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© YURI CORTEZ/AFP via Getty Images

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COVID-19 in Lateinamerika: Wenn Quarantäne zur Repression wird

21. September 2020

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im März haben die Behörden in Lateinamerika Zehntausende Menschen unter schlechten Bedingungen und ohne ausreichenden Schutz vor Menschenrechtsverletzungen in staatliche Quarantänestationen festgehalten. Das zeigen aktuelle Amnesty-Recherchen für den Bericht „When protection becomes repression: mandatory quarantines under COVID-19 in the Americas“.

Amnesty International dokumentierte die katastrophale Lage in staatlichen Quarantänen in den Ländern Venezuela, El Salvador und Paraguay: Behörden haben Migrant*innen, Geflüchtete und Einkommensschwache unverhältnismäßig oft unter unhygienischen und manchmal unmenschlichen Bedingungen – ohne angemessene Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung – festgehalten. Unter den entsetzlichen Bedingungen sind die Menschen noch größerer Gefahr ausgesetzt, sich mit COVID-19 zu infizieren.

Wenn Staaten Zehntausende Menschen einsperren, ohne sicherzustellen, dass jede Inhaftierung notwendig und verhältnismäßig ist – dann wird eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, zur Repression.

Erika Guevara-Rosas, Direktorin für die Region Amerika bei Amnesty International

„In vielen Teilen der Welt haben die Behörden die Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben oder sich freiwillig in Quarantäne zu begeben, um das Risiko der Ansteckung mit COVID-19 zu minimieren. Doch wenn Staaten Zehntausende Menschen einsperren, ohne sicherzustellen, dass jede Inhaftierung notwendig und verhältnismäßig ist, wenn sie sie unter entsetzlichen Bedingungen unter militärischer oder polizeilicher Aufsicht festhalten und diskriminieren oder die Quarantäne als Strafe einsetzen, dann wird eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, zur Repression", sagt Erika Guevara-Rosas, Direktorin für die Region Amerika bei Amnesty International.

Bis Ende August hatten die Behörden in Venezuela laut offiziellen Angaben etwa 90.000 Menschen unter Quarantäne gestellt – oft unter unhygienischen und unmenschlichen Bedingungen.

Die Regierung von Präsident Bukele in El Salvador hatte bis Ende August mehr als 16.000 Menschen unter Quarantäne gestellt. Darunter befanden sich Menschen, die beschuldigt wurden, gegen die obligatorische nationale Quarantäne verstoßen zu haben, Menschen, die aus Übersee zurückgekehrt waren, oder die verdächtigt wurden, mit Personen in Kontakt gestanden zu haben, die positiv auf COVID-19 getestet worden waren.

Bis Ende Juni hatten die Behörden in Paraguay ebenfalls rund 8.000 Personen unter Quarantäne gestellt. Die meisten davon sind Menschen, die ins Land zurückgekehrt waren, nachdem sie ihre Arbeit im informellen Sektor des benachbarten Brasiliens verloren hatten, als dort COVID-19-Sperren verhängt wurden.

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