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Menschen in Gefahr / DR Kongo:
Gerechtigkeit für Justine Masika Bihamba
Justine Masika Bihamba und ihre Familie wurden aufgrund von Justines Arbeit für eine Frauenrechtsorganisation angegriffen. Vor über zwei Jahren drangen Soldaten während ihrer Abwesenheit in ihr Haus ein und fesselten ihre sechs Kinder mit vorgehaltener Waffe. Einer der Soldaten griff ihre älteste Tochter an und versuchte dann, eine andere Tochter zu vergewaltigen. Obwohl sie die Täter identifizieren konnten, wurden diese bis heute nicht verhaftet oder vor Gericht gestellt.
UPDATE (25. 11. 2009): Neuer Online-Appell anlässlich der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen - 25. 11. bis 10. 12. 2009. Jetzt unterschreiben!
Justine Masika Bihamba ist Koordinatorin der Organisation „Synergie des femmes contre les violences sexuelles‘‘ in Goma, Ostkongo, die gegen die weit verbreiteten sexuellen Übergriffe durch Angehörige der kongolesischen Armee und verschiedener Milizen kämpft. MitarbeiterInnen der Organisation werden immer wieder wegen ihrer Arbeit bedroht und angegriffen.
Am 18. September 2007 befanden sich ihre sechs Kinder alleine zu Hause, als Soldaten in ihr Haus in Goma eindrangen und nach Dokumenten durchsuchten. Sie fesselten ihre Kinder im Alter von 5 bis 24 Jahren mit vorgehaltener Waffe und fragten, wo ihre Mutter sei. Eine ihrer Töchter erklärte, dass ihre Mutter nicht zuhause sei und flehte die Soldaten an, sie sollten sich nehmen, was sie wollten und dafür niemandem etwas antun. Einer der Soldaten antwortete, dass sie nicht gekommen seien, um etwas zu stehlen, sondern dass sie mit einer „bestimmten Absicht“ gekommen seien.
Einige der Soldaten durchsuchten das Haus, traten eine Tür ein und suchten nach Dokumenten. Einer von ihnen trat Justines älteste Tochter (24) ins Gesicht und brach einen ihrer Zähne. Derselbe Soldat versuchte dann, Justines 21-jährige Tochter zu vergewaltigen. Als ihm das nicht gelang, griff er sie sexuell mit einem Messer an. Justine kam noch während des Angriffs nachhause, sie sah die Soldaten vom Tor aus und rief sofort die Behörden an. Während sie telefonierte, flohen die Soldaten.
Justine, ihre Kinder und andere Haushaltsmitglieder durchsuchten daraufhin gemeinsam mit der Militärpolizei die Nachbarschaft und konnten die Männer identifizieren – es handelte sich um Soldaten, die einen Armeeoffizier bewachten, der in der Nähe wohnte. Die Militärpolizei weigerte sich jedoch, sie zu verhaften, und behauptete, es gäbe keine Beweise. Justine Masika Bihamba brachte eine Anzeige gegen die Soldaten ein. Führende Armeeoffiziere, der Gouverneur der Provinz und andere Offizielle versprachen ihr immer wieder, dass der Gerechtigkeit genüge getan werde. Im März 2008 versprach der Vizegouverneur der Militärzone Nord-Kivu gegenüber Amnesty International, dass er der Sache nachgehen werde. Er halte es für „inakzeptabel, dass die Verantwortlichen unbestraft bleiben“. Bis heute ist allerdings keiner der Angreifer verhaftet oder vor Gericht geführt worden.
Im Gegenteil, Justine Masika Bihamba und ihre Kinder wurden wiederholt von den Tätern bedroht, die sich weiterhin frei in Goma bewegen und sich regelmäßig in der Nachbarschaft aufhalten. Zwei Mal sind Soldaten zu Justines Haus gekommen, haben die Familie bedroht und sich über die Beschwerde gegen sie lustig gemacht. Ihre beiden Töchter sind ins Ausland geflüchtet und ihr fünfjähriger Sohn fürchtet jetzt jedes Mal um sein Leben, wenn er Soldaten sieht. „Alles, was wir wollen, ist das Ende dieser Straflosigkeit“ sagte Justine gegenüber Amnesty International.
Die Straflosigkeit der Täter ist eine der Hauptursachen dafür, weshalb sexuelle Übergriffe durch Militärangehörige im Osten der Demokratischen Republik Kongo derart weit verbreitet sind und auch als Mittel zur Einschüchterung von MenschenrechtsverteidigerInnen eingesetzt werden.
Justine Masika Bihamba hat im April 2009 eine Nachricht an Amnesty geschickt, in der sie sich herzlich für die erhaltenen Solidaritätsbotschaften bedankt.
„Hallo an alle,
Mir fehlen die Worte, um meine Dankbarkeit für eure Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten auszudrücken. Ihr sollt wissen, dass die Karten, die ihr geschickt habt, tausende von Frauen in Nord-Kivu bestärkt haben, die die Hoffnung aufgegeben hatten. Ich würde euch gerne allen einzeln antworten, um euch meine Dankbarkeit zu zeigen. Noch einmal: Dankeschön.
Justine Masika Bihamba"
WERDEN SIE AKTIV!
- Unterschreiben Sie den Online-Appell!
- Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe, Faxe oder E-Mails auf Englisch, Französisch oder Deutsch, in denen Sie fordern:
- sofort eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Übergriffs auf die Familie der Menschenrechtsverteidigerin Justine Masika Bihamba anzuordnen (einschließlich des sexuellen Angriffs auf ihre Tochter und der versuchten Vergewaltigung) und die Verantwortlichen unverzüglich vor Gericht zu stellen,
- wirksame Sofortmaßnahmen für den Schutz von Justine Masika Bihamba und ihrer Familie zu ergreifen,
- dass MenschenrechtsverteidigerInnen in der DR Kongo ihrer Arbeit ohne Angst vor Schikanierung oder Repressalien nachgehen können, wie es die UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen vorsieht,
- dass alle sexuellen Gewaltverbrechen in der DR Kongo unverzüglich und umfassend untersucht werden und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
- sofort eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Übergriffs auf die Familie der Menschenrechtsverteidigerin Justine Masika Bihamba anzuordnen (einschließlich des sexuellen Angriffs auf ihre Tochter und der versuchten Vergewaltigung) und die Verantwortlichen unverzüglich vor Gericht zu stellen,
Individuell verfasste Briefe sind immer am wirksamsten! Falls Sie wenig Zeit haben, können Sie auch unseren beigelegten Musterbrief übernehmen. Bitte schicken Sie Ihren Brief wenn möglich an alle EmpfängerInnen und eine Kopie an die Botschaft.
- Schicken Sie Solidaritätsgrüße an Justine und ihre Organisation! Schreiben Sie auf Französisch oder auf Deutsch. Schicken Sie ihre Botschaften an
Synergie des Femmes pour les Victimes des Violences Sexuelles
B.P. 227 Gisenyi
Ruanda
- Verstärken Sie Ihre Aktionen rund um den 18. September (Jahrestag des Angriffs auf Justines Familie) und den 25. November (Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen).
Bitte geben Sie uns eine Rückmeldung, welche Aktionen Sie gesetzt haben und wie viele Appelle Sie verschickt haben! Schicken Sie diese an menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder an Amnesty International Österreich, Moeringgasse 10, 1150 Wien.
APPELLE AN:
Präsident Joseph Kabila
President Joseph Kabila
Cabinet du Président
Palais de la Nation
Kinshasa/Gombe
Demokratische Republik Kongo
(Anrede: Your Excellency / Monsieur le Président de la République)
Militärstaatsanwalt Joseph Ponde Isambwa
Général Joseph Ponde Isambwa, Chief Military Prosecutor
Auditorat Général des FARDC
Kinshasa/Ngaliema
Demokratische Republik Kongo
E-Mail: auditgeneral2007(at)yahoo.fr
(Anrede: Dear General)
Menschenrechtsminister M. Upio Kakura Wapol
M. Upio Kakura Wapol
Ministère de la Justice
228 Avenue de Lemera
BP 31 37
Kinshasa/Gombe
Demokratische Republik Kongo
(Anrede: Dear Minister/Monsieur le Ministre)
KOPIE AN:
Honorarkonsulat der DR Kongo in Österreich
Honorarkonsulat der Demokratischen Republik Kongo
Herr Ing. Klaus Kiessler, Honorargeneralkonsul
Neusiedlerstraße 52, 2340 Mödling
Fax: 02236 892 172
E-Mail: rdc.konsulat(at)aon.at
TEXTVORSCHLAG:
(Der Textvorschlag ist nur als Anregung gedacht. Falls Ihre Fremdsprachenkenntnisse ausreichen, dann verfassen Sie das Appellschreiben bitte selbst! Je individueller die Briefe sind, desto besser!)
(Entsprechende Anrede),
With this letter I want to draw your attention to the attack on JUSTINE MASIKA BIHAMBA’s family on 18 September 2007. Six army soldiers forced their way into Ms Masika Bihamba’s home. They threatened her six children with guns and knives, kicked her eldest daughter in the face and tried to rape another daughter. Allegedly Ms. Masika Bahamba has been targeted by members of the DRC military for her work as the coordinator of the NGO “Synergie des femmes contre les violences sexuelles” (SFVS).
Although Ms Masika Bihamba has lodged a legal complaint against the soldiers and despite several promises by the authorities, the soldiers (who have been identified) have still not been arrested or brought to trial. What is more, they have repeatedly threatened and harassed Ms. Masika Bihamba and her six children.
- I therefore urge you to provide immediate and efficient protection to Justine Masika Bihamba and her family set up a thorough and impartial investigation into the attack against Ms Masika Bihamba and her family – including the sexual assault and attempted rape of her daughter – with the aim of bringing those responsible to trial without any further delay
- do everything in your power to ensure that human rights defenders in the DRC can pursue their legitimate activities without fear of harassment or reprisals, as laid down in the United Nations Declaration on Human Rights Defenders
- see to it that all cases of sexual violence, particularly against women and children, are investigated promptly and thoroughly and those responsible brought to justice.
I am convinced you fully understand that impunity in this case would be counterproductive in the fight against sexual violence in the DRC and I thank you in advance for taking the appropriate measures immediately.
Yours sincerely,
Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns unter menschen-in-gefahr(at)amnesty.at oder 01/78008.




