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Artikel/Bericht / Nordkorea:

Nordkorea: Kein Recht auf Gesundheit?

Das nordkoreanische Gesundheitssystem zerfällt. Das stellt ein aktueller Amnesty-Bericht, der auf Gesprächen mit AugenzeugInnen basiert, fest. Kein Land der Welt gibt laut den jüngsten verfügbaren Zahlen weniger Geld für Gesundheit aus. Amputationen werden ohne Narkose durchgeführt, Nadeln nicht sterilisiert, von unentgeltlicher Versorgung kann keine Rede sein. "Wer kein Geld hat, stirbt", schildert eine junge Frau die dramatische Lage.

Menschenrechte & Armut, Recht auf Gesundheit

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Donnerstag, 15. Juli 2010
Tausende starben diesen Winter an Hunger (c) Korea Press

"Die Menschen in Nordkorea tun es sich nicht an, ins Krankenhaus zu gehen, wenn sie kein Geld haben", erzählt die 20-Jährige, die im November 2008 ihre Heimat verlassen hat. "Jeder weiß, dass man für Behandlungen zahlen muss. Wer kein Geld hat, stirbt."

Dies ist nur ein Bericht einer Augenzeugin über den Zerfall des Gesundheitssystems in dem kommunistisch regierten Staat. Weniger als einen US-Dollar pro Person gibt das Land im Jahr für die Gesundheitsversorgung aus, zeigen die letzten verfügbaren Zahlen der Weltgesundheitsorganisationen (WHO).

Pjöngjang behauptet indes weiterhin, dass der Zugang zu Gesundheit für alle frei ist. Aber die Menschen, mit denen Amnesty sprach, mussten seit den 90er Jahren für alle Leistungen bezahlen. Ärzte nehmen Zigaretten, Alkohol oder Lebensmittel für die grundlegendsten Untersuchungen, für diagnostische Verfahren und Operationen ist Bargeld fällig.

"Nordkorea ist gescheitert, was die Befriedigung der elementarsten Bedürfnisse seiner Bevölkerung betrifft. Das trifft vor allem auf die Allerärmsten zu, die sich ärztliche Behandlungen nicht leisten können", sagte Amnesty-Expertin Catherine Baber.

Statt ins Spital zu gehen, besorgen sich die Menschen die Medikamente und behandeln sich selbst, dokumentiert der aktuelle Bericht. Vor kurzem hat die Führung in Pjöngjang ein stark süchtigmachendes Schmerzmittel verboten, das viele NordkoreanerInnen als Allheilmittel verwenden.

Auch die anhaltende Lebensmittelknappheit ist für viele chronische Leiden verantwortlich, wie aus den Berichten der Betroffenen hervorgeht. Gegen den Hunger essen die Menschen Gras und Baumrinde. Tuberkulose breitet sich durch die Mangelernährung umso leichter aus.

Amnesty International fordert die Geberstaaten dringend auf, über die Vereinten Nationen weiterhin humanitäre Hilfe leisten. "Das nordkoreanische Volk braucht unbedingt Medikamente und Lebensmittel. Es ist äußerst wichtig, dass die Hilfe an Nordkorea nicht zum Spielball politischer Interessen der Geberstaaten wird", so Barber.

Nordkorea sei völkerrechtlich verpflichtet, für ausreichend Nahrung und Gesundheit zu sorgen, appellierte die Amnesty-Expertin außerdem an Pjöngjang. Wenn die Regierung das nicht könne, müsste sie Hilfe bei der internationalen Gemeinschaft suchen.

Bericht "The crumbling state of health" (Juli 2010, 52 S., engl.):