Amnesty Artikel Bild

Artikel suchen

Newsletter Anmeldung

Erfolge:

[15.05.2012] Arbeiter freigelassen Fünf Arbeiter, die nach der Teilnahme an einem Streik inhaftiert worden waren, sind am 23. April freigelassen worden. Sie haben mehr als vierzig Tage...
[04.05.2012] Togo: Vier Studenten freigelassen Vier togoische Studenten, die im März und April im Zuge von Demonstrationen an der Universität in Kara festgenommen worden waren, sind frei.
[17.04.2012] Belarus: Sannikau freigelassen Am 14. April wurde der gewaltlose politische Gefangene Andrei Sannikau aus dem Gefängnis in der Stadt Wizebsk, im Nordosten von Belarus, entlassen. E...
[20.03.2012] Syrien: Aktivist Georges Moubayed freigelassen Der Aktivist Georges Moubayed wurde Ende Januar freigelassen. Er war zuvor von einer Gruppe, die vermutlich in Verbindung mit den syrischen Behörden ...
[02.03.2012] Sudan: Student ohne Anklage aus Haft entlassen Der Student Taj Alsir Jaafar ist am 23. Februar nach fast zwei Monaten Haft im Gewahrsam des sudanesischen Geheimdienstes (National Intelligence and S...
[02.03.2012] Mexiko: Mexikanische Menschenrechtlerin freigelassen Die mexikanische Menschenrechtsverteidigerin Lucila Bettina Cruz Velásquez ist am 24. Februar gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Da die geg...
[23.02.2012] Bahrain: Protestierende aus der Haft entlassen Am 14. Februar verfügte ein Richter die Freilassung von 14 Personen, die wegen der Teilnahme an einer „illegalen Versammlung“ zu einer sechsmonat...

Artikel/Bericht:

!Stopp! Zwangsumsiedlungen von Roma in Europa

Zwangsumsiedlungen sind grausam, erniedrigend und verletzen internationales Recht. In Europa geschehen sie dennoch allzu oft und treffen jene, die sich am wenigsten wehren können. Roma sind eine dieser Zielgruppen; sie sind arm, sozial ausgegrenzt und werden von der Allgemeinheit angefeindet. Das ist der Grund der es Regierungen ermöglicht, Roma zwangsweise umzusiedeln und dabei die Rechte dieser Menschen so gut wie gar nicht zu beachten. Es ist höchste Zeit, dieses Unrecht zu beenden!

Menschenrechte & Armut, Zwangsräumung

Artikel drucken
Mittwoch, 29. Feber 2012

Serbien

Ein Bulldozer beginnt mit der Zerstörung der Gazela Siedlung in Belgrad. (c) CEE_Bankwatch_Network

In Serbien sind tausende Roma dem Risiko einer Zwangsvertreibung ausgesetzt. Grund dafür sind international finanzierte Infrastrukturprojekte, die demnächst umgesetzt werden. Die serbische Regierung hat derzeit den Vorsitz in der „Decade of Roma Inclusion“ inne und hat sich verpflichtet, die Bereitstellung von angemessener Unterkunft für die Roma-Gemeinschaften prioritär zu behandeln. Die Realität sieht anders aus.

Während fast alle Roma in Serbien Diskriminierung erfahren, wird den BewohnerInnen der informellen Siedlungen nicht nur das Recht auf adäquates Wohnen verwehrt, vielfach werden sie auch anderer Menschenrechte betrogen, wie dem Recht auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit.

In Serbien leben zwischen 450.000 bis 800.000 Roma. Schätzungsweise 100.000 Roma leben in Belgrad. Ein Drittel davon lebt in einem der cirka 147 informellen Siedlungen, wo sie Gefahr laufen, daraus vertrieben zu werden.
Zwangsumsiedlungen von Roma werden in Belgrad seit 2000 meist als ad hoc Aktionen durchgeführt. Die Zeit zwischen der Benachrichtigung und der tatsächlichen Räumung beträgt ein Monat bis 6 Wochen. Die BewohnerInnen erhalten keine offizielle Information sondern lediglich ein Dokument, damit wissen sie, dass ihre Siedlung geräumt wird.

Hintergrundinformationen

In europäischen Staaten werden tausende Menschen von ihrem Wohnraum zwangsweise vertrieben. Sie ignorieren ihre Verpflichtungen unter internationalem Recht und begehen Menschenrechtsverletzungen.

Die meisten Menschen, die zwangsumgesiedelt werden, sind Personen, die arm sind oder am Rande der Gesellschaft leben. Sie werden gegenüber Gewalttaten diskriminiert und nicht selten auch wie GewaltverbrecherInnen behandelt. Viele leben in der Angst von ihrem Zuhause vertrieben zu werden.

Roma in einem Camp in Belgrad, Serbien (c) Private
Rumänische Roma im Centocelle Camp in Rom, Italien (c) Amnesty International

Die Auswirkungen sind katastrophal. Menschen, die zwangsumgesiedelt werden, verlieren neben ihrem persönlichen Besitz, ihre sozialen Netzwerke, den Zugang zu Arbeit, Schulen und Gesundheitsversorgung. Menschen werden obdachlos oder leben unter schlimmeren Umständen als vorher.

In Europa sind Roma regelmäßig von Zwangsumsiedlungen betroffen. In den vergangenen Jahren dokumentierte Amnesty International, gemeinsam mit lokalen NGO´s, Zwangsumsiedlungen von Roma in Bulgarien, Griechenland, Italien, Rumänien und Serbien.

Von Vertreibung bedroht, Roma in der Votanikos-Region Athen, Griechenland (c) GHM
Eine Roma Familie fand hier Unterschlupf, nachdem sie vertrieben wurden, Bulgarien (c) Daniela Mihaylova/EOA

Sowohl außerhalb als auch innerhalb der EU bleibt ihnen oftmals gleicher Zugang zu adäquatem Wohnraum, Bildung, Wasser und sanitären Einrichtungen verwehrt. Die weitverbreitete Diskriminierung macht sie zu einem leichten Angriffsziel für Zwangsumsiedlungen. Diskriminierung am Arbeitsmarkt macht es für sie schwer, Häuser und Wohnungen zu mieten. Durch die effektive Ausgrenzung aus sozialen Wohnbausystemen bleibt ihnen meist keine andere Wahl, als sich um andere Unterkunftsmöglichkeiten zu bemühen – meist handelt es sich dabei um informelle Siedlungen. Der fehlende Besitzanspruch macht sie angreifbar für Zwangsumsiedlungen und andere Menschenrechtsverletzungen.

In den meisten Fällen von Zwangsumsiedlungen gibt es seitens der Regierung keine Bemühungen, den betroffenen Roma adäquaten Wohnraum anzubieten. Diese leben noch Jahre nach den Vertreibungen in provisorischen und notdürftigen Unterkünften. Mit noch geringeren Chancen auf dauerhafte Beschäftigung und die Möglichkeit sich ein stabiles soziales Netz aufzubauen, steigt die Armut und Ausgrenzung.

Betroffene Roma versuchen Anspruch auf ihre Rechte zu erheben. Regierungen in ganz Europa handelten und handeln weiter gegen bestehende internationale Gesetze und Menschenrechtsstandards, eingeschlossen die europäische Menschenrechtskonvention und der internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Dieses Unrecht muss gestoppt werden.