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Presseaussendung / Russische Föderation:
Russischem Wissenschafter Sutjagin droht Zwangsexilierung
Ein Deal für eine Freilassung des Nuklearwissenschafters Igor Sutjagin, der ihn verpflichtet, Russland gegen seinen Willen zu verlassen, stellt eine völkerrechtswidrige Zwangsexilierung Dar.
Der politische Gefangene Igor Sutjagin wird derzeit laut verschiedenen übereinstimmenden Medienberichten mit einer Reihe anderer in Russland wegen Spionage verurteilter Personen nach Großbritannien gebracht, und gegen zehn oder elf Personen ausgetauscht, die ihrerseits von den USA als russische Spione betrachtet werden. Nach Auskunft seiner Mutter erfolgt der kolportierte Austausch nicht freiwillig, sondern unter Zwang.
"Wenn Sutjagin gegen diesen 'Deal' ist und ihn gegen seinen Willen und unter Druck annehmen musste, dann läuft das auf Zwangsexilierung hinaus und ist völkerrechtswidrig*", sagte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International in Österreich. "Der 'Deal' nimmt ihm nicht nur den Kontakt mit seiner Familie und seinen Freunden, sondern auch die Möglichkeit, seine von ihm immer beteuerte Unschuld in einem neuen, fairen Prozess zu beweisen."
Amnesty International adoptierte den Fall 2004 und steht weiter in Kontakt mit der Anwältin und der Mutter Sutjagins, der vor sechs Jahren in einem unfairen Gerichtsverfahren in Moskau wegen angeblichen Hochverrats zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Svetlana Sutjagina zufolge war ihr Sohn gegen den ‚Deal’, musste ihm aber zustimmen. "Ihm ist klar, dass er mit der Unterschrift unter ein Schuldeingeständnis jede Aussicht auf ein faires Gerichtsverfahren verliert, einschließlich eine Anhörung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte", so die Mutter Sutjagins.
Sutjagin hatte während seiner Zeit als Berater für Alternative Futures mit Sitz in Großbritannien Informationen über Militär- und Verteidigungsthemen in Russland gesammelt. Er hat jedoch stets betont, dafür ausschließlich öffentlich zugängliche Quellen genutzt zu haben. Amnesty International sieht den vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB angestrengten Prozess politisch motiviert und als Teil eines in den vergangenen Jahren zunehmend rigoroseren Durchgreifens gegen die freie Meinungsäußerung in Russland.
*Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 9; Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte, Artikel 12.
Im Internationalen Sekretariat in London steht Pressesprecherin Lydia Aroyo für Auskünfte zur Verfügung. +44 20 7413 5566, press(at)amnesty.org

