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Menschen in Gefahr / Israel / besetzte palästinensische Gebiete:
Gilad Shalit weiter in Gefangenschaft
Gilad Shalit, ein 23-jähriger israelischer Soldat, wurde 2006 von bewaffneten palästinensischen Gruppen von einem Militärstützpunkt entführt. Seit diesem Zeitpunkt wird er ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Die bisherigen Verhandlungen zwischen den palästinensischen Gruppen und Israel kamen zu keinem Ergebnis – im Gegenzug für seine Freilassung wird die Freilassung von palästinensischen Gefangenen gefordert.
UPDATE (8. 6. 2010): Eine der beiden Gruppen, die Gilad Shalit entführt haben, hat eine Animation veröffentlicht, die ihn in einem Sarg zeigt. Fordern Sie die Gruppierung auf, ihm nichts anzutun und sich an internationales Recht zu halten! NEUE ADRESSE
UPDATE (29. 4. 2010): Die Hamas hat im Februar auf den Goldstone-Bericht der UN geantwortet. NEUER MUSTERBRIEF
UPDATE (8. 6. 2010): Die Izz Eddin al-Qassam-Brigaden haben eine Animation veröffentlicht, die Drohungen beinhaltet und Gilad Shalit in einem Sarg zeigt. Hamas-Führer haben die Animation verurteilt und bekräftigt, dass die Misshandlung von Gefangenen ihren Prinzipien und ihrer Religion widerspreche. Bisher wurde die Animation allerdings nicht von der Website der Qassam-Brigaden entfernt.
Bitte schreiben Sie den Izz Eddin al-Qassam-Brigaden und
- erklären Sie, dass sie besorgt sind aufgrund der veröffentlichten Animation über Gilad Shalit,
- erinnern Sie sie an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen,
- fordern Sie sie auf, Gilad Shalit nichts anzutun,
- drängen Sie darauf, dass er human behandelt wird, gegebenenfalls medizinische Versorgung erhält und Kontakt mit dem Roten Kreuz aufnehmen kann, sowie dass er Kontakt zu seiner Familie halten kann,
- erwähnen Sie außerdem Amnestys Arbeit für palästinensische Häftlinge in israelischer Haft.
Schreiben Sie an: english(at)alqassam.ps
Am 2. Oktober 2009 wurde der isrealischen Regierung ein Video zugespielt, das den gefangenen Soldaten Gilad Shalit zeigt (seine Familie hat der Veröffentlichung zugestimmt). Die Aufnahme stammt vom 14. September 2009. Im Gegenzug entließ Israel 19 weibliche palästinensische Gefangene.
HINTERGRUNDINFORMATION
Der israelische Soldat Gilad Shalit wurde am 25. Juni 2006 während eines Angriffs auf einen Armeestützpunkt im Süden Israels in der Nähe des Gazastreifens von bewaffneten palästinensischen Gruppen gefangen genommen. Bei dem Angriff wurden zwei andere Soldaten getötet und ein dritter verletzt. Seitdem wird Gilad Shalit versteckt gehalten, und jede Kommunikation oder Kontakt mit der Außenwelt und dem Roten Kreuz sind ihm untersagt.
Gilad wurde entführt von den Izz Eddin al-Qassam-Brigaden (militärischer Flügel der Hamas, der Islamischen Widerstandsbewegung) und den Volkswiderstandskomitees (eine militärische Dachorganisation, zu der loyale Mitglieder verschiedener palästinensischer bewaffneter Gruppen gehören). Auch eine bis vor kurzem unbekannte kleine palästinensische Randgruppe, die sich Armee des Islam nennt, war in die Angriffe und Gilads Entführung verwickelt (diese Gruppe wurde 2007 von der Hamas aufgelöst).
Gilad wird im Gazastreifen vom bewaffneten Flügel der Hamas und den Volkswiderstandskomitees festgehalten, die im Austausch für ihn die Freilassung einiger der 9.000 palästinensischen Gefangenen fordern, die zur Zeit in israelischen Gefängnissen und Feldlagern inhaftiert sind. Nach Gilads Entführung starteten die israelischen Behörden eine ausgedehnte militärische Offensive gegen den Gazastreifen mit dem Codenamen „Operation Sommerregen“ mit Luftangriffen und Artilleriefeuer. Während der darauf folgenden Wochen wurden hunderte PalästinenserInnen, unter ihnen dutzende Kinder und viele andere unbewaffnete ZivilistInnen von israelischen Streitkräften getötet, und wichtige Infrastruktur im Gazastreifen wurde zerstört oder beschädigt. Die israelische Armee nahm auch dutzende palästinensische BeamtInnen fest, um sie bei den Verhandlungen um Gilad Shalits Freilassung als Gegenangebot verwenden zu können. Dennoch wurde Gilad nicht befreit, und Verhandlungen über seine Freilassung, größtenteils vermittelt durch die ägyptische Regierung, blieben bisher ergebnislos, obwohl sie in einigen Punkten vielversprechend schienen.
