Aktion:
!Stopp! Zwangsumsiedlungen von Roma in Europa
Zwangsumsiedlungen sind grausam, erniedrigend und verletzen internationales Recht. In Europa geschehen sie dennoch allzu oft und treffen jene, die sich am wenigsten wehren können. Roma sind eine dieser Zielgruppen; sie sind arm, sozial ausgegrenzt und werden von der Allgemeinheit angefeindet. Das ist der Grund der es Regierungen ermöglicht, Roma zwangsweise umzusiedeln und dabei die Rechte dieser Menschen so gut wie gar nicht zu beachten. Es ist höchste Zeit, dieses Unrecht zu beenden!
Fahren Sie diesen Sommer nach Italien?

- (c) Amnesty International
Dann kleben Sie doch diesen Sticker auf ihre Auto-Windschutzscheibe. Damit zeigen Sie, dass Sie die Menschenrechtsverletzungen, denen Roma in Italien ausgesetzt sind, nicht einfach so hin nehmen und Sie unterstützen die Arbeit von Amnesty International Italien zu der Thematik.
Machen Sie auch ein Foto von Ihrem Auto mit dem Sticker vor einer der schönen malerischen Landschaften Italiens und senden Sie es an active(at)amnesty.at oder an unsere Postanschrift. Die Fotos werden europaweit gesammelt und auf www.flickr.com/photos/amnesty_roma/ veröffentlicht.
Die deutsche Übersetzung des Texts auf den Stickern lautet:
"Willkommen in Rom. Stopp... den Nomadenplan bevor er die Rechte von Roma verletzt."
Sie können die Sticker kostenlos unter 01/78008 oder active(at)amnesty.at bestellen.
Wir freuen uns auf viele Fotos von Menschen, die sich aktiv und kreativ für die Rechte von Roma einsetzen.
Zwangsumsiedlungen in Europa müssen TABU sein! Werden Sie jetzt aktiv!
Italien
In den kommenden Monaten droht mehr als 7.200 Roma und Sinti in Rom und Umgebung die illegale Zwangsräumung und die Zerstörung ihrer Siedlungen. Unter dem Vorwand der Kriminalitätsbekämpfung sieht der so genannte "Nomaden-Notstandsplan" umfangreiche Sondervollmachten für die Behörden vor. Ziel des Plans ist, alle Sinti und Roma aus der italienischen Hauptstadt zu verdrängen. 6.000 von ihnen sollen gegen ihren Willen in 13 isolierte Großlager umgesiedelt werden, für mehr als 1.200 Betroffene ist keine andere Unterbringung vorgesehen.
Serbien
In Serbien sind tausende Roma dem Risiko einer Zwangsvertreibung ausgesetzt. Grund dafür sind international finanzierte Infrastrukturprojekte, die demnächst umgesetzt werden. Die serbische Regierung hat derzeit den Vorsitz in der „Decade of Roma Inclusion“ inne und hat sich verpflichtet, die Bereitstellung von angemessener Unterkunft für die Roma-Gemeinschaften prioritär zu behandeln. Die Realität sieht anders aus.
Während fast alle Roma in Serbien Diskriminierung erfahren, wird den BewohnerInnen der informellen Siedlungen nicht nur das Recht auf adäquates Wohnen verwehrt, vielfach werden sie auch anderer Menschenrechte betrogen, wie dem Recht auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit.
In Serbien leben zwischen 450.000 bis 800.000 Roma. Schätzungsweise 100.000 Roma leben in Belgrad. Ein Drittel davon lebt in einem der cirka 147 informellen Siedlungen, wo sie Gefahr laufen, daraus vertrieben zu werden.
Zwangsumsiedlungen von Roma werden in Belgrad seit 2000 meist als ad hoc Aktionen durchgeführt. Die Zeit zwischen der Benachrichtigung und der tatsächlichen Räumung beträgt ein Monat bis 6 Wochen. Die BewohnerInnen erhalten keine offizielle Information sondern lediglich ein Dokument, damit wissen sie, dass ihre Siedlung geräumt wird.
Hintergrundinformationen
In europäischen Staaten werden tausende Menschen von ihrem Wohnraum zwangsweise vertrieben. Sie ignorieren ihre Verpflichtungen unter internationalem Recht und begehen Menschenrechtsverletzungen.
Die meisten Menschen, die zwangsumgesiedelt werden, sind Personen, die arm sind oder am Rande der Gesellschaft leben. Sie werden gegenüber Gewalttaten diskriminiert und nicht selten auch wie GewaltverbrecherInnen behandelt. Viele leben in der Angst von ihrem Zuhause vertrieben zu werden.
Die Auswirkungen sind katastrophal. Menschen, die zwangsumgesiedelt werden, verlieren neben ihrem persönlichen Besitz, ihre sozialen Netzwerke, den Zugang zu Arbeit, Schulen und Gesundheitsversorgung. Menschen werden obdachlos oder leben unter schlimmeren Umständen als vorher.
In Europa sind Roma regelmäßig von Zwangsumsiedlungen betroffen. In den vergangenen Jahren dokumentierte Amnesty International, gemeinsam mit lokalen NGO´s, Zwangsumsiedlungen von Roma in Bulgarien, Griechenland, Italien, Rumänien und Serbien.
Sowohl außerhalb als auch innerhalb der EU bleibt ihnen oftmals gleicher Zugang zu adäquatem Wohnraum, Bildung, Wasser und sanitären Einrichtungen verwehrt. Die weitverbreitete Diskriminierung macht sie zu einem leichten Angriffsziel für Zwangsumsiedlungen. Diskriminierung am Arbeitsmarkt macht es für sie schwer, Häuser und Wohnungen zu mieten. Durch die effektive Ausgrenzung aus sozialen Wohnbausystemen bleibt ihnen meist keine andere Wahl, als sich um andere Unterkunftsmöglichkeiten zu bemühen – meist handelt es sich dabei um informelle Siedlungen. Der fehlende Besitzanspruch macht sie angreifbar für Zwangsumsiedlungen und andere Menschenrechtsverletzungen.
In den meisten Fällen von Zwangsumsiedlungen gibt es seitens der Regierung keine Bemühungen, den betroffenen Roma adäquaten Wohnraum anzubieten. Diese leben noch Jahre nach den Vertreibungen in provisorischen und notdürftigen Unterkünften. Mit noch geringeren Chancen auf dauerhafte Beschäftigung und die Möglichkeit sich ein stabiles soziales Netz aufzubauen, steigt die Armut und Ausgrenzung.
Betroffene Roma versuchen Anspruch auf ihre Rechte zu erheben. Regierungen in ganz Europa handelten und handeln weiter gegen bestehende internationale Gesetze und Menschenrechtsstandards, eingeschlossen die europäische Menschenrechtskonvention und der internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Dieses Unrecht muss gestoppt werden.








