
IHRE SPENDE ZÄHLT
Presseaussendung / Nigeria:
Zweihunderttausend Menschen droht Verlust ihrer Unterkunft
Wegen eines großen Bauprojekts droht 200.000 Menschen In der nigerianischen Millionenstadt Port Harcourt die Zwangsräumung ihrer Unterkünfte.
In einem aktuellen Bericht fordert Amnesty International die nigerianischen Behörden auf, den geplanten Abriss von Häusern in der Nähe des Hafens auszusetzen. „Die Zwangsräumungen werden hunderttausende Menschen noch tiefer in die Armut stürzen“, warnte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International in Österreich.
Im vergangenen Jahr verloren in der Hafensiedlung Njemanze bereits 13.000 Menschen ihre Unterkünfte und Besitztümer. Sie wurden aus ihren Häusern und Hütten vertrieben, die dann mit Bulldozern zerstört wurden. Die meisten erhielten keine Entschädigung oder alternative Unterkunft - viele sind bis heute obdachlos. So muss der 15-jährige Chidi seitdem unter einer Straßenüberführung schlafen. Er berichtete Amnesty, dass ihn nachts Polizisten oder ältere Burschen bedrängen, ihm Geld stehlen und ihn schlagen würden.
Laut der nigerianischen Regierung ist der Abriss des Gebiets notwendig, um ein großes Hafen-Bauprojekt durchzuführen. Der „Greater Port Harcourt Master Plan“ wurde 2009 beschlossen, einige Details wurden jedoch nie veröffentlicht. „Keine der betroffenen Gemeinden wurde in die Pläne einbezogen, die Menschen wurden in Unwissenheit gelassen und sind zu Recht verunsichert“, erklärt Patzelt. „Die Regierung muss Alternativen suchen. Zwangsräumungen dürfen nur der letzte Ausweg sein.“ Eigentümern offiziell errichteter Gebäude wurde zwar eine Entschädigung zugesagt, jedoch sind die meisten Hafenanrainer Mieter oder Besitzer von Gebäuden ohne Baugenehmigung. Für sie besteht keine Möglichkeit, eine Entschädigung zu fordern.
Amnesty International ist zudem angesichts der hohen Gewaltbereitschaft der nigerianischen Sicherheitskräfte besorgt. Im Oktober 2009 eröffneten diese bei einer Demonstration gegen Zwangsräumungen das Feuer auf die Menschen. Mindestens zwölf Menschen wurden angeschossen und lebensgefährlich verletzt, einer starb. „Die nigerianische Regierung muss die Zwangsräumungen stoppen, bis sichergestellt ist, dass sie mit den internationalen Menschenrechtsstandards übereinstimmen“, so Patzelt. Dazu gehört vor allem die Entwicklung eines Umsiedlungsplans, der für alle Bewohner eine angemessene Unterkunft vorsieht.

