
IHRE SPENDE ZÄHLT
Presseaussendung / Burkina Faso:
Mutter werden. Ohne zu sterben.
Zum Weltfrauentag am 8. März macht Amnesty International auf die hohe Müttersterblichkeit in weiten Teilen der Welt aufmerksam: Auch in Burkina Faso, einem Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, ist Schwangerschaft ein tödliches Risiko.
Ein aktueller Amnesty-Bericht dokumentiert: Jahr für Jahr sterben mehr als 2.000 Frauen im westafrikanischen Burkina Faso durch Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt: Das sind im Schnitt fünf Frauen am Tag. Fast alle könnten durch eine bessere Gesundheitsversorgung gerettet werden. Amnesty International fordert die Regierung in Ouagadougou dringend auf, das Menschenrecht auf Gesundheit zu gewährleisten und die medizinische Grundversorgung sicherstellen. Auch die internationalen Geber sind gefordert.
„Jede Frau hat das Recht zu leben und das Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung, und die Regierung sollte ihre Anstrengungen verdoppeln“, sagte der interimistische Generalsekretär von Amnesty International, Claudio Cordone: „Frauen in Burkina Faso sind gefangen in einem Teufelskreis aus Diskriminierung, der Geburten lebensgefährlich macht.“
Mit internationaler Hilfe hat Burkina Faso in den vergangenen Jahren ambitionierte Strategien entwickelt und die Müttersterblichkeit in einigen Regionen gesenkt. So trägt der Staat - zumindest auf dem Papier - seit 2006 mindestens 80 Prozent der Behandlungskosten, Fahrten zwischen Gesundheitseinrichtungen sind gratis. Die Umsetzung lässt aber nach wie vor zu wünschen übrig. Schwanger und Mütter sterben weiterhin, weil kein Gesundheitszentrum in ihrer Nähe ist, sie sich die Behandlung nicht leisten können, oder weil es an Medikamenten, Blutkonserven und qualifiziertem medizinischem Personal mangelt.
Amnesty fordert:
- Ein ausreichendes Netz von Gesundheitsdiensten im ganzen Land. Die Geburtseinrichtungen müssen über qualifiziertere Mitarbeiter verfügen und für Notfälle ausgestattet sein.
- Den Abbau der Hindernisse für eine angemessene medizinische Versorgung, besonders die beständige Diskriminierung von Frauen und die hohen Kosten für eine Geburt.
- Eine ausreichende Information aller Frauen über Sexualität, Verhütungsmittel, Schwangerschaft und Geburt.
- Effektives Monitoring im Gesundheitssystem und Korruptionsbekämpfung.
Hintergrund
Burkina Faso ist einer der Staaten, zu denen Amnesty International im Rahmen der Kampagne „Mutter werden. Ohne zu sterben.“ arbeitet. Die Müttersterblichkeit in dem Land lag 2008 bei 307 von 100.000 Lebendgeburten, am stärksten betrifft sie die ärmsten, bildungsfernsten Frauen vor allem auf dem Land. Zwischen 1995 und 2000 starben zudem mehr als 5.000 Frauen infolge ungewollter Schwangerschaften. Die Fruchtbarkeitsrate in dem westafrikanischen Land lag 2003 bei 6,2 Kindern pro Frau, in ländlichen Regionen sogar bei 6,9. Nur 21 Prozent der Frauen können lesen.
Kein Einzelfall
Die 21-jährige Aisha gebar ihren ersten Sohn in einem Gesundheitszentrum in der Hauptstadt. Für eine Bluttransfusion musste sie in ein Krankenhaus verlegt werden. Obwohl Fahrten zwischen staatlichen Gesundheitseinrichtungen eigentlich kostenlos sind, fuhr der Rettungsfahrer erst los, nachdem er Geld bekommen hatte. Im Krankenhaus wurde Aishas Mann Abdou drei Mal von den Ärzten um Handschuhe, Sterilisationsmittel und Medikamente geschickt. Schließlich sollte er Blutproben seiner Frau zur Analyse bringen. Es war drei Uhr früh, Abdou brauchte eine Stunde zu dem Labor. Als er endlich ins Krankenhaus zurückkehrte, war seine Frau tot.
Interviews
Die Westafrika-Researcher im Internationalen Sekretariat in London und Autoren des Berichts, Gaetan Mootoo und Salvatore Sagues, sind für Interviews auf Englisch und Französisch erreichbar.



