Presseaussendung:
10.Oktober - Tag gegen die Todesstrafe: Weniger Henker-Staaten, aber mehr Hinrichtungen
Burundi und Togo haben Todesstrafe abgeschafft, Kenia hat alle Todesurteile umgewandelt / Fünf Länder für Mehr als 90 Prozent aller Hinrichtungen weltweit verantwortlich / Immer noch Hinrichtungen von Minderjährigen.
Wien, 08.10.2009 – Immer weniger Staaten richten Menschen hin, doch einige wenige Staaten richten immer mehr Menschen hin. Das ist das Fazit von Amnesty International anlässlich des Internationalen Tages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober. 139 Staaten haben die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Demgegenüber steht eine Minderheit von 58 Staaten, die an der Todesstrafe festhält. „Der Trend zu einer Welt ohne Todesstrafe ist unumkehrbar. Die Staaten mit Todesstrafe sollten dieses Signal verstehen und endlich Schritte ergreifen, um die Todesstrafe zu überwinden“, sagte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich. „Die Todesstrafe ist ein Auslaufmodell und ihre Abschaffung längst überfällig.“
2009 schafften Burundi und Togo die Todesstrafe vollständig ab, in Kenia wurden bei einer Generalamnestie sämtliche Todesurteile umgewandelt. Doch gleichzeitig dokumentiert Amnesty International steigende Hinrichtungszahlen. 2008 wurden mindestens 2.390 Menschen (1.252 in 2007) hingerichtet und mindestens 8.864 (3.347 in 2007) zum Tode verurteilt. Mehr als 20.000 Menschen sitzen derzeit weltweit im Todestrakt. Zum harten Kern der Staaten, die Menschen hinrichten, gehören China, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und die USA. 2008 waren diese fünf Länder für 93 Prozent aller Hinrichtungen verantwortlich.
Am vergangenen Montag, dem 5. Oktober, sollte der afghanische Flüchtling Abbas Hosseini im Iran für einen Mord hingerichtet werden, den er mit 17 Jahren begangen hat. Die Behörden haben die Hinrichtung kurzfristig aufgeschoben. Die Familie des Opfers war bisher nicht bereit, den Mann im Austausch gegen eine finanzielle Entschädigung zu begnadigen. Das Schicksal von Abbas Hosseini ist kein Einzelfall. Seit 1990 sind allein im Iran mindestens 41 jugendliche Straftäter hingerichtet worden und mehr als 140 zum Tod Verurteilte warten in den Todeszellen auf ihre Exekution. Auch Jemen, Saudi-Arabien und Sudan wenden die Todesstrafe gegen Jugendliche an.
Amnesty International lehnt die Todesstrafe als grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe ab. Die Organisation gehört wie mehr als 60 weitere Nichtregierungsorganisationen der Weltkoalition gegen die Todesstrafe an. Die Weltkoalition rief den Internationalen Tag gegen die Todesstrafe im Jahr 2002 aus.
Auf www.amnesty.at finden Sie unter der Aktion STOPP! Keine Todesstrafe an Minderjährigen weitere Informationen, sowie eine Petition gegen die Hinrichtung von minderjährigen Straftätern.