Die UN-Untersuchungskommission zum Gaza-Konflikt hat im sogenannten Goldstone-Bericht (Richter Richard Goldstone leitete die Untersuchung) im Oktober 2009 empfohlen, dass Gilad Shalit als Kriegsgefangener behandelt werden sollte, dass das Internationale Komitee des Roten Kreuzes Zugang bekommen und er aus humanitären Gründen freigelassen werden sollte. Die de facto von der Hamas geführte Administration in Gaza hat Anfang Februar 2010 auf den Bericht geantwortet. Sie argumentieren, dass sie internationales Recht respektieren und Gilad gut behandeln, dass sie aber das Rote Kreuz nicht zu ihm lassen können, weil die israelische Armee dann seinen Aufenthaltsort erfahren würde, das Versteck angreifen und damit seine Sicherheit gefährden würde. Sie betonen, dass sie zu seiner Freilassung bereit sind, wenn im Gegenzug palästinensische Häftlinge freikommen.
Gilad hat zwei Geschwister und ist im Norden Israels aufgewachsen, wo seine Eltern eine Pension führen. Er hat die israelische und die französische Staatsangehörigkeit. Gilad trat seinen Dienst bei der Armee im Juli 2005 an, nachdem er die Schule abgeschlossen hatte. Er ist Korporal bei der Panzereinheit der Armee.
Amnesty International ist der Meinung, dass Gilad Shalit als Kriegsgefangener behandelt werden sollte. Daher muss er human behandelt werden und Besuche vom Internationalen Roten Kreuz erhalten dürfen.
Werden Sie aktiv!
- Unterschreiben Sie den Online-Appell!
- Bitte schreiben Sie den palästinensischen VertreterInnen höfliche Briefe auf Arabisch, Englisch oder Deutsch. Bitte beachten Sie, dass Post in den besetzten palästinensischen Gebieten oft nicht ankommt – Schicken Sie daher Faxe und E-Mails.
- Stellen Sie sich und Amnesty International kurz vor. Erklären Sie, dass Amnesty International eine unabhängige Menschenrechtsorganisation ist und sich auch aktiv für die Rechte von PalästinenserInnen einsetzt, einschließlich der palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen.
- Erklären Sie, dass Menschenrechtsverletzungen von israelischer Seite jedoch nicht Menschenrechtsverletzungen von palästinensischen VertreterInnen oder von bewaffneten Gruppen rechtfertigen können. Amnesty International hat keine Position zu Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien, auch nicht zu Verhandlungen über Gefangenenaustausch, und lehnt die Gefangennahme von Personen als Geiseln oder politisches Druckmittel ab.
- Appellieren Sie an die VertreterInnen, dass Gilad Shalits Rechte als Gefangener unabhängig von Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch respektiert werden, dass er Zugang zum Internationalen Roten Kreuz erhält und mit seiner Familie in Kontakt treten kann, wie es internationales humanitäres Recht vorsieht.
- Erklären Sie, dass nach internationalem humanitären Recht Mitglieder der Streitkräfte, die gefangen genommen wurden oder kampfunfähig sind, unter allen Umständen human behandelt werden müssen - ohne Unterscheidung nach ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Nationalität.
- Begrüßen Sie jede weitere Information, die die palästinensische Führung Ihnen geben kann.
Individuell verfasste Briefe sind immer am wirksamsten! Falls Sie wenig Zeit haben, können Sie auch unseren beigelegten Musterbrief übernehmen. Bitte schicken Sie Ihren Brief wenn möglich an alle EmpfängerInnen und eine Kopie an die Botschaft.
- Schicken Sie Solidaritätsgrüße an Gilad Shalits Familie! Schreiben Sie auf Englisch, Hebräisch, Französisch oder auf Deutsch. Erklären Sie, dass Sie sich für das Wohlergehen von Gilad einsetzen und dafür, dass er mit seiner Familie in Kontakt bleiben kann. Sie können Botschaften z. B. rund um jüdische Feiertage verschicken. Schicken Sie ihre Botschaften an solidaritaet-shalit(at)amnesty.at
- Versuchen Sie, die Unterstützung von anderen Personen für Gilad Shalit zu bekommen. Versuchen Sie besonders Personen einzubeziehen, die einen Bezug zu dem Thema oder Land haben.
