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Die 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission (CSW70) findet vor dem Hintergrund eines weltweit wachsenden Gegenwinds gegen die Gleichstellung der Geschlechter sowie des Skandals um die Epstein-Akten vom 9. bis 19. März am Sitz der Vereinten Nationen in New York statt statt.
Die Amnesty-Delegation wird von Generalsekretärin Agnès Callamard geleitet. Sie fordert verstärkte Anstrengungen zum Schutz und zur Förderung der Rechte von Frauen und Mädchen.
Amnesty wird Gespräche mit UN-Mitgliedsstaaten, Regierungsvertreter*innen und Partner*innen aus der Zivilgesellschaft führen. Dabei drängt sie auf einen besseren Zugang zur Justiz für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt. Zudem fordert sie eine wirksame Rechenschaftspflicht für die Täter. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz sexueller und reproduktiver Rechte. Außerdem setzt sich die Delegation für stärkere Garantien für Menschenrechtsverteidiger*innen ein.
Die diesjährige Sitzung der UN-Frauenrechtskommission findet zu einem besonders wichtigen Zeitpunkt statt. Die Geschlechtergerechtigkeit wird in weiten Teilen der Welt angegriffen und viele Menschenrechtsverteidiger*innen und feministische Organisationen können nicht in die Vereinigten Staaten einreisen.
Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International
Agnès Callamard sagte weiter: „Gut finanzierte und eng vernetzte antifeministische Bewegungen, die von den Vereinigten Staaten, Russland und sehr vielen anderen Regierungen direkt unterstützt oder ermutigt werden, arbeiten daran, Jahrzehnte des Fortschritts rückgängig zu machen.“
„Mächtige Staaten instrumentalisieren die Kategorie “Geschlecht”, um Unterdrückung zu legitimieren und restriktive Strafgesetze durchzusetzen. Unternehmen und andere nichtstaatliche Akteur*innen schüren moralische Panik, indem sie hasserfüllte Narrative und Desinformationen verbreiten. Gemeinsam zielen diese Kräfte darauf ab, Frauen ihre körperliche Selbstbestimmung zu entziehen, ihnen ihre Rechte gewaltsam zu verwehren, Angst zu erzeugen und den zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraum weiter einzuschränken.“
Gleichzeitig haben die so genannten “Epstein-Akten” globale kriminelle Netzwerke mächtiger Männer aus Politik, Finanzwelt und Kultur aufgedeckt, die jahrzehntelang ungestraft Frauen und Mädchen im großen Stil sexuell ausgebeutet und missbraucht haben.
Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International
Agnès Callamard sagte weiter: Zugleich haben sie Regierungen, Märkte und Gesellschaften korrumpiert und ihre Macht gefestigt. Es ist erschütternd zu sehen, wie Überlebende weiterhin mit enormen Hürden auf dem Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung konfrontiert sind und durch die nicht einvernehmliche Veröffentlichung sensibler Daten zusätzlich schikaniert werden. Es ist grotesk, dass dieselben Strukturen aus Ungleichheit, Frauenfeindlichkeit und systemischer Straflosigkeit, die den Betroffenen den Zugang zur Justiz verwehren, gleichzeitig jene schützen, die für ihren Missbrauch verantwortlich sind – ebenso wie für umfassendere Verletzungen der Rechte von Frauen und Mädchen weltweit, einschließlich organisierter Angriffe auf die Geschlechtergerechtigkeit.“
„Die CSW70 bietet Menschenrechtsverteidiger*innen, Gender-Aktivist*innen und den Mitgliedsstaaten eine entscheidende Gelegenheit, sich gegen die systemischen Angriffe auf die Geschlechtergerechtigkeit und die Rechte von Frauen zu wehren, indem sie die Kräfte und Akteure hinter den Angriffen benennen, sich durch kollektive Aktionen aktiv dagegen organisieren und sicherstellen, dass die Mechanismen der Rechenschaftspflicht wie beabsichtigt funktionieren können, ohne Furcht oder Bevorzugung.“
In dem neuen Bericht betont Amnesty International, dass der Widerstand gegen Frauenrechte weltweit stärker wird. Viele Regierungen greifen die Gleichberechtigung der Geschlechter an und unterdrücken abweichende Meinungen – und das gerade jetzt in besonders schwierigen Zeiten für Frauenrechte.
„Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die kollektive Kraft von Communities, die Geschlechtergerechtigkeit verteidigen, aufrechterhalten und vorantreiben kann, selbst wenn die Staaten ihren Pflichten nicht nachkommen. Frauen, Mädchen, Menschen aus der LGBTQIA+ Community und deren Verbündete, sind weit davon entfernt, sich mit einer Niederlage abzufinden oder sich einschüchtern zu lassen. Stattdessen verstärken sie ihre Arbeit, um Menschenrechtsverletzungen aufzudecken, anzuprangern und sich dagegen zu wehren“, sagte Agnès Callamard.
„Wir erleben tagtäglich Tausende Beispiele von mutigem Verhalten im Alltag. Unser Bericht dokumentiert das Engagement engagierter Menschen, die sich beispielsweise für ein bahnbrechendes Gerichtsurteil einsetzen, das den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen für Vergewaltigungsopfer in Malawi bestätigt, die Rechenschaftspflicht für Israels Genozid an den Palästinenser*innen fordern und sich gegen Zensur in Afghanistan und China wehren. Andere kämpfen für die Ausweitung der sexuellen und reproduktiven Rechte in Lateinamerika und dafür, dass Menschen aus der LGBTQIA+ Community in Ungarn ihr Recht auf friedliche Versammlung wahrnehmen können.“

