwältigenden Zahl von Verletzten Aufrufe zu Blutspenden durchführen müssen.
Heba Morayef, Direktorin für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International
Heba Morayef sagt weiter: „Schon vor dem gestrigen Angriff auf den Libanon, den das israelische Militär als Operation 'Ewige Finsternis' bezeichnete, wurden dort mehr als 1.500 Menschen getötet und über eine Million Menschen im ganzen Land aus ihren Häusern vertrieben. Die Zivilbevölkerung im Libanon zahlt bereits einen unerträglichen Preis, da schon jetzt Kinder, medizinisches Personal und Journalist*innen unter den Opfern sind – die jüngsten Angriffe werden diesen verheerenden Blutzoll nur noch weiter erhöhen.
Wir bekräftigen den dringenden Aufruf, dass Israel seinen Verpflichtungen aus dem humanitären Völkerrecht nachkommt und den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleistet. Israels erschreckende Bilanz bei der Durchführung rechtswidriger Angriffe im Libanon und bei der Missachtung des Lebens der Zivilbevölkerung wird durch die Straffreiheit, der sich die israelischen Regierungsvertreter*innen sicher sind, noch verstärkt.
Die jüngste Warnung des israelischen Militärsprechers, dass sich die Hisbollah von den südlichen Vororten Beiruts nach Nordbeirut und in andere Gebiete der Stadt verlagert habe, hat die Angst vor weiteren Angriffen in zivilen Gebieten noch geschürt. Die israelischen Streitkräfte sind nach dem humanitären Völkerrecht verpflichtet, zwischen Zivilpersonen und militärischen Zielen zu unterscheiden und direkte Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte sowie wahllose und unverhältnismäßige Angriffe kategorisch zu unterlassen. Sie sind verpflichtet, alle möglichen Vorkehrungen zu treffen, um den Schaden für die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur so gering wie möglich zu halten, einschließlich der Vermeidung des Einsatzes von Sprengkörpern mit großflächiger Wirkung in dicht besiedelten Wohngebieten. Die Nichteinhaltung dieser Verpflichtungen stellt einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht dar und bringt das Leben von Zivilpersonen unmittelbar in Gefahr.
Diese Anschläge erinnern uns daran, dass die Staaten Waffenlieferungen an Israel sofort einstellen müssen, da die Gefahr besteht, dass diese Waffen für schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht eingesetzt werden.“
Fatima, Augenzeugin eines Angriffs, beschrieb die verheerenden Szenen nach der Bombardierung des Gebäudes gegenüber ihrem Haus in Salim Salam, Beirut:
Ich schnappte mir meinen Laptop und eilte auf die Straße. Es war apokalyptisch. Leichen am Boden. Überall Blut. Ich sah unzählige verletzte Erwachsene und Kinder. Ich lief weiter, aber auch in den anderen Stadtvierteln war es dasselbe Bild. Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Ich lief einfach ziellos weiter und versuchte, so weit wie möglich zu kommen. Es war ein Albtraum.
Fatima, Augenzeugin eines Angriffs
Am 8. April gab das israelische Militär Evakuierungswarnungen für die südlichen Vororte von Beirut und die Stadt Tyrus heraus und wiederholte die Anweisung zur Massenevakuierung nördlich des Flusses Zahrani.
Gegen 14:30 Uhr attackierte das israelische Militär innerhalb von nur 10 Minuten mit einer Reihe von Angriffen mindestens 48 Gebiete im Südlibanon, im Nordlibanon, im Libanongebirge, in der Beqaa-Ebene, in den Vororten und im Zentrum von Beirut, darunter auch belebte Wohnviertel und zivile Infrastruktur.
Das israelische Militär erklärte dass es koordinierte Angriffe auf „100 Hisbollah-Kommandozentralen und militärische Einrichtungen“ durchgeführt habe, die sich „im Herzen der Zivilbevölkerung“ befänden. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete die Angriffe als „den größten konzentrierten Schlag, den die Hisbollah seit der Operation Pager erlitten hat“.
Seit 2024 dokumentiert Amnesty International den Einsatz von weißem Phosphor durch das israelische Militär sowie wahllose Massenexplosionen, die auf elektronische Geräte abzielen. Die israelischen Angriffe im Libanon forderten einen hohen zivilen Tribut und umfassten rechtswidrige Luftangriffe auf Wohnviertel sowie Angriffe auf Journalist*innen, Gesundheitseinrichtungen, Krankenwagen und Sanitäter*innen.
Die Menschenrechtsorganisation weist auch darauf hin, dass das israelische Militär zwischen dem 1. Oktober 2024 und dem 26. Jänner 2025, also weit über den Waffenstillstand vom November 2024 hinaus, zivile Einrichtungen und landwirtschaftliche Flächen im Südlibanon in großem Umfang zerstört und beschädigt hat. Amnesty International hat außerdem dokumentiert, dass die Hisbollah rechtswidrig ungelenkte Raketen auf bewohnte zivile Gebiete in Israel abschießt, was zum Tod und zu Verletzungen von Zivilpersonen und zur Zerstörung ziviler Wohnhäuser führt.