
GUTE NACHRICHT
Erfolge bei Urgent Actions (April bis Juni 2010)
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Menschen in Gefahr / Griechenland:
Gerechtigkeit für Konstantina Kuneva
Die Gewerkschafterin Konstantina Kuneva engagierte sich für die Rechte von ArbeitnehmerInnen. Ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten brachten ihr Probleme ein, sie wurde schikaniert und bedroht. Nachdem der Konflikt mit ihrem Arbeitgeber eskalierte, geschah das Unfassbare: Als sie am Abend nach der Arbeit nach Hause kam, wurde sie von einem Mann angegriffen, der ihr Schwefelsäure ins Gesicht schüttete. Sie ist noch immer in medizinischer Behandlung, während die TäterInnen noch nicht gefasst sind.
Die Bulgarin Konstantina Kuneva ist Gastarbeiterin und Gewerkschaftsführerin in Griechenland. Die Alleinerzieherin kam 2001 nach Griechenland, um Geld für die medizinische Behandlung ihres kranken Sohnes zu verdienen. In Bulgarien arbeitete sie als Geschichtelehrerin, in Griechenland als Reinigungskraft. Am 22. Dezember 2008 wurde sie Opfer eines Säureattentats, durch das sie auf einem Auge erblindete und auf dem anderen nur eingeschränkt sieht. Ihre Stimmbänder und Luftröhre wurden schwer verletzt. Nach dem Attentat lag sie mehrere Tage im Koma. Erst im November 2009 wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen – sie braucht allerdings noch mehrere Operationen.
Konstantina hat über 1000 Karten von Amnesty-Mitgliedern erhalten, aus Kanada, Japan und anderen Ländern. Sie war sehr gerührt und hat gegenüber Amnesty wiederholt, dass sie sich weiter für Menschenrechte und ArbeitnehmerInnenrechte wird.
Als Gewerkschafterin forderte Konstantina Kuneva Grundrechte für ArbeiterInnen. Sie übernahm später die Position als Generalsekretärin bei der Attica-Gewerkschaft für Haus- und Reinigungskräfte. Daraufhin wurde sie bei der Arbeitszuteilung benachteiligt, sie wurde unter Druck gesetzt zu kündigen und per Telefon bedroht. Immer wieder hatte sie die Praktiken der ArbeitgeberInnen kritisiert, welche die Löhne bis zu fünf Monate verspätet auszahlen und die Sozialversicherungen nicht bezahlen. Viele der betroffenen Beschäftigten sind MigrantInnen. Wer sich zu wehren versucht, riskiert seine Gesundheit oder gar sein Leben.
Die Polizei leitete nach dem Attentat eine offizielle Untersuchung ein. Menschenrechtsorganisationen kritisieren aber, dass der Schwerpunkt ganz auf Konstantinas Privatleben gelegt wurde und die gewerkschaftliche Aktivität nicht hinreichend beachtet wurde.
Am 5. Mai 2009 überreichte Amnesty International Griechenland eine Petition mit 22.000 Unterschriften an den stellvertretenden griechischen Innenminister Christos Markoyannakis, der eine zügige und unabhängige Untersuchung des Falls versprach und dass alles getan werden würde, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Im Juni 2009 entschied der mit dem Fall betraute Untersuchungsrichter, die Untersuchung zu beenden, obwohl die Schuldigen noch nicht gefunden waren. Nach öffentlichem Druck von Amnesty wurde die Untersuchung des Falls fortgesetzt. Der Minister für BürgerInnenschutz und der Wirtschaftsminister haben außerdem eine Belohnung von 1 Million Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Festnahme und Verurteilung der AngreiferInnen führen.
Ende Jänner 2010 schloss der Untersuchungsrichter die neuerlichen Ermittlungen ab und stellte fest, dass es keine neuen Beweise gebe. Es besteht weiterhin die Gefahr, dass der Fall zu den Akten wandert. Zurzeit liegt der Fall beim Staatsanwalt des Gerichts Erster Instanz von Athen.
Die RechtsanwältInnen von Konstantina Kuneva fürchten, dass der Fall geschlossen wird. Sie halten die Untersuchungen auch für mangelhaft, weil die Polizei den Fall erst verspätet untersuchte, weil in der Umgebung des Tatorts keine Untersuchungen stattfanden und weil abgesehen von der ursprünglichen Zeuginnenaussage von Konstantina Kuneva keine weiteren ZeugInnen einvernommen wurden. Die Attica-Gewerkschaft meldete außerdem, dass eine Zeugin des Falls schikaniert wurde.
Werden Sie aktiv!
- Verschicken Sie einen Online-Appell!
- Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe, Faxe oder E-Mails auf Griechisch, Englisch oder Deutsch:
- verlangen Sie, dass die Untersuchung des Angriffs auf Konstantina Kuneva unparteiisch, unabhängig und effizient durchgeführt wird und dass die Schuldigen vor Gericht gestellt werden.
