
IHRE SPENDE ZÄHLT
Presseaussendung / Serbien:
Roma in Obdachlosigkeit getrieben - Belgrad lässt weiter rechtswidrig zwangsräumen
Zehn Millionen Roma werden systematisch diskriminiert - Amnesty fordert von europäischen Regierungen Achtung der Menschenrechte
Im besten Fall finden sie Zuflucht bei Verwandten oder müssen in einem Metallcontainer hausen, im schlimmsten Fall droht ihnen ein Leben auf der Straße: Dies ist das Schicksal hunderter Roma-Familien in Serbiens Hauptstadt Belgrad, deren Siedlungen rechtswidrig zwangsgeräumt wurden. Amnesty International hat seit 2009 die Folgen dieser Zwangsräumungen dokumentiert. Der Bericht dazu erscheint heute anlässlich des Internationalen Tages der Roma am 8. April und belegt die systematische Diskriminierung von Roma in Serbien.
Wenn Roma in Serbien ihre Kinder in Schulen anmelden wollen, wenn sie eine Arbeit oder eine Wohnung suchen, werden sie systematisch benachteiligt. Sich als Einwohner registrieren zu lassen, ist für viele Roma oft mit unüberwindbaren Hürden verbunden. Die Folge: Sie haben keinen Anspruch auf soziale oder gesundheitliche Versorgung.
„Gesellschaftlich ausgegrenzt, müssen Roma in vielen Ländern in informellen Siedlungen leben – oft ohne Trinkwasser und meist ohne sanitären Anlagen. Wenn sie dann auch noch aus ihren behelfsmäßigen Unterkünften vertrieben werden, treibt man diese Menschen in die Obdachlosigkeit“, sagt Heinz Patzelt, Amnesty-Generalsekretär in Österreich.
Amnesty International fordert einen sofortigen Stopp der rechtswidrigen Zwangsräumungen. Die Behörden müssen sicherstellen, dass, wer sein Heim verliert oder verlieren soll, in das gesamte Verfahren einbezogen wird und eine rechtliche Vertretung, Entschädigung sowie eine alternative, menschenwürdige Unterkunft erhält. Die Menschenrechtsorganisation dokumentiert seit Jahren, wie europäische Regierungen daran scheitern, die Roma vor gesellschaftlicher und gesetzlicher Diskriminierung zu schützen. Neben Serbien verweigern auch Rumänien, Slowenien, Italien und Mazedonien den Roma das Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde. Tschechien, Kroatien und die Slowakei tun nicht genug, um Roma-Kinder in der Schule zu integrieren. Österreich und andere europäische Staaten berücksichtigen in Asylverfahren unzureichend die Menschenrechtssituation von Roma in ihren Herkunftsländern.

