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IHRE SPENDE ZÄHLT

Presseaussendung / Tschechische Republik:

Gleiche Bildungschancen für Roma

Amnesty International fordert die tschechische Regierung auf, Roma-Kinder nicht in Sonderschulen abzuschieben, sondern vollständig in die regulären Schulen zu integrieren. Ein aktueller Amnesty-Bericht zeigt: Die systematische Diskriminierung besteht auch zwei Jahre nach einem Straßburg-Urteil von 2007 fort.

Anti-Diskriminierung, Kinderrechte, Recht auf Bildung

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Mittwoch, 27. Jänner 2010

 

Mitten in Europa wird eine Minderheit beständig diskriminiert: die Roma. Ihr Zugang zu Bildung, Wohnraum, Arbeit und Gesundheitsversorgung wird eingeschränkt oder verwehrt, immer wieder werden Roma-Siedlungen rechtswidrig zwangsgeräumt. Im Nachbarland Tschechien werden Roma vielerorts in Sonderschulen für Kinder mit „leichter geistiger Behinderung“ abgeschoben. Roma machen in einigen Orten bis zu 80 Prozent der Schüler der sogenannten „Praxisgrundschulen“ aus. Sie erhalten dort eine Bildung geringeren Standards.

Diese menschenrechtswidrige systematische Diskriminierung der Roma kritisiert Amnesty International scharf. „Mit dem, was die Kinder in Sonderschulen oder -klassen lernen, sind ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt noch schlechter als sie es sowieso schon sind“, betont Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty Österreich. „Bildung ist notwendig, um sich von Armut und sozialer Ausgrenzung zu befreien, und solange die tschechischen Behörden Roma nicht gleiche Bildungschancen einräumen, versagen sie ihnen die Aussichten auf eine bessere Zukunft.“

Amnesty fordert gesetzliche Maßnahmen, die diese Trennung im tschechischen Schulsystem künftig verhindern. Bis eine umfassende Prüfung über die Notwendigkeit der entsprechenden Lehrpläne und Schulen vorliegt, sollten im „Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung 2010“ keine Kinder in eine Praxisgrundschule bzw. in Extra-Klassen für Kinder „mit leichten geistigen Behinderungen“ eingeschult werden.

Hintergrund:

Bereits im November 2007 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) festgestellt, dass Roma-Kinder in Tschechien in ihrem Recht auf Bildung verletzt würden, da viele aufgrund ihrer Herkunft auf Sonderschulen geschickt werden. Der EGMR verpflichtete die Regierung, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Doch die Diskriminierung hält an, wie ein aktueller Amnesty-Bericht zeigt.

Aktuellen Schätzungen zufolge leben in Tschechien zwischen 150.000 und 300.000 Roma, das sind ca. 1,6 bis drei Prozent der Bevölkerung. Sie wohnen oft in von der übrigen Bevölkerung abgegrenzten Gebieten. Über 60 Prozent der Roma im arbeitsfähigen Alter in diesen de-facto-Ghettos sind arbeitslos.