- fordern Sie die Behörden auf, die Rechte von GastarbeiterInnen zu schützen und bereits bestehende Gesetze durchzusetzen.
- verlangen Sie, dass GewerkschafterInnen und andere MenschenrechtsverteidigerInnen vor ähnlichen Angriffen geschützt werden.
• Schicken Sie Solidaritätsgrüße an Konstantina Kuneva! Schreiben Sie auf Griechisch, Bulgarisch oder Deutsch. Halten Sie die Nachricht einfach, schreiben Sie z. B.
Ich denke an Sie und schicke Ihnen und Ihrer Familie die besten Wünsche.
Ние мислим за Вас и изпращаме на Вас и Вашето семейство нашите най-искрени поздрави! (Bulgarisch)
Οι σκέψεις μας είναι μαζί σας και στέλνουμε τις θερμότερες ευχές μας σε εσάς και την οικογένειά σας. (Griechisch)
Bitte schicken Sie Ihre Karten an:
The Attica Union of Cleaners and Domestic Workers
3rd Septemvriou (September 3rd) 48
T.K 10433 Athens
Griechenland
• Verstärken Sie Ihre Aktionen rund um den 1. Mai, den Tag der Arbeit, und den 28. September, Konstantinas Geburtstag!
• Unterstützen Sie unsere Arbeit für Menschen in Gefahr mit Ihrer Spende!
APPELLE AN:
Minister für Justiz, Transparenz und Menschenrechte
Minister of Justice, Transparency and Human Rights
Haris Kastanidis
96, Mesogeion Anevue
115 27 Athens
Griechenland
E-Mail: grammatia(at)justice.gov.gr
Anrede: Dear Minister
Minister für BürgerInnenschutz
Minister of Citizen Protection
Michalis Chrysochoidis
P. Kanellopoulou 4
101 77 Athens
Griechenland
E-Mail: elasgrty(at)mopo.gr
Anrede: Dear Minister
Direktor des Gerichts 1. Instanz
Director of the First Instance Courts of Athens
Building No. 6
Proin Sholi Evelpidon
Athens 10167
Griechenland
Anrede: Dear Director
KOPIEN AN:
Griechische Botschaft in Österreich
Botschaft der Hellenischen Republik
S.E. Herr Panayotis Zografos, ao. u. bev. Botschafter
Argentinierstraße 14, 1040 Wien
Fax: (+43 / 1) 505 62 17
E-Mail: gremb(at)griechischebotschaft.at
TEXTVORSCHLAG:
Individuell verfasste Briefe sind immer am wirksamsten! Falls Sie wenig Zeit haben, können Sie auch unseren Musterbrief übernehmen. Bitte schicken Sie Ihren Brief wenn möglich an alle EmpfängerInnen und eine Kopie an die Botschaft.
(Entsprechende Anrede),
I write to you in reference to the case of KONSTANTINA KUNEVA, a Bulgarian migrant worker and a trade union leader, who was severely wounded after a man threw sulphuric acid in her face when she was returning home from work. The attack took place in Athens on December 28, 2008. As a result of the attack Konstantina Kuneva lost her sight in one eye and has limited vision in the other and her vocal chords and trachea were seriously damaged. More than a year later, she still needs medical treatment and several operations.
Konstantina Kuneva, a historian by profession, moved to Greece in 2001 to earn money that should cover the medical treatment of her son. As a result of her trade union activities and her position as Secretary of the Attica Union of Cleaners and Domestic Workers, she faced pressure to quit, was given unfavourable shift hours and began receiving anonymous phone threats.
The police launched an official investigation into the attack. However, the investigation placed emphasis on Konstantina Kuneva’s private life and failed to consider her activities as a union representative. The re-opened investigation was concluded at the end of January 2010 because in the view of the investigative judge assigned to the case, no useful new evidence had been found. The file of the case is currently in the hands of the Public Prosecutor of the First Instance Court of Athens.
I call on you to ensure that the investigation is continued and remains impartial and independent, effectively leading to the perpetrators being brought to justice.
I also urge you to protect the rights of migrant workers by fully implementing existing legislation and to ensure that trade union members and other human rights defenders are protected from similar attacks.
I trust that you will deal in a prompt and effective manner with the above requests.
Yours sincerely,
Bitte geben Sie uns laufend (spätestens bis Dezember 2010) eine Rückmeldung, welche Aktionen Sie gesetzt haben und wie viele Appelle Sie verschickt haben! Schicken Sie diese an menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder an Amnesty International Österreich, Moeringgasse 10, 1150 Wien.
Sie wollen aktiv bei Amnesty mitarbeiten und sich besonders für GewerkschafterInnen einsetzen? Melden Sie sich bei der Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen von Amnesty International Österreich!
Wenn Sie Fragen haben kontaktieren Sie uns unter menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder 01/78008.




