Amnesty Artikel Bild

GRUPPENFINDER

JETZT SPENDEN

Aktion / Bosnien und Herzegowina:

Für vergewaltigte Frauen scheint es keine Gerechtigkeit zu geben...

Mehr als 13 Jahre nach Ende des Krieges in Bosnien und Herzegowina, 1992-95, warten die Opfer von Vergewaltigungen und sexueller Gewalt noch immer auf Gerechtigkeit.

Frauenrechte

Artikel drucken
Mittwoch, 25. November 2009

S., vergewaltigt von Soldaten der Armee der Republika Srpska, Juli 1995, in Potocari, Bezirk Srebrenica, war zusammen mit ihrem Mann, 2 Kindern und ihren Eltern im Ort in einer Fabrik gefangen, als zwischen 13. und 22. Juli 1995, die Soldaten begannen, über 7.000 bosniakische Männer und Buben zusammenzutreiben, um sie dann zu töten. Sie selbst wurde vergewaltigt und musste zusehen, wie ihr Mann weggebracht und ihr Vater getötet wurde.

Erst jetzt ist sie in der Lage zu realisieren, dass sie als Vergewaltigungsopfer dieselben Rechte wie ein ziviles Kriegsopfer hat und finanzielle Entschädigung bekommen müsste. Doch um diese anzufordern, müsste sie von der Vergewaltigung berichten. Und davor schämt sie sich, sie möchte nicht als "Vergewaltigte" stigmatisiert werden. Erst Anfang 2009 nahm sie das Angebot einer NGO zur Therapie an, 3 Monate später konnte sie mit AI darüber sprechen, was ihr zugestoßen war.

Fordern Sie Gerechtigkeit für die betroffenen Frauen in Bosnien und Herzegowina
Diesen Brief versenden
EmpfängerIn:
Mustafa Mujezinović Premierminister der Föderation Bosnien Herzegowina
Haris HRLE Botschafter von Bosnien und Herzegowina in Österreich
Betreff:
Women Still Waiting for Justice
Diesen Brief versenden
EmpfängerIn:
Milorad Dodik Premierminister der Republik Srpska
Haris HRLE Botschafter von Bosnien und Herzegowina in Österreich
Betreff:
Women Still Waiting for Justice
AbsenderIn-Daten

Hiermit stimmen Sie zu, dass die mit Ihrem Vor- und Zunamen personalisierten Appellbriefe an den/die AdressatIn dieser Appellaktion gesendet werden. Alle persönlichen Angaben werden gemäß Österreichischem Datenschutzgesetz 2000 (DSG 2000), BGBl. I Nr. 165/1999 vertraulich behandelt und keinesfalls an Dritte weitergegeben.

Ja, ich möchte von Amnesty International über weitere Menschenrechtsanliegen und Aktionen informiert werden. Ich stimme damit einer sorgsamen und vertraulichen Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch Amnesty zu.

Ich möchte den AI-Newsletter bekommen

"Als sie mich vergewaltigten, fühlte ich mich wie tot".
Das ist die erschütternde Aussage einer Frau über Ereignisse eines dunklen Kapitels in der Geschichte Bosnien und Herzegowinas.

Sexuelle Verbrechen gegen Frauen sind seit jeher ein Bestandteil eines Krieges. Zurück bleiben traumatisierte, gestörte Überlebende. Sie leiden an Alpträumen, Depressionen, Konzentrationsstörungen, Erinnerungslücken, Ängstlichkeit, Misstrauen, Unsicherheit, Scham und Selbstanklage. Dazu kommen physische Probleme wie Kopfschmerzen, sexuelle Störungen, Schlaflosigkeit und gynäkologische Probleme. Tausende Frauen haben außerdem auch noch Familienangehörige verloren und sind deshalb ohne Einkommen. Bedingt durch ihre psychischen Probleme haben sie Schwierigkeiten, einen Beruf zu finden. Dadurch gleiten sie zusätzlich in die Armut ab.

Warum gibt es keine Gerechtigkeit für Vergewaltigungsopfer?

  • Die Mehrheit der Frauen hatten keinen Zugang zu einer tatsächlichen Wiedergutmachung.
  • Diejenigen, die verantwortlich sind für Kriegsverbrechen der sexuellen Gewalt, entgehen der Untersuchung und Verfolgung und die Straflosigkeit überwiegt. Einige von ihnen sind zu Macht gekommen, andere wieder leben in derselben Gemeinde wie ihre Opfer. Nur ganz wenige Täter sind vor Gericht gekommen.

Woran scheitern die Wiedergutmachungen?

 "Niemand hat meine Rechte, niemand hat mich als Opfer anerkannt", N. im Gespräch mit Amnesty International.

Im Prinzip gibt es finanzielle und andere Unterstützung für anerkannte "zivile Opfer".Durch Die Regierung hat jedoch versagt, eine entsprechende Wiedergutmachung für Opfer sexueller Gewalt im Krieg zu schaffen. Viele weibliche Opfer sexueller Gewalt wurden daher nicht als solche akzeptiert.

In der Republika Srpska konnte man sich bis zum 31.1.2007 für eine Wiedergutmachung registrieren lassen. Viele Frauen aber, waren entweder zu traumatisiert, um sich registrieren zu lassen, hatten keine Ahnung davon oder ungenügende Informationen darüber. Alle Anträge der Frauen, die nach Fristablauf einlangten, wurden zurückgewiesen. Angeblich haben die Behörden die nachträglich eingereichten Anträge nicht aufgehoben.

In der Föderation von Bosnien und Herzegowina haben die Behörden eine NGO bestimmt, um die Angaben der Vergewaltigungsopfer zu erheben, damit sie den Status ziviler Kriegsopfer erlangen können. Diese NGO war durch ihre Art der Befragung den Frauen unangenehm und so haben bis Dezember 2008 auch nur 500 Frauen soziale Unterstützung erhalten.

Ein weiteres Problem ist, dass sehr wenige Frauen ein genügend hohes Einkommen haben, um sich die für sie nötigen Medikamente zu besorgen. J., eine der Sozialhilfeempfängerinnen erzählte, dass sie von ihrem monatlichen Einkommen von € 280,- (KM 560) mehr als € 70,- (KM 140) für Medikamente brauchen würde.

Die Regierung hat außerdem auch darin versagt, für die bestmöglichste psychische Betreuung der vergewaltigten Frauen zu sorgen. Weder wurden Mittel aus der staatlichen Vorsorge oder Gesundheitssystem direkt noch an NGOs, die diese Frauen betreuen, zur Verfügung gestellt. 90% dieser Frauen bekommen keine psychologische Hilfe. Das ist insofern sehr schlimm, da auch einige Frauen von ihren Männern verlassen wurden, nachdem sie von der Vergewaltigung erfahren hatten. Andere Frauen wiederum werden von ihren Männern misshandelt, da sie ihnen die Schuld an dem geben, was passiert ist.

"Niemand hört uns, Niemand schert sich um uns", sagt F. aus Tuzla.
Sexuelle Kriegsverbrechen sind noch immer ein heikles Thema in Bosnien und Herzegowina und werden von öffentlichen Diskussionen ausgeschlossen. Und ausgeschlossen aus der Gesellschaft fühlen sich auch die Frauen. Sie leiden im Stillen.

Amnesty International möchte die Frauen unterstützen und die Regierung dazu bringen, konkrete Schritte zu unternehmen, damit die Frauen und die nötigen NGOs alle Hilfe bekommen, die sie benötigen.