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Argentinien: Femizid muss unparteiisch untersucht werden

3. Juli 2023

Cecilia Strzyzowski wird seit dem 1. Juni vermisst. Sie wurde zuletzt mit ihrem Ehemann César Sena in Resistencia, Provinz Chaco, gesehen. Ihr Verschwinden wird als Femizid untersucht, nachdem menschliche Knochen, Blutspuren und Kleidungsstücke auf zwei Grundstücken gefunden wurden, die Senas Familie gehören. Die Familie ist vor Ort einflussreich und Mitglieder der Familie haben kürzlich bei den Provinzwahlen kandidiert. Im Rahmen der Ermittlungen wurden César Sena und seine Eltern in Haft genommen. Wir fordern eine wirksame, unparteiische, unabhängige, zeitnahe und gendersensible Untersuchung, um die Wahrheit über das Verschwinden und den möglichen Femizid an Cecilia Strzyzowksi zu ermitteln.

Jetzt handeln!

Amnesty International ist zutiefst besorgt über das Verschwinden von Cecilia Strzyzowksi am 1. Juni aus der Provinz Chaco. Inzwischen wurden ihr Ehemann César Sena und seine Eltern, Mitglieder einer mächtigen lokalen Familie, festgenommen.

Cecilia Strzyzowksis Verschwinden wird als Femizid untersucht, nachdem mutmaßliche Beweise auf zwei Grundstücken der Familie von César Sena gefunden wurden. Das Verbrechen soll allem Anschein nach im Rahmen von Ereignissen geschlechtsspezifischer Gewalt geschehen sein. 

Nachdem ein Monat lang nicht bekannt war, wo Cecilia Strzyzowksi sich aufhielt, ist es von größter Wichtigkeit, dass die Staatsanwaltschaft alle verfügbaren rechtlichen Maßnahmen ergreift, um den Verbleib von Cecilia Strzyzowksi effektiv und zeitnah zu klären.

In Argentinien, wie auch im übrigen Amerika, herrscht ein Muster systematischer Straflosigkeit bei der gerichtlichen Verfolgung und bei Strafverfahren von Gewalt gegen Frauen, da es in den meisten dieser Fälle an einer wirksamen Untersuchung, Bestrafung und Wiedergutmachung fehlt. Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Justiz alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um die Ermittlungen voranzubringen, den Kreislauf der Straflosigkeit zu durchbrechen, den Schutz des Lebens von Frauen und Mädchen zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt im Einklang mit nationalen, regionalen und internationalen Menschenrechtsstandards behandelt werden. In diesem Sinne muss es geeignete, zugängliche Schutzmechanismen geben, um weitere und potenzielle geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern. Außerdem müssen die Opfer wirksam entschädigt werden.

Hintergrund

Am 27. Juni 2023 wurden nach einer Durchsuchung des Flusses Tragadero in der Nähe der Farm des Ehepaars Emerenciano Sena und Marcela Acuña, den Eltern von César, menschliche Skelettreste gefunden, so der Bericht der Expert*innen des Gerichtsmedizinischen Instituts der Justiz des Chaco. Darüber hinaus fanden Taucher*innen in einer Tasche einen Anhänger, der Cecilia Strzyzowksi gehören könnte.

César Sena und seine Eltern, die einflussreiche lokale Politiker*innen sind und bei den jüngsten Provinzwahlen kandidierten, wurden festgenommen und wegen des Mordes an Cecilia angeklagt. César Sena wurde wegen der engen Beziehung mit Cecilia Strzyzowksi des Mordes in einem besonders schweren Fall angeklagt. Auch seinen Eltern wird vorsätzlicher Mord vorgeworfen, da sie als Mittäter*innen eingestuft werden. Gegen vier weitere Personen wurde Anklage erhoben, weil sie verdächtigt werden, an dem mutmaßlichen Mord oder dem Verstecken der Leiche beteiligt gewesen zu sein. Weil das Verbrechen mutmaßlich im Kontext mehrerer geschlechtsspezifischer Gewalttaten begangen wurde, wird es als Femizid eingestuft.

In Argentinien wurde im Jahr 2022 alle 35 Stunden ein Femizid registriert. 167 der 252 Todesfälle ereigneten sich im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Nach Angaben des Nationalen Registers für Femizide der argentinischen Justiz ist die Provinz Chaco die Provinz mit der zweithöchsten Femizidrate.

In Anerkennung dieser besorgniserregenden Menschenrechtslage haben mehrere Staaten im Rahmen der letzten allgemeinen regelmäßigen Überprüfung durch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen Empfehlungen an Argentinien gerichtet, den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu verstärken und die notwendigen Mittel bereitzustellen, um die Täter von Femiziden vor Gericht zu stellen.

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