- Verstärken Sie Ihre Aktionen rund um den 25. Juni (Tag der Gefangennahme von Gilad) und den 28. August (seinen Geburtstag).
Bitte geben Sie uns laufend (spätestens bis Dezember 2010) eine Rückmeldung, welche Aktionen Sie gesetzt haben und wie viele Appelle Sie verschickt haben! Schicken Sie diese an menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder an Amnesty International Österreich, Moeringgasse 10, 1150 Wien.
APPELLE AN:
Hamas-Führer Khaled Meshaal (Sitz in Syrien)
Khaled Meshaal
Fax: +963 11 613 2935
(Faxnummer auch geeignet für Meshaals Stellvertreter, Abu Marzouk)
E-Mail: hoood88(at)hotmail.com
(Anrede: Dear Mr Meshaal)
Hamas-Führer Mahmoud Zahar, zuständig für Außenpolitik
Dr Mahmoud Zahar
Fax: +970 8 2868971 oder +972 8 2868971
E-Mail: h104m(at)hotmail.com
(Anrede: Dear Dr Zahar)
Pro-Hamas Website
E-Mail: english(at)palestine-info.co.uk
(Anrede: Dear Sir or Madam)
Tahar al-Nunu, Sprecher der Hamas-Behörden in Gaza
Tahar al-Nunu
E-Mail: gazanews(at)hotmail.com
(Anrede: Dear Mr al-Nunu)
Volksfront für die Befreiung Palästinas
Webformular: http://www.pflp.ps/english/?q=contact
(Anrede: Dear Sir or Madam)
KOPIE AN:
Palästinensische Vertretung bei der österreichischen Bundesregierung und den Internationalen Organisationen (PLO)
Herr Dr.med. Zuheir Elwazer, Botschafter
Josefsgasse 5, 1080 Wien
Fax: (+43 / 1) 408 81 19
E-Mail: palestine.mission(at)chello.at
TEXTVORSCHLAG:
(Der Textvorschlag ist nur als Anregung gedacht. Falls Ihre Fremdsprachenkenntnisse ausreichen, dann verfassen Sie das Appellschreiben bitte selbst! Je individueller die Briefe sind, desto besser!)
(Entsprechende Anrede),
I have read with interest the Hamas de facto administration's response to the Goldstone mission recommendations, in particular the section regarding the detention of Israeli soldier GILAD SHALIT. As a member of Amnesty International, I have campaigned for the end of administrative detention of Palestinians from the Occupied Territories by Israel, and for family visits for all prisoners. Amnesty International has condemned the use of prisoners as political bargaining chips as a violation of international law, noting Israel's detention of Palestinian parliamentarians, as well as the detention of Gilad Shalit.
As you are aware, the prohibition of hostage-taking is a rule of customary international humanitarian law by which all parties to a conflict must abide. Holding Gilad Shalit to create political pressure for the release of prisoners is using him as a bargaining chip. I urge you to respect international law by ensuring that Gilad Shalit is not treated as a hostage, allow the International Committee of the Red Cross (ICRC) to visit him, facilitate regular communication with his family and ensure that he is treated humanely.
The Hamas response to the Goldstone mission recommendations suggests that the sole reason for the refusal to allow ICRC visits is that it would put Gilad Shalit's life at risk from attack by the Israeli army. In treating Gilad Shalit as a hostage, preventing him from regular communication with his family, and denying access to the ICRC, the Hamas de facto administration in Gaza is acting contrary to its obligations under international law. Given the overall context and the other failures to abide by international norms in this case, your stated justification for denying ICRC access is not credible.
The ICRC, which continues to press for access to Gilad Shalit, is universally respected for the role it plays in protecting people deprived of their liberty, and in the past decades it has acted impeccably while visiting Israeli and Palestinian detainees. There is no reason to believe that the ICRC would act in a manner that would compromise its neutrality or endanger the detainees it visits. I therefore reiterate Amnesty International's call for you to immediately let the ICRC visit Gilad Shalit and to exchange news with his family.
Yours sincerely,
Wenn Sie Fragen haben kontaktieren Sie uns unter menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder 01/78008.




