Presseaussendung / Nicaragua:
Abtreibungsverbot in Nicaragua lebensgefährlich
Das völlige Abtreibungsverbot in Nicaragua bringt eine krebskranke junge Frau in akute Lebensgefahr. Amnesty International fordert die Behörden auf, der 27-Jährigen adäquate medizinische Behandlung zukommen zu lassen und das Gesetz zu ändern.
Amalia (richtiger Name Amnesty bekannt, Anm.) ist 27, alleinerziehende Mutter einer zehnjährigen Tochter und in der zehnten Woche schwanger. Ihr Leben ist nach einer Krebsdiagnose in akuter Gefahr, weil das nicaraguanische Abtreibungsverbot eine entsprechende Behandlung unmöglich macht. Da der Fötus durch Bestrahlung oder Chemotherapie Schaden nehmen könnte, fürchten Amalias Ärzte, sich strafbar zu machen.
„Es ist schockierend und ein menschenrechtlicher Skandal, dass Nicaragua einer Krebspatientin eine möglicherweise lebensrettende Behandlung verwehrt, weil sie schwanger ist“, erklärte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International in Österreich. „Amalias Lage verdeutlicht die drakonischen Folgen des ausnahmslosen Abtreibungsverbots und wie dringend seine Aufhebung ist. Jeder Tag zählt, wenn Amalia leben soll.“
Amnesty International fordert, dass die Regierung sofort entsprechende Maßnahmen ergreift und Amalia das volle Spektrum medizinischer Behandlung gewährt.
Hintergrund:
Vor Inkrafttreten des absoluten Abtreibungsverbotes in dem streng katholischen Land Ende 2006 hatten 21 ärztliche Organisationen mit Blick auf die absehbaren Folgen für die medizinische Betreuung protestiert. Auch das Anti-Folter-Komitee der UNO hat das Gesetz kritisiert. Eine Beschwerde ist seit über einem Jahr beim Obersten Gerichtshof anhängig.
Angesichts der zunehmenden Müttersterblichkeit und der steigenden Zahl von Frauen, die gezwungen sind, ein bei einer Vergewaltigung gezeugtes Kind auszutragen, riefen elf UNO-Mitgliedsstaaten vor zwei Wochen Nicaragua zu einer Gesetzesänderung auf. Am 18. Februar schloss sich der größte Gynäkologenverband des zentralamerikanischen Landes einem NGO-Appell an die Interamerikanische Menschenrechtskommission an, die Regierung in Managua zum Schutz von Amalias Leben zu verpflichten.



