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© Taner Kiliç/Privat

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Justizskandal: Taner Kiliç bleibt in Haft

1. Februar 2018

Türkisches Gericht nimmt eigene Entscheidung zurück

Nur wenige Stunden nach der Anordnung, Taner Kiliç freizulassen, hat ein Gericht in Istanbul seine eigene Entscheidung aufgehoben. Nach einem neuen Beschluss wird Taners Untersuchungshaft nun fortgesetzt.

Jetzt fordern, dass Taner endlich freigelassen wird.

Trotz überwältigender Beweise für seine Unschuld bleibt Taner Kilic, Vorsitzender von Amnesty Türkei, damit auch 241 Tage nach seiner Verhaftung in Untersuchungshaft. Das verletzt klar das Recht auf einen fairen Prozess und ist ein schwarzer Tag für die Justiz in der Türkei.

„Wir haben uns gestern sehr darüber gefreut, dass mein Kollegen Taner Kiliç auf Kaution freigelassen wurde. Aber nur wenige Stunden später kam die unfassbare Nachricht: Taner wurde erneut in Gewahrsam genommen, sagt Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

Taners Familie wartete vor dem Gefängnis, um ihren Vater, Bruder, Ehemann nach über acht Monaten in Untersuchungshaft endlich in die Arme zu nehmen, doch Taner Kilic wurde nie freigelassen. Zur lang ersehnten Umarmung kam es nicht. Mir fehlen die Worte. Ich bin entsetzt und gleichzeitig furchtbar wütend.

Annemarie Schlack

Justizskandal: Gericht nahm eigene Entscheidung zurück

Das 35. Istanbuler Strafgericht hob am Donnerstag seine eigene Entscheidung auf, Taner Kiliç unter Auflagen freizulassen. Der Staatsanwalt hatte gegen die am Mittwoch verfügte Freilassung aus der Untersuchungshaft berufen.

Die Berufung wurde zunächst abgelehnt, dann aber von einem zweiten Gericht in Istanbul akzeptiert. Daraufhin nahm das Strafgericht seine ursprüngliche Entscheidung zurück. Das ist ein Justizskandal. 
 
Taner Kilic verbleibt damit im Gefängnis in Izmir. Seine Untersuchungshaft dauert bereits 241 Tage, trotz überwältigender Beweise für seine Unschuld.

Der Fall Taner Kilic offenbart die tiefe Krise, in der das türkische Justizsystem steckt. Das Recht auf einen fairen Prozess ist komplett ausgehöhlt, das Leben zahlreicher Menschen ruiniert.

Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International

„Doch diese Ungerechtigkeit bestärkt uns nur in unserer Entschlossenheit, für Taner zu kämpfen. Mehr als eine Million Menschen haben bereits seine Freilassung gefordert. Er hätte nie verhaftet werden dürfen, und wir werden nicht ruhen, bis er frei ist.“ 
 
Die nächste Gerichtsverhandlung ist auf den 21. Juni 2018 angesetzt.

Jetzt fordern, dass Taner endlich freigelassen wird.