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Ecuador: Erneuter Angriff auf Margoth Escobar!

5. Oktober 2018

Am 29. September wurde das Haus der Umweltschützerin Margoth Escobar vorsätzlich in Brand gesetzt. Sie könnte weiterhin in Gefahr sein. Es ist dieses Jahr bereits der vierte Anschlag auf Mitglieder des Frauenkollektivs „Mujeres Amazónicas“, das sich für das Land, das indigene Territorium und den Umweltschutz im Amazonasgebiet von Ecuador einsetzt.

Setz dich ein!

Amnesty fordert:

  • Bitte setzen Sie in Abstimmung mit Margoth Escobar und mit ihrem Einvernehmen wirksame und angemessene Schutzmaßnahmen für ihre Sicherheit und ihre Unversehrtheit und die ihrer Familienangehörigen um.
  • Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung zur Brandstiftung im Haus von Margoth Escobar ein und prüfen Sie dabei auch, ob die Brandstiftung im Zusammenhang mit ihren Aktivitäten als Menschenrechtsverteidigerin steht. Sorgen Sie bitte dafür, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Erkennen Sie bitte öffentlich die wichtige und rechtmäßige Tätigkeit von Menschenrechtler_innen in Ecuador an, einschließlich die der Aktivist_innen, die sich in Landrechts- und Umweltfragen engagieren.

Sachlage

Am 29. September wurde das Haus der Umweltschützerin Margoth Escobar in Puyo, in der Provinz Pastaza im Amazonasgebiet von Ecuador vorsätzlich in Brand gesetzt. Das Feuer hat nicht nur ihr Zuhause zerstört, sondern auch Handelsware, die sie gemeinsam mit anderen Händler_innen zusammengetragen hatte, um sie zur Weihnachtszeit zu verkaufen. Margoth Escobar ist Mitglied des Kollektivs „Mujeres Amazónicas“, einer Organisation überwiegend indigener Frauen, die sich für den Schutz des Landes, des indigenen Territoriums und der Umwelt im ecuadorianischen Amazonasgebiet einsetzen. In diesem Jahr wurden bereits drei andere indigene Menschenrechtsverteidiger_innen desselben Kollektivs bedroht und angegriffen. Die ecuadorianischen Behörden schützen sie bisher weder wirksam noch haben sie die Täter_innen identifiziert. Daher könnte Margoth Escobar weiterhin in Gefahr sein.

Am 1. Oktober gab der Leiter der Feuerwehr von Puyo bekannt, dass der Brand im Haus von Margoth Escobar ihrer Brandexpertin zufolge vorsätzlich gelegt wurde. Am 2. Oktober erstattete Margoth Escobar Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft der Provinz Pastaza. Bisher wurden ihr keine Schutzmaßnahmen angeboten.

 

Hintergrundinformation

Am 5. Januar wurde Patricia Gualinga, die Sprecherin der indigenen Kichwa Sarayaku und Mitglied des Kollektivs „Mujeres Amazónicas“, von Unbekannten angegriffen. Die Angreifer_innen bewarfen ihr Haus in der Stadt Puyo mit Steinen und bedrohten sie lautstark. Während der Ermittlung wurde ihr der Zugang zum Bildmaterial der öffentlichen Überwachungskameras aus dem Bereich ihrer Straße, in dem der Angriff stattfand, verweigert. Mithilfe der Bilder hätte sie die Angreifer_innen möglicherweise identifizieren können.

Im April erhielt Nema Grefa Ushigua, Präsidentin der indigenen Gemeinschaft Nación Sápara und Mitglied des Kollektivs „Mujeres Amazónicas“, eine Morddrohung. Obwohl sie wegen dieser und einer weiteren Morddrohung Strafanzeige gestellt hatte, wurde ihr von Seiten der Regierungsbehörden kein Schutz angeboten.

Am 13. Mai griffen mehrere Personen das Haus von Salomé Aranda, der Kichwa-Sprecherin der Gemeinde Moretecocha und Mitglied des Kollektivs „Mujeres Amazónicas" an. Sie warfen ebenfalls mit Steinen. Bis heute ist nicht bekannt, dass Untersuchungen eingeleitet wurden, um die Täter_innen und ihre Motive zu ermitteln. Salomé Aranda kritisiert öffentlich die Umweltbelastung durch die Ölförderung im Becken des Flusses Villano sowie Fälle von sexuellem Missbrauch im Zusammenhang mit der Ölförderung und hatte dies auch bei einem Treffen mit Präsident Lenin Moreno am 22. März getan.

Am 9. August startete Amnesty International zusammen mit den Umweltorganisationen und Organisationen für indigene Rechte  Acción Ecológica, Amazon Watch, Comisión Ecuménica de Derechos Humanos und Fundación Pachamama die „Guardians of Nature“-Kampagne und einen offenen Brief an den Präsidenten Lenin Moreno. Damit rufen die Organisationen die Behörden dazu auf, Übergriffe auf indigene Menschenrechtsverteidiger_innen und Umweltschützer_innen wirkungsvoll zu untersuchen, eine nationale Regelung zu ihrem Schutz und ein Untersuchungsprotokoll zu den Verbrechen gegen sie einzuführen, und das Escazú-Abkommen über den Zugang zu Informationen, Teilhabe und Gerechtigkeit in Umweltangelegenheiten zu unterzeichnen.

 

SETZ DICH EIN!

Urgent Action bis 16.11.2018