„Ihre Beispiele zeigen uns, dass eine andere Welt möglich ist. Ihre Stimmen sind in diesem Jahr besonders wichtig. Denn aufgrund von Sicherheitsbedenken, Gewalt an den Grenzen, Visums- und Zugangsbeschränkungen können viele Partnerorganisationen und Menschenrechtsverteidiger*innen nicht an der CSW70 in New York teilnehmen. Ein weiterer Grund dafür ist die durch die Kürzung der Hilfsgelder verursachten Finanzierungskrise. Diese allgegenwärtigen Ungleichheiten schränken den sinnvollen Zugang zu multilateralen Räumen erheblich ein.“
Der Bericht mit dem Titel "Humanity Must Win: and it does when we stand together for gender justice" beschreibt Kampagnen und Initiativen aus der ganzen Welt und wie sie trotz systematischer behördlicher Gegenmaßnahmen Menschenrechtsverletzungen aufdecken, Solidarität fördern und Fortschritte in Richtung Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit erzielen.
Afghanistan, wo Journalist*innen, darunter Zahra Joya, Gründerin von Rukhshana Media, weiterhin gegen die weitreichenden Restriktionen der Taliban, die Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt haben, vorgehen.
Ihre Berichte machen Frauen sichtbar, die nicht offen sprechen können, von den Demonstrant*innen, die ihre Widerstandsbotschaften auf Wände in Kabul schreiben, bis hin zu Überlebenden von Gewalt, deren Geschichten nur selten die Außenwelt erreichen.


Burkina Faso, wo 2025 nach hartnäckigen Kampagnen der Zivilgesellschaft lang erwartete Reformen verabschiedet wurden: Das Mindestalter für Eheschließungen wurde auf 18 Jahre festgesetzt und das Einverständnis beider Eherpartner*innen wurde als Grundlage für jede Ehe festgeschrieben.
China, wo sich feministische Aktivist*innen gegen Kriminalisierung und Überwachung wehren, selbst wenn die Behörden ihre Bewegung als politische Bedrohung bezeichnen und sie der Zensur und Repression aussetzen.
Gaza, wo die mutige Arbeit von Menschenrechtsorganisationen dazu beigetragen hat, den von Israel begangenen Genozid aufzudecken. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zu Gerechtigkeit. Im März 2025 kam die UN-Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass Israel systematisch sexualisierte, reproduktive und andere geschlechtsspezifische Gewalt gegen Palästinenser*innen angewandt und „Genozid-Handlungen“ gegen Palästinenser*innen im Gazastreifen begangen hat, indem Israel Einrichtungen für die Gesundheitsfürsorge und die reproduktive Gesundheit von Frauen* zerstörte und den Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge blockierte.
Ungarn, wo sich rund 300.000 Menschen dem Verbot der Behörden der Budapester Pride-Parade im Juni 2025 widersetzten. Nach einer neuen Gesetzgebung können die Behörden Versammlungen, die sich für Rechte von LGBTQIA+ Personen einsetzen und Themen von LGBTQIA+ darstellen, verbieten.
Außerdem können nach der neuen Gesetzgebung Teilnehmende mit Geldstrafen belegt werden, Organisator*innen kriminalisiert und Demonstrierende durch Gesichtserkennungstechnologie identifizieren werden.

Malawi, wo der Oberste Gerichtshof 2025 in einem wegweisenden Urteil bestätigte, dass es gegen das Gleichstellungsgesetz verstößt, wenn einer 14-jährigen Überlebenden einer Vergewaltigung der Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch verweigert wird.
Diese Entscheidung ist ein wichtiger Präzedenzfall in einem Land, in dem Schwangerschaftsabbrüche nach wie vor weitgehend kriminalisiert sind.
Die 70. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission (Commission on the Status of Women, CSW70) findet vom 9. bis 19. März am Sitz der Vereinten Nationen in New York statt. Agnès Callamard wird vom 9. bis 10. März in New York sein und für Interviews zur Verfügung stehen.
Amnesty International hat kürzlich einen Bericht über die Zunahme autoritärer Praktiken und die Aushöhlung der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten während des ersten Jahres der Amtszeit von Präsident Trump veröffentlicht. Die Organisation warnte auch vor der drastischen Ausweitung der Global Gag Rule, die die internationale Hilfe der USA für NGOs und Organisationen blockiert, die Initiativen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) unterstützen und die Geschlechtervielfalt anerkennen, sowie für Gruppen, die Abtreibungsberatung anbieten.
Die neuen Vorschriften verschärfen bewusst die Ungleichheit und stellen eine erhebliche Bedrohung für das Leben und die Rechte von Millionen Menschen weltweit dar.