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Presseaussendung:
Länder mit Todesstrafe zunehmend isoliert
Mindestens 527 Menschen in 23 Ländern hingerichtet - Mehrheit der Hinrichtungen in China und im Iran – Belarus einziger Henkerstaat in Europa

Mindestens 527 Menschen in 23 Ländern hingerichtet - Mehrheit der Hinrichtungen in China und im Iran - Belarus einziger Henkerstaat in Europa
Weniger Hinrichtungen weltweit und mehr Staaten, die die Todesstrafe nicht vollstrecken – das ist die Bilanz der am Montag veröffentlichten Zahlen von Amnesty International zur Todesstrafe. 2010 wurden nach Amnesty-Informationen in 23 Ländern mindestens 527 Menschen hingerichtet (2009: mindestens 714). Bis heute haben 139 Länder die menschenverachtende Strafe in Gesetz oder Praxis, zuletzt Gabun und die Mongolei. 2001 waren es erst 108. Dem weltweiten Trend zur Abschaffung widersetzt sich eine kleiner werdende Gruppe von Ländern, darunter Belarus (Weißrussland). China und der Iran wenden die Todesstrafe weiterhin systematisch an.
„Jedes Land, das diese grausame und menschenverachtende Strafe noch anwendet, stellt sich heute selbst ins Abseits“, sagt Heinz Patzelt, Amnesty-Generalsekretär in Österreich. „Die Frage ist nicht mehr, ob die Todesstrafe weltweit abgeschafft wird, sondern wann es so weit sein wird.“
Die meisten Exekutionen fanden im Iran (mind. 252), in Nordkorea (mind. 60), Saudi-Arabien (mind. 27), den USA (46) und im Jemen (mind. 53) statt. China hält die Anzahl der Todesurteile und Exekutionen nach wie vor geheim. Amnesty geht von Tausenden Hinrichtungen aus.
2010 schaffte Gabun die Todesstrafe endgültig ab und die Mongolei beschloss ein Moratorium. Die UNO-Generalversammlung trat zum dritten Mal und mit mehr Unterstützung denn je für ein weltweites Hinrichtungsmoratorium ein. 58 Länder halten weiter an der Todesstrafe fest, doch weniger als die Hälfte davon haben Todesurteile vollstreckt.
Dennoch waren 2010 auch Rückschläge zu verzeichnen. So vollstreckten Belarus und fünf weitere Länder nach längerer Unterbrechung wieder Todesurteile. Belarus exekutierte im März 2010 zwei Gefangene und verurteilte drei weitere Menschen zum Tode. Gambia weitete die Anwendung der Todesstrafe aus.
Drogendelikte machten in Ägypten, China, Indonesien, dem Iran, dem Jemen, Laos, Malaysia, Libyen, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien einen erheblichen Anteil der Todesurteile und Hinrichtungen aus. Aber auch Wirtschaftsdelikte, einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Gotteslästerung wurden in einigen Ländern mit dem Tod bestraft. Der Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan und die VAE setzten sich außerdem über das internationale Verbot hinweg, Todesurteile an Personen zu vollstrecken, die zum Zeitpunkt der Straftat unter 18 Jahre alt waren.
Regionaler Überblick:
In den USA, dem einzigen Land auf dem amerikanischen Kontinent, das Gefangene hinrichtet, wurden 110 Todesurteile gefällt. Das entspricht etwa einem Drittel der Hinrichtungen Mitte der 1990er Jahre. Im März 2011 schaffte der Bundesstaat Illinois die Todesstrafe endgültig ab und ist damit der 16. Bundesstaat, der die Todesstrafe aufgibt.
Für die Region Asien-Pazifik liegen Amnesty International keine vollständigen Informationen zur Anwendung der Todesstrafe vor. Die angegeben Zahlen sind daher unterste Schätzwerte. Neben China, das mehr Menschen hinrichtet, als alle anderen Staaten der Welt gemeinsam, gab es in sieben Ländern der Region mindestens 81 Hinrichtungen: In Nordkorea (mind. 60), Bangladesch (mind. 9), Taiwan (mind. 4), Singapur (mind. 2), Vietnam (mind. 2), Japan (2) und Malaysia (mind. 1). Die Mongolei schaffte 2010 die Todesstrafe ab.
Nach dem ersten hinrichtungsfreien Jahr in Europa und Zentralasien 2009 exekutierte Belarus im März 2010 zwei Gefangene und verurteilte drei weitere Menschen zum Tod.
In Nahost und Nordafrika wurden für das Jahr 2010 insgesamt weniger Todesurteile und Exekutionen verzeichnet. Wurde die Todesstrafe angewandt, so geschah dies oft nach unfairen Prozessen und für Delikte wie Drogenhandel oder Ehebruch.
Die Behörden im Iran bestätigen die Hinrichtung von 252 Gefangenen, darunter fünf Frauen und ein zur Tatzeit Jugendlicher. Amnesty erfuhr jedoch aus glaubwürdigen Quellen von mindestens 300 weiteren Hinrichtungen, mehrheitlich im Gefängnis von Vakilabad, Mashhad, die verheimlicht werden. Die meisten darunter wurden für angebliche Drogendelikte zum Tod verurteilt und hingerichtet. 14 Gefangene wurden öffentlich hingerichtet.
Im Südlichen Afrika schaffte Gabun im Februar 2010 die Todesstrafe endgültig ab. Damit sind heute insgesamt 16 Länder der Afrikanischen Union ohne Todesstrafe. Nur vier Länder haben Todesurteile vollstreckt: Botswana, Äquatorial-Guinea, Somalia und der Sudan.

